Cottbus Mehr als drei Jahre war ihr Gruß auf hoher See unterwegs. Jetzt hat Mylene Krautzig (10) aus Cottbus-Sielow Antwort bekommen – von Naoki Nishida, der ihre Flaschenpost am Strand der japanischen Insel Minami-Torishima fand.
30.07.2010
Mylene Krautzig freut sich über die japanischen Geschenke, die ihr der Finder ihrer Flaschenpost geschickt hat. Fotos: Preikschat
»Das ist cool.« Mylene Krautzig blättert in einem Büchlein mit Mustern zum Falten von Papier. Neben ihr auf dem Tisch liegen die dazugehörigen Blätter, außerdem Fächer und ein Kaleidoskop. In dem Brief, der den Geschenken beiliegt, steht: »Das Spielzeug ist ein Geschenk von allen interessierten Mitarbeitern meines Büros.« Mylene wüsste gern mehr über Naoki Nishida. Sie weiß nur, dass er ein Mann ist und keine Frau. »Er schreibt, er ist Japaner«, sagt sie und betont das »er«.
»So weit ich weiß, sind bei den japanischen Seestreitkräften auch keine Frauen«, ergänzt Axel Hansch, Vorsitzender im Verbund der Vereine (VdV) in Cottbus. Denn auch das teilt Naoki Nishida in dem Brief mit. Hansch hat die Postsendung vergangene Woche beim Zoll in Forst abgeholt. »Die mussten prüfen, ob verzollte Ware in dem Umschlag war.«
Mylene hat ihre japanischen Geschenke dem 850. Geburtstag von Cottbus zu verdanken. Im Jubiläumsjahr 2006 nämlich legte der VdV an seinem Fest-Stand Flaschenpost-Briefe aus. Auf der Vorderseite eine Kurzbeschreibung der Stadt. Auf der Rückseite konnte, wer wollte, einen persönlichen Gruß hinzufügen. Mylene malte zwei Bäume, Sonne und Tulpe auf ihre Rückseite, schrieb ihren Namen dazu und »Viele Grüße«. Danach kam das Papier in eine leere Weinflasche.
»Wir haben alle 850 Flaschen nach Hamburg gefahren«, erzählt Hansch. Der Cottbuser Verein »Freunde der Seefahrt« hatte Kontakt zu einem Reeder. Mylenes Flasche klatschte ins chinesische Meer, legte in gut drei Jahren 4819 Kilometer zurück, um im Juni an den Ufern der 1,4 Quadratkilometer kleinen Pazifik-Insel Minami-Torishima zu zerschellen. Naoki Nishida fand die Flaschenpost und war entzückt. In seinem Antwortbrief schreibt er: »Wir möchten unsere Dankbarkeit zum Ausdruck bringen für dieses Wunder, das uns aus ihrem Land in Japan erreichte.«
Wie Mylene will auch Hansch mehr über den freundlichen Japaner wissen: »Wir rufen ihn an.« Mylene will bei dem Gespräch »unbedingt dabei sein«.
Axel Hansch zeigt die Vorderseite des wieder zurückgeschickten Schreibens mit der Kurzbeschreibung der Stadt Cottbus.
Endstation der Flaschenpost aus Cottbus: die Pazifik-Insel Minami-Torishima. Foto: privat
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