Großmutter auf Zeit
Brigitte Haferburg kümmert sich um „geborgte“ Enkelkinder / RUNDSCHAU-Serie: Aller Ehren wert – Teil 5
Nein, omahaft wirkt sie eigentlich nicht. Brigitte Haferburg, 69, trägt die Haare modisch kurz, kleidet sich sportlich elegant und interessiert sich für alles, was um sie herum passiert. Einen Teil ihrer Zeit kümmert sie sich um die kleine Merret, 9 – als Wunschgroßmutter der Freiwilligenagentur.
Ein Ehrenamt schwebte der zierlichen Frau vor, sie liebäugelte mit einer Tätigkeit bei den „Lesefüchsen“ in Cottbus. „Die hatten aber damals keinen Bedarf“, sagt sie und erzählt dann, wie sie über einen Artikel aus der RUNDSCHAU auf die Idee der „Wunschgroßeltern“ stieß. „Mir war sofort klar, dass das genau dem entsprach, was ich machen wollte.“
Brigitte Haferburg ist zwar selbst Mutter, doch ihre Kinder haben noch keinen Nachwuchs. „Also konnte ich mich als Oma ehrenhalber schon mal auf meine spätere Rolle vorbereiten.“ Nach einem Gespräch zwischen Freiwilligenagentur, Fachhochschule Lausitz und der potenziellen Betreuungsfamilie war klar: Als „Wunschgroßmutter“ wollte sie sich ins Abenteuer stürzen und zunächst eine dreimonatige Probezeit mit Enkeln verbringen.
In ihrer neuen „Familie“ leben Merret, heute neun, die inzwischen dreizehnjährige Tabea und die damals alleinerziehende Mutter. „Sie war frisch getrennt und brauchte vor allem in der Betreuung der Jüngsten Unterstützung. Also erklärte sich Brigitte Haferburg bereit, Merret einmal wöchentlich von der Schule abzuholen und den Nachmittag mit ihr zu verbringen. „Man hat natürlich Bilderbuchvorstellungen“, gibt Wunsch oma Haferburg zu. „Dass man sich auf den ersten Blick sofort versteht und immer nur idyllische Stunden miteinander verbringt.“
Die Realität aber sah anders aus. Denn Merret legte anfangs gar keinen Wert auf einen neuen Menschen in ihrem Leben. Wenn Brigitte Haferburg das Mädchen von der Schule abholte, schaute die Kleine einfach in eine andere Richtung, wollte mit ihr weder spielen noch lesen und sehnte sich einfach nach ihrer Mutter. „Ich erklärte Merret, dass ihre Mutter arbeiten müsse, und hielt mich ansonsten sehr zurück“, erinnert sich Brigitte Haferburg an die mühsame und oft schmerzhafte Anfangsphase. Nichts aufdrängen, immer wieder anbieten, freundlich und konsequent sein – das war das Rezept, mit dem die Wunschoma das Herz der Enkelin eroberte. „Mal backen wir zusammen, basteln oder lesen vor. Manchmal aber will Merret einfach nur ihre Ruhe und zieht sich zurück.“
Mittlerweile hat Merrets Mutter einen neuen Partner und erwartet ein Baby. „Aber ich werde mich auch da zurückhalten“ hat sich die Ehrenamtlerin vorgenommen. „Tabea und Merret müssen nach der Geburt ohnehin zurückstecken, da will ich mich richtig um sie kümmern.“
Seit nunmehr drei Jahren besucht Birgit Haferburg regelmäßig ihre „ausgeborgte“ Familie und ist froh, dass sie auch in der schwierigen Anfangsphase nicht aufgegeben hat. „Jetzt macht mir die Sache richtig Spaß.“ Und wenn sie mal keine Lust auf Kindertrubel hat, dann kann sie auch einfach entscheiden: Heute nicht!
„Und das“, so sagt sie lächelnd, sei durchaus ein Vorteil, den leibliche Großeltern nicht so einfach genießen können.
Zum Thema:
WUNSCHGROSSELTERN dringend gesuchtDie Cottbuser Freiwilligenagentur hat das Wunschgroßeltern-Projekt gemeinsam mit der Fachhochschule Lausitz ins Leben gerufen. Derzeit aber gibt es deutlich mehr Familien, die Bedarf angemeldet haben als potenzielle Großeltern. Interessenten für das Großelternamt können sich melden unter Tel.: 0355 / 4888663.
WUNSCHGROSSELTERN dringend gesuchtDie Cottbuser Freiwilligenagentur hat das Wunschgroßeltern-Projekt gemeinsam mit der Fachhochschule Lausitz ins Leben gerufen. Derzeit aber gibt es deutlich mehr Familien, die Bedarf angemeldet haben als potenzielle Großeltern. Interessenten für das Großelternamt können sich melden unter Tel.: 0355 / 4888663.
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Artikel-Aktualisierungen:
Erstellt am: 02. April 2011, 00:00 Uhr
Geändert am: 02. April 2011, 08:50 Uhr
Autor: Von Andrea Hilscher

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