21. Februar 2012, 00:00 Uhr

Mögliche Wolfsattacke auf Bullenkalb in Müschen

Betroffener Landwirt fühlt sich von Behörden allein gelassen

Müschen Die Lausitzer Wolfsrudel könnten ihre Reviere bis an den Spreewald ausgedehnt haben. Im Burger Ortsteil Müschen gab es in der vergangenen Woche einen Angriff auf eine Rinderherde, der diese Vermutung nahe legt.

Wölfe könnten für den Spreewald zum Thema werden.
Als Matthias Schallmea am Donnerstag nach seinen Kühen sah, erwartete ihn eine schreckliche Überraschung. Ein Tier hatte offensichtlich gekalbt. Doch vom Kalb fand er einige Meter entfernt nur noch den Kopf, Knochen und Fellfetzen. „Ein so übel zugerichtetes Tier habe ich in 20 Jahren Rinderhaltung noch nie gesehen“, sagte er. Große Pfotenspuren auf der Koppel und der Fakt, dass von einem schätzungsweise 45 Kilogramm schweren Bullenkalb weniger als die Hälfte übrig geblieben war, nährten beim Tierhalter und einem herbeigerufenen Jäger den Verdacht, dass es sich um eine Wolfsattacke gehandelt haben könnte.

Lange Untersuchung

Ein herbeigerufener ehrenamtlicher Mitarbeiter des Naturschutzbundes nahm die Situation auf der Weide auf und barg den Kadaver. Er soll in Frankfurt/Oder durchs Landesumweltamt untersucht werden, um festzustellen, ob ein wildernder Hund oder Wolf das Kalb gerissen hat. Dies könne vier bis sechs Wochen dauern. Da die bisherige, für Kühe genügende Sicherung mit zwei Drähten und einem am Graben als nicht auszureichender Schutz gegen weitere Attacken eingeschätzt wurde, demontierte Matthias Schallmea Teile einer Pferdekoppel und verstärkte damit die acht Hektar große Weide. Am Folgetag nahm auch ein ehrenamtlicher Mitarbeiter des Landesumweltamtes den Fall auf und äußerte Zweifel an einer Wolfsattacke. Er riet, dennoch Verstärkungen am Weidezaun durchzuführen. Obwohl es für schon getroffene Maßnahmen keine Fördermittel gebe. Eine Entschädigung gebe es nur, wenn der Wolf eindeutig erwiesen sei.

Entschädigung unklar

Matthias Schallmea schätzt den Schaden und die Zusatzkosten für den Bauernhof Gummelt auf 1000 Euro. Zudem fürchtet er eine Wiederholung solcher Attacken. „Die Behörden haben in der Vergangenheit unbürokratische Hilfen und Entschädigungen auch bei mutmaßlichen Wolfsangriffen versprochen. Davon habe ich noch nichts bemerkt. Über mehr Hilfe durch das Landesumweltamt hätte ich mich angesichts der schwierigen Situation schon gefreut.“

Zudem gibt es auf dem Bauernhof mit Ferienwohnungen ein zweites Problem. Bisher galt der Spreewald als wolfsfrei, Fragen möglicher und angereister Feriengäste nach dem Isegrim konnten bisher verneint werden.

Wolfsattacken wurden zumindest öffentlich nicht bekannt. Es gibt aber Berichte von Jägern über Fährten, die auf durchziehende Tiere hindeuten. Seit dem Vorjahr werden immer wieder entsprechende Spuren entdeckt.

Viele Kleinbetriebe

Vor Angriffen auf weidende Tiere können sich die Landwirte im Spreewald und den Randgebieten nur schwer schützen. Fast alle betreiben Höfe, Weiden und Viehzucht nur im Nebenerwerb. Der Verlust von Tieren trifft sie wirtschaftlich aber auch emotional stärker als größere Betriebe. Der höhere Aufwand zur Absicherung der Weiden oder die von Behörden empfohlene Anschaffung spezieller Schutzhunde verursachen Mehrkosten, die für die kleinen Landwirte nur schwer aufzufangen sind.

Noch kein Aktionsplan

Welche Auswirkungen Wolfsreviere oder das regelmäßige Auftauchen der Tiere im Spreewald für den Tourismus haben könnten, ist noch ungewiss. „Wir haben für diesen Fall noch keinen Aktionsplan“, räumte der Burger Amtsdirektor Ulrich Noack ein. Er warnte vor Panik und riet, die Ergebnisse der Untersuchung abzuwarten. Angesichts stetig steigender Bestände und der daraus folgenden Ausweitung der Reviere, würden Wölfe aber über kurz oder lang zu einem Thema für Burg und die Nachbargemeinden. „Wir werden uns in den entsprechenden Gremien sachlich mit diesem Problem auseinandersetzen und gemeinsam mit Abgeordneten, Bürgern und Fachleuten nach Lösungen suchen.“
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Erstellt am: 21. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 21. Februar 2012, 11:11 Uhr
Autor: Von Ronald Ufer

Von Ronald Ufer

Jüngste Kommentare (20)

Aufruf zur ersten Protestdemo gegen den Wolf

von peterbrdb2

Schluß mit dem gequatsche vom lieben Wolf, mit den Verharmlosungen, dem Diktat der Verniedlichungen. Schützt euch und eure Kinder vor künftigen Übergriffen. Schluß mit der einseitigen Lobby für ein Tier, welches unser Ökosystem und viele Haustierrassen bedroht. Kämpft gegen ein Gesetz, welches gegen und nicht für den Menschen ist. Naturschutz darf nicht einseitig und ein Privileg der Wölfe sein. Wehrt euch, greift zu den Äxten, Hacken und Forken. Wir sind das Volk. 1. März in Altdöbern. Im Schützenhaus (19 Uhr)

Ein Tier bedroht unser Ökosystem?

von Megander

Antwort auf folgenden Beitrag von peterbrdb2 am 26.02.2012 18:05 Uhr

Aha.

Und gegen wen wird mit Mistgabeln und Fackeln zu Felde gezogen am 01.03.? Werden da Leute gelyncht, die im Verdacht stehen, Wolfsfreunde zu sein (oder zumindest nicht genug wolfsfeindlich) oder brennen wir gleich den Wald mitsamt Wolf ab?

Das ist ja wohl eher die Art der Wolfsfreunde

von peterbrdb2

Antwort auf folgenden Beitrag von Megander am 27.02.2012 10:31 Uhr

Lobbyismus für den Wolf um jeden Preis und wenn alles andere in Schutt und Asche fällt. Verharmlosen und Vertuschen was nicht positiv genug für den Wolf ausfällt.
Naturschutz ja, aber bitte nur für den Wolf. Betrifft uns Balkonblumenzüchter ja eh nicht, wenn er Schaden macht. Und irgend jemand wird sich schon finden, dem wir die Schuld in die Schuhe schieben können. Warum führen sie denn nicht auch die Käfighaltung für ihre Viecher ein, klappt doch bei Hühnern auch.

Will denn keiner die Gefahr erkennen

von peterbrdb2

Ausgemachter Schwachsinn von Leuten, die vom Leben auf dem Dorf keine Ahnung haben, aber mit dem Elektrobike auf asphaltierten Radwegen ins " Grüne" fahren.
Ein Raubtier wird immer die leichteste Beute wählen und das ist bei uns stets das Nutzvieh der kleinen Einzelbauern im Nebenerwerb. Die vielen kleinen Leute sind es auf dem Dorfe, die seit Jahren die alten Nutz- und Haustierrassen vor dem Aussterben bewahren, sie mit Herzblut hegen und pflegen und so das ursprüngliche dörfliche Leben aufrecht erhalten. Und komischer weise werden deren Einzeltiere in letzter Zeit dann immer wieder von wildernden Hunden gerissen, die dann noch in ihrer Gier gleich ein ganzes Kalb in einer Nacht auffressen. Verwunderlich nur, das in den vielen Fotofallen im Wolfsrevier noch nie ein wildernder Hund aufgetaucht ist. Auch in der Zeit vor dem Wolf hat man nie was von wildernden Hunden gehört. Teil3

Will denn keiner die Gefahr erkennen

von peterbrdb2

Der Wolf wird bei entsprechender Population, welche sich in jedem Jahr verfünffacht, seine natürliche Scheu vor dem Menschen ebenso schnell verlieren, wie der Fuchs und damit zwangsläufig auch die Konfrontation mit dem Menschen.Der ist inzwischen zu einer echten Rattenplage auf dem Land geworden ist. Und auch den hält kein Zaun und keine Voliere auf, wie ich selbst erfahren mußte. Der Waschbär ist seit Jahren nicht in den Griff zu kriegen und bedroht viele unserer heimischen Arten. Dieser Lobbyismus wird hier zu einseitig nur für den Wolf betrieben und zwar um jeden Preis, koste es was es wolle.
Wollen wir wirklich darauf warten bis der Erste angefallen wird. Wenn selbst der beste Freund des Menschen, der Hund es tut, dann ein Raubtier erst recht. Abgesehen von den vielen alten Hautierrassen die durch den Wolf aussterben werden, weil sie keiner mehr halten kann. Sieht so Naturschutz aus? Teil 2

Ist kritisches Lesen und Werten

von Schwejk

im Zeitalter von Twitter, der großen Online-Empörung und des aus dem Zusammenhang gerissenen (und womöglich noch bewußt verfälschten oder entstellten) Zitats überhaupt noch Mode?

http://wolfswelt.chapso.de/sind-woelfe-gefaehrlich-s361310.html

ok

von unbekannt

Antwort auf folgenden Beitrag von Schwejk am 22.02.2012 09:39 Uhr

Schöner Werbeartikel.

Ändert aber nichts an der Tatsache, daß der Wolf ansich ein Schädling ist.

Der Begriff SCHÄDLING kommt im Sprachschatz ...

von Lausitzer2

Antwort auf folgenden Beitrag von unbekannt am 24.02.2012 16:13 Uhr

... von Mutter Natur NICHT VOR. Jede Kreatur hatte und hat ihre Aufgabe im Kreislauf der Natur und somit ihre Daseinsberechtigung. Also bitte, noch mal das Hirn einschalten bevor man in die Tasten haut.

Alles Panikmache oder doch nicht?

von Hausi

In Weissrussland / Russland, nehmen die Menschen in diesen Tagen die Hunde von draussen von der Kette, weil sie früh dann nicht mehr dran sind, bzw. nicht mehr im Stück. Neben dem Wohnhaus wohl gemerkt.

Die Jäger selbst gehen mit den Hunden nur max. 500m in den Wald um ein Stück Wild nach zu suchen, sonst sind Jäger und Hund nicht mehr sicher.
Lasst ihn nur richtig Hunger haben.
Lasst ihn mehr ins 21.Jahruhundert und merkt dann wie rau es doch einst war...

Diese Ausführungen

von Hausi

Antwort auf folgenden Beitrag von Garten36 am 22.02.2012 11:15 Uhr

habe ich von einem Reisenden aus Bernau der dort war und diese Situation selbst miterlebt hat. Wenn frische Spuren vom Wolf zu erkennen waren keine 500 m mehr in den Wald. Das denken sich die Einheimischen dort nicht aus..die haben kein Twitter oder Wolfsschutzvereine etc. Ich bin kein militanter Verfechter, ich merke nur immer mal an das der Wolf das alles gar nicht lesen kann, dass er so lieb ist. Problematisch sind immer Hund / Wolf Begegnungen da kann mir einer erzählen was er will.Sicherlich lassen sich die ehem. GUS Staaten nicht genau mit hier vergleichen, mag sein.

Teil 2

von Hausi

Antwort auf folgenden Beitrag von Hausi am 22.02.2012 11:32 Uhr

Aber die Wolfdichte wächst und wir sind stark besiedelt, was bedeutet wir können uns bei der Mensch / wolf dichte auch mit anderen Ländern messen.Vielleicht lassen sich ja die Risse hier und da mit Parolen und papieren eindämmen. Die könnt ihr nur alle vergessen, wenn er eins hat...und das ist Hunger. Sein Überlebenstrieb wird ihn auch andere Gerichte kosten lassen. Ich frage mich ob alle denken, nur weil wir im zivilisierten 21 .jahrh. leben, wir auch mit alten Mächten experimentieren sollten.

@Hausi - Reisebeschreibungen ..

von loewenreh

Antwort auf folgenden Beitrag von Hausi am 22.02.2012 11:32 Uhr

Und Kinder kriegen im Winter gelegentlich gesagt:
Wenn ihr gelbe Lichtlein am Waldesrand seht - nicht hingehen!
Das sind Wolfsaugen.
So geht das dort schon seit Jahrhunderten - und die Bevölkerungs-
zahlen sind im vorigen Jahrhundert förmlich explodiert.
Also keine Panik, Menschen gehören nicht zum Beuteschema der Wölfe.
Auch wir werden lernen (müssen), mit den Wölfen zu leben.
Natürlich - da haben Sie Recht - muss der Wildbestand ausreichend sein
für eine entsprechende Wolfsdichte.
Man könnte z.B. die Abschussquote für die Jäger reduzieren, oder die
Wölfe verlassen freiwillig ein ungastliche Revier, oder der Bestand wird
reduziert.
Was nicht hilft, ist Panik oder die dümmliche Polemik mancher
Wolfsgegner!

...

von Xerxes

Antwort auf folgenden Beitrag von Hausi am 22.02.2012 11:32 Uhr

und rotkäppchen...
vielleicht gibts deswegen im osten immer weniger leute, hat alle der wolf geholt...

Angriffe auf Hunde

von Megander

Antwort auf folgenden Beitrag von Hausi am 22.02.2012 08:59 Uhr

Interessant zu erfahren wäre, ob diese aus Hunger stattgefunden haben oder einfach nur weil der Wolf im Hund einen anderen Wolf sieht, der in seinem Revier nicht geduldet wird. Ist ja immerhin noch die gleiche Spezies.

Alles Panikmache.

von carscout

Immer diese Aufregung, das ist eben Natur in die der Mensch eingedrungen ist nicht der Wolf. Tourismusschaden ensteht nur durch dumme Panikmache. Ich geh auch weiterhin durch den Wald.

Typisch Grüne

von HerrMeier

Antwort auf folgenden Beitrag von carscout am 21.02.2012 17:04 Uhr

Aber wohnen bleiben dürfen wir vorläufig noch hier, oder gibt es bereits Pläne uns zu deportieren?

Kann denn nicht mal jemand an die Kinder denken?

von Megander

http://www.youtube.com/watch?v=Qh2sWSVRrmo

ausnahme

von molay

ich weiss nicht, die wievielt ausnahme von der regel das jetzt ist, dass diese raubtiere nur wildtiere reissen für mich macht das überhaupt keinen unterschied ob das ein verwilderter hund oder ein wolf war - wenn es das einmal erfolgreich tut , tut es das wieder und hat zur not mit einer treibjagd zur strecke gebracht zu werden.
jeder hundehalter hat tausend schikanen über sich ergehen zu lassen, wenn er nur einen hofhund hält aber hier wird so getan als ob wir in sibirien und nicht im mitteleuropa des 21. jahrhunderts leben.

Schaden für den Tourismus

von longeasy

Dem Tourismus in Burg wird dies sicherlich Schaden zufügen. Oder wer möchte seine Kinder im Ferienlager eine Nachtwanderung machen lassen, so wie dies früher möglich war. Sollen sich doch diejenigen, welche sich für diese Wolfsviecher einsetzen, in der Nacht auch für die Sicherheit der Bürger und deren Nutztiere einsetzen. Ich wäre für einen Sozialdienst für Wolfsschützer als Nachtwächter vor Tierkoppeln !

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