21. Oktober 2010, 00:00 Uhr

Streit um Gedenkstein an früherem Cottbuser Gefängnis

Protestresolution nach Entfernen eines Symbols für Opfer

Cottbus Ein Streit ist um den Gedenkstein der Vereinigung der Opfer des Stalinismus entbrannt, dessen Platz sich bisher vor dem früheren Gefängnisgebäude an der Bautzener Straße befunden hat: Empört zeigen sich die Mitglieder des Menschenrechtszentrums Cottbus, weil der Stein bei Bauarbeiten herausgerissen und beschädigt worden ist. In einer gemeinsamen Protestresolution schreiben sie: „Wir fordern, dass der Gedenkstein durch den Verursacher repariert und wieder repräsentativ aufgestellt wird.

Gedenkstein als Symbol für politische Willkür: Im September des vergangenen Jahres besuchten 60 ehemalige Häftlinge und mehrere Gymnasialklassen die frühere Haftanstalt. Archivfoto: Mario Behnke
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Doch der Unternehmer Uwe Harzdorf, der für ungefähr 310 000 Euro die ehemalige Justizvollzugsanstalt an der Bautzener Straße in Cottbus ersteigert hat, reagiert erstaunt auf den Protest: »Ich hege eigene Pläne mit dem Grundstück, und da sehe ich momentan für den Gedenkstein an der bisherigen Stelle keinen Platz.«

Allerdings existiert ein Protokoll einer Beratung vom März 2005 zwischen der Gruppe ehemaliger politischer Häftlinge in Cottbus und Umgebung, einem Mitarbeiter des Landesbauamtes und der Stadtverwaltung, in dem es heißt: »In allen schriftlichen Vereinbarungen mit künftigen Investoren ist der Erhalt und Schutz dieses Gedenksteines Gegenstand in Verträgen.« Künftigen Investoren werde zwar ein eventuelles Verrücken des Steines gestattet. Es sei jedoch sicher zu stellen, dass er als öffentliche Anlage für die Bevölkerung sichtbar bleibt. »In allen Verhandlungen, die diese Anlage und den Gedenkstein betreffen, ist die Gruppe ehemaliger politischer Häftlinge in Cottbus und Umgebung einzubeziehen«, hält das Protokoll der Beratung fest.

Eine mögliche Lösung des Streits deutet sich unterdessen nach den Worten von Wieland Eschenburg an, dem Büroleiter des Cottbuser Oberbürgermeisters. »Es wird verschiedene Möglichkeiten geben, den Gedenkstein an einem anderen Platz auf dem Gelände des ehemaligen Gefängnisses aufzustellen, wo er durch den inhaltlichen Zusammenhang mit der Ausstellung und Gedenkstätte des Menschenrechtszentrums noch mehr Aufmerksamkeit erfährt« sagt er. »Die Stadt wird das Menschenrechtszentrum dabei unterstützen.« Auf eine Lösung werden die erzürnten Mitglieder ebenfalls drängen.

In ihrer Resolution erklären sie: »Der Stein ist eines der wenigen Denkmale, die in Cottbus an die Opfer der DDR-Diktatur erinnern.«

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Erstellt am: 21. Oktober 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 21. Oktober 2010, 10:02 Uhr
Autor: René Wappler

René Wappler

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