15. Februar 2011, 00:00 Uhr

Rotstift bedroht Cottbuser Schulen

Stadt hält Mittel für Investitionen und Ausstattung zurück / Eigenes Budget gefordert

Cottbus Ein großer Teil der für Ausstattung sowie Lehrmittel an Cottbuser Schulen eingeplanten Gelder ist im vergangenen Jahr nicht ausgezahlt worden. Drei Grundschulen und zwei Gymnasien sind komplett leer ausgegangen. Für die nächsten Jahre droht erneut der Rotstift. Schulleiter fordern jetzt ein eigenes Budget.

Neue Stühle, neue Tische – nicht alle Cottbuser Schulen sind so wie die in Sielow ausgestattet. Dennoch wurde im vergangenen Jahr Geld nicht abgerufen. Fünf Schulen gingen völlig leer aus. Archivfoto: Georg Zielonkowski/ski1
Ein neuer Stuhl, ein besserer Tisch, vielleicht sogar ein neuer CD-Player für den Musikunterricht - für Ausstattungsgegenstände mit einem Wert von mehr als 150 Euro hatte die Cottbuser Stadtverwaltung nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 125 000 Euro in den Haushalt eingestellt. Geld, das sich die insgesamt 26 Bildungseinrichtungen in der Stadt teilen sollten. Die jetzt vorgelegte Statistik zeigt aber: Nur 88 Prozent der Mittel sind auch ausgegeben worden. Und das, obwohl es genügend Anträge gegeben hat. Noch eklatanter fällt die Abrechnung beim Inventar aus, das maximal 150 Euro kostet: Dort wurden gerade einmal 55 Prozent der im Haushalt eingestellten 71 500 Euro an die Schulen weitergegeben. Von den 30 000 Euro für Lehr- und Unterrichtsmittel gab die Stadt lediglich 59 Prozent frei.

Eine Bilanz, die bei den Mitgliedern des Cottbuser Bildungsausschusses für Verwunderung sorgt. »Wir haben uns positioniert, dass es der politische Wille ist, nicht bei der Bildung zu sparen«, sagt der SPD-Stadtverordnete Denis Kettlitz. Die Stadtverwaltung missachte diesen Willen, indem nicht alle Gelder freigegeben werden. »Wir haben einen Haushalt, der nicht genehmigt ist, deshalb ist es nicht die Stadtverordnetenversammlung, die sagt, was wir ausgeben können, sondern das Innenministerium«, entgegnet Bildungsdezernent Berndt Weiße (parteilos).

Doch auch die Schulen, die sich aus dem Topf bedienen konnten, hatten es nicht leicht. Der Antrag muss nicht nur hieb- und stichfest formuliert sein. Bevor er bewilligt wird, muss er in der Verwaltung außerdem mehrere Stationen durchlaufen. Bis zu sieben Mitarbeiter sind mitunter im Rathaus eingebunden. Deshalb mehren sich die Stimmen, die ein von den Schulen selbst verantwortetes Budget fordern. »Wer direkt betroffen ist, der kann am besten sagen, wo der Schuh drückt«, sagt Michael Seifert, Schulleiter am Oberstufenzentrum I. »Keine Schule leistet sich Luxus, sondern würde die Beträge sinnvoll einsetzen«, ergänzt Wolfgang Neubert, Leiter der Lausitzer Sportschule. Auch Denis Kettlitz unterstützt diese Initiative. »Ansonsten besteht die Gefahr, dass Eltern künftig nicht mehr nur den Taschenrechner für ihr Kind bezahlen müssen, sondern auch den Stuhl, auf dem es sitzt«, sagt er.
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Erstellt am: 15. Februar 2011, 00:00 Uhr
Geändert am: 15. Februar 2011, 09:21 Uhr
Autor: Von Sven Hering

Von Sven Hering

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