Cottbuser Hartz IV-Behörde muss bei Hunderten Erwerbstätigen das Gehalt aufstocken
Cottbus
Der Cottbuser Christian A. ist fest angestellt, arbeitet 30 Stunden die Woche – und ist dennoch auf staatliche Stütze angewiesen. Von den 410 Euro brutto, die ihm sein Arbeitgeber zahlt, kann er nicht leben. 436 Euro schießt das Jobcenter im Monat zu. Christian A. ist laut Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) einer von rund 70 000 Brandenburgern, die trotz Arbeit ergänzende Leistungen beziehen müssen.
Auf dem Cottbuser Altmarkt haben sich die Gewerkschaften am Wochenende für 7,50 Euro Mindestlohn stark gemacht. Mit überlebensgroße Puppen wiesen sie auf die Branchen hin, in denen häufig weniger gezahlt wird. Foto: Jürgen Becker Foto: Jürgen Becker
Seit sechs Jahren fährt Christian A. für ein Taxi- und Mietwagenunternehmen. Seine Lehre als Gas- und Wasserinstallateur hatte er nicht abgeschlossen. „Ich bin dreimal durch die Theorieprüfung gerasselt“, sagt er. Der Job bei dem Fuhrunternehmer sei für ihn wie ein rettender Strohhalm gewesen. „Mir ist wichtig, dass ich überhaupt etwas tun kann. Ich kann nicht den ganzen Tag zu Hause herumsitzen.“
Etwa 360 Euro netto kommen bei Christian A. monatlich heraus. „Ich lebe bescheiden“, sagt er. „200 Euro zahle ich schon an Miete. Hinzu kommen Gas, Wasser, Strom, Versicherungen und, und, und. Irgendwie komme ich aber über die Runden.“
Seine Lebensperspektive? Christian A. überlegt. „Ich hatte bei der Arbeitsagentur schon mal nach einer Umschulung gefragt, doch die Agentur hatte daran zwei Bedingungen geknüpft: Erstens hätte ich testen lassen müssen, ob ich dafür schlau genug bin. Und zweitens hätte ich das nebenbei machen sollen.“ Christian A. schüttelt den Kopf. „Das habe dann sein lassen, denn 24 Stunden am Tag muss ich ja auch nicht arbeiten gehen.“
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