08. Februar 2012, 00:00 Uhr

Klimawandel fordert neue Wege

Die regionale Planungsgemeinschaft Lausitz-Spreewald diskutiert Lösungen für die Region

Forst Die globale Klimaerwärmung macht auch vor der Lausitz nicht halt. Doch wie soll man sich auf die Veränderungen einstellen? Landwirte, Energieerzeuger und andere Bereiche haben dafür eigene Ansätze formuliert. Die Regionale Planungsgemeinschaft versucht nun – gemeinsam mit anderen Partnern in Brandenburg – daraus gemeinsame Strategien zu entwickeln.

Mal fällt die Ernte der Trockenheit zum Opfer, mal der Nässe. Auf solche Auswirkungen des Klimawandels muss sich die Region noch stärker vorbereiten. Foto: dpa
Zwei Projekte verfolgt die Regionale Planungsgemeinschaft Lausitz-Spreewald derzeit unter dem Dach von Klimawandel und Energiegewinnung. Zum einen wird gemeinsam mit der Hochschule Eberswalde ein modellhafter, klimaadaptierter Regionalplan entwickelt. Zum anderen geht es um ein Energiekonzept für die Region, das sich insbesondere mit der räumlichen und sachlichen Integration der erneuerbaren Energien und Energieeinsparung befasst. Beides wurde am Dienstag auf einer Regionalkonferenz in Forst mit Akteuren aus Politik und Verwaltung diskutiert.

„Wir haben bereits mit den Hochwassern der vergangenen Jahre den Klimawandel zu spüren bekommen – und zwar in einer Intensität, die wir nicht erwartet hätten“, sagte Spree-Neiße-Landrat Harald Altekrüger (CDU) zur Begrüßung. „Die Hochwasser haben uns gezeigt, dass schon kleine Klimaschwankungen ungeahnte Auswirkungen haben können“, betonte auch Günter Hälsig, Abteilungsleiter im Landesumweltministerium. Brandenburg müsse sich auf diese und andere Auswirkungen der Klimaveränderung einstellen. „Abwarten hilft nicht“, so Hälsig.

Viele Anpassungsstrategien und Pläne zum Umbau der Energieerzeugung gebe es bereits im Land, erläutert Professorin Uta Steinhardt von der Hochschule Eberswalde. Um aber vernünftig auf die Herausforderungen der Zukunft zu reagieren, reiche es nicht aus, Pläne für die Energieerzeugung oder für die Zukunft der Landwirtschaft zu machen. „Viele Akteure haben bereits Strategien entwickelt, zwischen denen es aber Konfliktfelder geben kann“, so Uta Steinhardt. Ziel müsse es daher sein, integrative Ansätze für alle Sektoren zu suchen. In einem Forschungsprojekt im Rahmen des Innovationsnetzwerkes Klimaanpassung Brandenburg Berlin (INKA BB) soll dies exemplarisch für die Regionen Lausitz-Spreewald und Uckermark-Barnim erprobt werden. In einem ersten Schritt wurden anfällige Flächen der Land- und Forstwirtschaft untersucht. Als eine Region mit zusätzlichem Gefährdungspotenzial wurde dabei der Spreewald ermittelt, für den weitere Untersuchungen angestellt werden müssen.

In einem weiteren Schritt werden nun andere Sektoren untersucht, auf die der Klimawandel Auswirkungen haben wird, beispielsweise der Tourismus. „Wir müssen den Klimawandel bei Planungen künftig immer mitdenken“, erklärt Uta Steinhardt.

Das zweite wichtige Projekt in der Planungsregion ist die Erarbeitung eines Regionalen Energiekonzeptes Lausitz-Spreewald. Dafür werden zunächst die nötigen Daten erhoben, um für die gesamte Region – und dann auch für jede Kommune – sagen zu können, wie viel Energie verbraucht wird und wo diese herkommt. „Bis Ende März wollen wir die Ist-Daten für alle Kommunen im Internet verfügbar machen“, kündigt Burkhard Zschau von der Firma Faktor-i an, die die Koordinierung des Projektes übernommen hat. „Jeder Bürger kann dann für seine Kommune sehen, wo sie in der Energieerzeugung und im Energieverbrauch steht, und mit anderen Kommunen vergleichen“, so Zschau. Das sei in dieser Datendichte einmalig in Deutschland. „Wir bewerten die Daten nicht nur in Energieeinheiten sondern auch in Euro, sodass sich ganz konkrete Handlungsoptionen ergeben“, so Zschau. Anhand der ermittelten Daten werde dann sehr schnell deutlich, dass es nicht nur um Fragen der Energiewende und des Klimaschutzes gehe, sondern auch um konkrete Kostensparpotenziale.

Der zweite Teil des Energiekonzeptes soll dann in den folgenden Monaten folgen und Ende August vorliegen. Darin geht es um Handlungsempfehlungen und Chancen für die Region. Mit diesen von unten ermittelten „ehrlichen“ Daten könne man dann auch die von oben festgesetzte Energiestrategie des Landes auf ihre Machbarkeit überprüfen, kündigt Zschau an. In den kommenden Wochen sollen dazu noch Fragebögen an Akteure in der Region verschickt und Interviews geführt werden.
Extras zum Artikel
Schlagworte zum Artikel:
Artikel Teilen:
Artikel-Aktualisierungen:

Erstellt am: 08. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 08. Februar 2012, 09:10 Uhr
Autor: Von Bodo Baumert

Von Bodo Baumert

Jüngste Kommentare

Zu diesem Artikel sind noch keine Beiträge vorhanden
Kommentar hinzufügen

Noch kein Passwort? Hier registrieren