Mehr Besucher als Einwohner hat die Statistikstelle der Stadtverwaltung im Jahr 2010 vermerkt. 130 628 Gäste, die mit dem unbestechlichen Blick von außen urteilen. Und für einen Hotel-Direktor wie Frank Ulrich gehört es zum alltäglichen Job, sich mit ihnen über ihre Impressionen von der Innenstadt auszutauschen.

Erste Station: der Schloßkirchplatz. Zwei Dinge fallen dem Besucher zuerst ins Auge – die illegal parkenden Autos und die klobigen Pflanzenkübel. Sorat-Chef Frank Ulrich sagt: „Inzwischen begrüße ich die Mitarbeiter des Ordnungsamtes schon persönlich, weil die Autos bis dicht an die Spremberger Straße heranfahren oder die Pflanzenkübel rammen und damit ramponieren.“ Dann noch die leer stehenden Geschäfte in der Umgebung der Schloßkirchpassage – einladend wirkt das nicht auf die Touristen. Allerdings freuen sich die Gäste, wenn sie die Schloßkirche entdecken, deren Türen stets offen stehen – und sie schauen gern bei Traditionsunternehmen wie dem benachbarten Cottbuser Juwelier hinein. Denn eines hat der Schloßkirchplatz vielen anderen Orten in Cottbus voraus: Bei allen Problemen gilt er doch als urgemütlich.

Leerstehende Geschäfte befinden sich in mehreren Nebenstraßen der Spremberger Straße.
Zweite Station: die Spremberger Straße. Noch flanieren viele Spaziergänger durch die Fußgängerzone. Das könnte sich schlagartig ändern, sobald das Blechen-Carré seinen Erweiterungsbau einweiht – fürchtet jedenfalls Frank Ulrich. „Wenn hier nach und nach Geschäfte dichtmachen und in das große Einkaufszentrum ziehen, stehen der Sprem schwere Zeiten bevor“, sagt er. Zwar zeigen sich andere Fachleute aus Cottbus optimistischer. So sagt der Chef der Gebäudewirtschaft Cottbus (GWC), Torsten Kunze: „Für jeden Auszug stehen mehrere Interessenten in der Warteschleife.“ Doch der Leiter des Sorat-Hotels gibt zu bedenken: Nicht jedes neue Geschäft wirke auch attraktiv auf die Besucher. Zumal die Sprem einen recht kühlen Charakter trage. Selbst einer kleinen Stadt wie Offenburg an der französischen Grenze mit 20 0000 Einwohnern gelinge es, ihren Ortskern grün und freundlich zu gestalten. „Kein gutes Zeugnis für Cottbus, das immerhin mal die Bundesgartenschau ausgerichtet hat“, meint Frank Ulrich.

Frank Ulrich vom Sorat-Hotel lobt die Architektur und offene Gestaltung des Altmarkts.
Dritte Station: der Altmarkt. Da erwärmt sich das Herz des Hotelchefs. „Immer wieder schwärmen die Touristen von diesem Ort“, erklärt er. „Kein Wunder: Wenn sie den Altmarkt von der Sprem aus betreten, öffnet sich der Markt regelrecht – mit seinen restaurierten Häusern und den vielen Restaurants und Cafés, das ist einfach herrlich.“