24. Juni 2009, 19:06 Uhr

Tram-Zukunft: Eierwurf im Cottbuser Stadtparlament

Cottbus Eklat bei der Cottbuser Stadtverordnetenversammlung zur Zukunft der Straßenbahn: Nachdem die Mehrheit der Abgeordneten am Mittwoch für eine abgespeckte Tram-Variante gestimmt hatte, wurde aus den Zuschauerreihen ein rohes Ei in Richtung des Präsidiums geworfen. Der mutmaßliche Werfer soll der Sammler von Unterschriften für den Straßenbahn-Erhalt sein.

Eierwurf in der Cottbuser Stadtverordnetenversammlung
Eierwurf in der Cottbuser Stadtverordnetenversammlung Foto: Montage: LR-Online
Der Oberbürgermeister von Cottbus, Frank Szymanski (SPD), ist bei der Sitzung des Stadtparlaments am Mittwochabend mit einem rohen Ei attackiert worden. Unmittelbar nach der Zustimmung zum Verkehrskonzept der Stadt bis 2020 rief ein älterer Gast von der Saaltribüne „Wir sind das Volk!“ und warf das Ei in Richtung des Sitzungspräsidiums. Dort schlug es auf dem Tisch neben dem Oberbürgermeister auf. Das Stadtoberhaupt verurteilte die Attacke, die zum ersten Mal bei einer derartigen Sitzung passiert sei. Der ältere Mann war durch das Sammeln zahlreicher Unterschriften für den Erhalt des kompletten Straßenbahnnetzes in der 100 000-Einwohner-Stadt bekannt geworden. Nach einer fünfminütigen Unterbrechung der Sitzung kündigte der Cottbuser Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) eine Auswertung des Zwischenfalls an und schloss auch eine Anzeige gegen den Werfer nicht aus.     

Straßenbahn in der Friedrich-Ebert-Straße Cottbus.
Die Straßenbahn in der Friedrich-Ebert-Straße in Cottbus. Foto: Behnke
Zuvor hatte die Stadtverordnetenversammlung mit der Mehrheit von SPD, Grünen und Linken das von der Verwaltung vorgeschlagene Verkehrskonzept verabschiedet. Danach wird es künftig in Cottbus drei Straßenbahnlinien geben, die alle den Hauptbahnhof ansteuern sollen. Nicht mehr per Bahn bedient werden sollen die Abschnitte zwischen Bonnaskenplatz und Schmellwitz Anger sowie zwischen Hauptbahnhof und Jessener Straße. Dort soll künftig der Bus die Bahn ersetzen. Laut Beschluss werden künftig auch die Umsteigemöglichkeiten zwischen Bus und Bahn optimiert. Mindestens eine Straßenbahnlinie wird durch die Bahnhofstraße führen. Die Zuschüsse an Cottbusverkehr werden im Jahr 2011 um eine halbe Million und im Jahr 2012 um eine Million Euro gekürzt.

Oberbürgermeister Frank Szymanski bezeichnete das Konzept „als klares Signal für die Straßenbahn in Cottbus“. Gegenüber dem Landesministerium könne die Stadt damit ihre Bemühungen um die Reduzierung der Feinstaubbelastung nachweisen.

Kritik am Beschluss äußerten hingegen Vertreter der Fraktionen CDU/FDP/Frauenliste sowie AUB. „Es sind noch zu viele Detailfragen offen“, erklärte Torsten Kaps (AUB). Der Ersatz der Straßenbahn durch den Busverkehr stehe im klaren Widerspruch zu den beabsichtigten Zielen der Feinstaubreduzierung und Lärmminderung in der Stadt, betonte Wolfgang Bialas (CDU). Zugleich kündigte er an, ein Bürgerbegehren einzuleiten. Dafür seien rund 8500 Unterschriften erforderlich. Gelinge es innerhalb einer festgelegten Frist diese Zahl der Unterschriften zu erhalten, sei der Beschluss der Stadtverordnetenversammlung hinfällig und eine erneute Diskussion und Abstimmung erforderlich. Er sei optimistisch, die erforderlichen Unterschriften zu erhalten, so Bialas.

Vor der Sitzung der Stadtverordneten hatten rund 100 Cottbuser auf dem Altmarkt für den Erhalt der Straßenbahn demonstriert.


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Erstellt am: 24. Juni 2009, 19:06 Uhr
Geändert am: 25. Juni 2009, 08:58 Uhr
Autor: Von Sven Hering/dpa

Von Sven Hering/dpa

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