23. Juli 2010, 00:00 Uhr

Wenn Bücher die Welt bewegen

Cottbuserin im Ehrenamt für ihr Engagement ausgezeichnet

Cottbus „Weltbeweger“ nennt sich ein Internetportal, das bundesweit herausragende Beispiele für Bürgerengagement auszeichnet. Jetzt wurden die Cottbuserin Renate Brinke und die Bücherecke der Freiwilligenagentur als „Weltbeweger“ geehrt.

Dass Bücher Welten verändern können, wussten Diktatoren aller Zeiten und haben deshalb stets versucht, die Kontrolle über das geschriebene Wort zu erlangen. Die positive Kraft von Literatur durfte Renate Brinke, 63, jetzt auf ganz ungewöhnliche Art erfahren. Sie wurde als »Weltbewegerin« ausgezeichnet, weil sie seit vier Jahren mit acht Mitstreiterinnen die Sachsendorfer Bücherecke betreibt.

»Weltbewegerin? Was für ein Wort«, zeigt sich die Ehrenamtliche erstaunt, als sie von der Auszeichnung hört. Sie selbst will sich dieses Lob nicht anheften lassen. »Wir sind ein Team. Wir arbeiten von Anfang an gemeinsam in der Bücherecke. Wenn, dann sind wir alle Weltbeweger.«

»Wir«, das sind neun Frauen, die nach der Schließung der Sachsendorfer Stadtteilbücherei einen Teil des Bestandes übernahmen und seitdem in Eigenregie in den Räumen des Soziokulturellen Zentrums die »Bücherecke« betreiben.

Die Idee dazu stammte von der Freiwilligenagentur.

Ein Jahr lang wurde eine der Frauen, Klarissa Kayser, aus Mitteln der »Sozialen Stadt Sachsendorf« gefördert, seitdem finanziert sich das Projekt komplett über Spenden.

»Wir bekommen immer wieder Bücher von Privatleuten«, erzählt Renate Brinke. »Außerdem arbeitet eine unserer Frauen in einer Buchhandlung und bringt regelmäßig Lese-exemplare mit.« So bleibt der Bestand von rund 1000 Exemplaren stets aktuell. »Denn leider muss für jedes neue Buch ein altes aus den Regalen verschwinden«, bedauert die Literaturfreundin. Überzählige Bücher können von Bibliotheksnutzern gegen eine Spende mit nach Hause genommen werden. »Aber bei so manchen Exemplaren blutet mir das Herz«, sagt Renate Brinke. Sie liebt Bücher, und sie liebt die Menschen, die sie lesen. Darum genießt sie die Zeit in der Bücherecke. »Wir treffen uns hier, halten mal ein Schwätzchen. Einmal im Jahr gibt es einen kleinen Ausflug für die Helfer.« Das sei Belohnung genug, sagt auch Klarissa Kayser, die der Bücherecke ebenfalls seit Jahren treu ist. »Wer einmal ehrenamtlich tätig war, der bleibt es«, sagt sie. Und meist sind die Frauen »Mehrfachtäter«

»Ich selbst arbeite noch ehrenamtlich beim Weißen Ring«, erzählt Renate Brinke. Andere Frauen helfen in Altenheimen, Krankenhäusern oder Schulen.

Kathrin Peranic, Projektleiterin der Stiftung Bürgermut in Berlin: »Die Bücherecke wurde schon für den deutschen Engagementpreis nominiert. So haben wir vom Projekt erfahren. Eine wunderbare Idee, die hoffentlich Nachahmer in anderen Kommunen findet.«
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Erstellt am: 23. Juli 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 23. Juli 2010, 08:25 Uhr
Autor: Von Andrea Hilscher

Von Andrea Hilscher

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