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Cottbus

Jubelfest zur Gründung von Kottbus

Cottbus In loser Folge berichtet der Cottbuser Heimatforscher Heinz Petzold über die Stadtgeschichte. Diesmal schreibt er über ein Fest vor 180 Jahren zur bisher nicht bewiesenen Stadtgründung vor 900 Jahren.

31.07.2010

Am 3. August 1830 - vor 180 Jahren - soll Cottbus 900 Jahre alt gewesen sein. So behaupteten es wenigstens die Stadtoberen und verbanden damit gleichzeitig ehrende Glückwünsche zum Geburtstag ihres preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. Warum, ist heute noch unverständlich. Dieser pflichtgetreue Monarch war ein gehemmter, zaudernder Schwächling, der zwar die Mätressenwirtschaft bei seinem Amtsantritt wegfegte, doch scheu und schüchtern war und nur in abgerissenen Sätzen, meist in Infinitiven, sprach. Für Cottbus war und blieb er unbedeutend.

Schon am Vorabend des 3. August läuteten die Glocken der Ober-, Kloster- und Schlosskirche das Stadtgründungsfest ein und gaben dem auf dem Marktplatz stattfindenden Zapfenstreich der Schützengilde und Teilnehmer der Befreiungskriege einen feierlichen Glanz. Am darauffolgenden Tag versammelten sich die Cottbuser, besonders die gutbetuchten Bürgerfamilien, am späten Vormittag vor dem festlich mit Girlanden geschmückten Rathaus. Nachdem vom Rathausturm die elfte Stunde verklungen war, bestieg Bürgermeister Johann Christian Krenkel die hölzerne Bühne vor dem Portal des Rathauses. Bei herrlichstem Sommerwetter hielt er seine Festrede und erinnerte an die einstige Gründung und nicht gerade einfache Historie der »Stadt Kottbus«. Hier war wieder zu spüren, dass abgesehen von den nie ruhenden Einigungsbestrebungen, die Zeit zwischen 1815 und 1850, die als Biedermeier bezeichnet wird, keineswegs so beschaulich war, wie der Klang des Wortes vortäuscht.

Unsere Altvorderen hatten die französisch-sächsische Besatzung abgestreift. Sie fühlten sich überwiegend den sozial Schwächeren, die 1808 die städtische »Schnapsrevolution« veranstalteten und den Gedanken von »Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit« verwirklichen wollten, verbunden. Es ist die Zeit eines Carl Blechen, der 1798 in Cottbus geboren und frühzeitig verstorben, als Landschaftsmaler ein unverrückbarer Platz in der deutschen Malkunst des 19. Jahrhunderts eingeräumt wurde. In der Festansprache wurde auf die von seiner talentierten Kinderhand entworfene Zeichnung des »Gemetzels auf dem Marktplatz« verwiesen. Ein Zeitzeuge von 1813.

Es ist das gleiche Jahr, als die am 10. August angeordnete Geburtstagsfeier für den Kaiser Napoleon von den Cottbuser Honoratioren mit ihren Damen besucht werden musste. Biedermeier, die Stilbezeichnung für Formen der deutschen Wohnkultur, Malerei und Literatur zwischen 1815 bis 1848, war typisch für die friedlich kleinbürgerliche Atmosphäre im kleinstädtischen Lebens- und Wohnmilieu dieser vorrevolutionären Zeit. Hier finden sich die Keimzellen der geselligen Vereinsgründungen in der 6000-Einwohner-Stadt. Wie zum Beispiel der »Verein zur freundlichen Unterhaltung und Erholung«, der sich schon am 15. Dezember 1793 im Haus des Kaufmanns Bange (heute Tuchhaus Herfarth) gründete. Sie sind es, die dem Festumzug vielseitig das Gepräge geben, wie ihn Cottbus bisher nicht gekannt hatte.

Dieser setzte sich nach der Festrede und dem »Schwur auf Stadteinigkeit« in Bewegung. An der Spitze fuhr in einer extra aus Lübben »geborgten« Kutsche Bürgermeister Krenkel, begleitet von einigen Ratsherren, deen sich die Stadtverordneten zu Fuß anschlossen. Ihnen folgten die Freiwilligen des Krieges 1813 bis 1815, einige sogar noch in der bisher gut gehüteten Uniform. Dann folgten die Obermeister der Handwerkerzünfte, ehe sich die Bürgerschaft anschloss. Zwischenzeitlich immer wieder unterbrochen, fuhren vornehme Kaleschen mit, deren Ursprung in den Gütern der Umgebung, wie Brunschwig, Ostrow und Ströbitz/Steinteichmühle zu suchen war. Von hier kam auch mancher Leiterwagen, ländlich geschmückt, mit fröhlich gestimmten Bauern.

Blumen und immer wieder frisch geflochtene Girlanden von Sträuchern des Stadtwalles schmückten den Weg des Festumzuges, der sich über die Luckowische Gasse (heute Berliner Straße), den Neumarkt und zurück durch die Marktstraße zur Oberkirche erstreckte. Dennoch gab es einen Unterschied. Nur wohlgesittene Bürgerfamilien durften sich am Festzug beteiligen. Die »Hungerleider« und »Herumtreiber vom Lande« mussten am Straßenrand zusehen und wurden erst zur Festpredigt in den hinteren Reihen des Oberkirchenschiffs zugelassen. Hier erfuhren alle Anwesenden, dass das 900-jährige Jubelfest auf Heinrich I. zurückzuführen ist, der 930 nach einer siegreichen Schlacht gegen die Ungarn hier eine Burg angelegt haben soll - was nie bewiesen werden konnte.

Cottbus feierte, trotz Überschwemmungen und Cholera-Epidemie, so hat es uns die »Lieder-Chronik der Stadt Kottbus« von Stäber hinterlassen. Wir heutigen Cottbu ser sehen in den beiden Biedermeier-Häusern in der Lieberoser und Sandower Straße die letzten Sachzeugen dieser Zeit.
Von Heinz Petzold
 
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