06. Februar 2012, 00:00 Uhr

Fachärzte lernen jetzt in Cottbus

Nach schwierigen Anfängen geht die Weiterbildung für Medizinabsolventen an den Start

Das Projekt ist gewagt: Mit einem Institut für medizinische Weiterbildung wollen Stadt, Universität und ein Netzwerk aus sechs Krankenhäusern dem Ärztemangel in der Region trotzen. Die Mediziner sollen ihre fünfjährige Facharztausbildung in der Lausitz absolvieren – und möglichst bleiben.

„Wenn wir es schaffen, jungen Medizinern hier eine gute Weiterbildungsmöglichkeit zu bieten, dann schaffen wir es vielleicht auch, die fertigen Fachärzte in der Region zu halten“, umreißt Prof. Ingo Gastinger den Grundgedanken, der dem Institut für medizinische Weiterbildung zugrunde liegt.

Gastinger, langjähriger Chefarzt der Chirurgie am Carl-Thiem-Klinikum, berät das Institut in der Gründungs- und Pilotphase. Mit im Boot sitzen neben der Stadt Cottbus und der BTU die Landesärztekammer, sechs Krankenhäuser und diverse Lehrpraxen in der Region.

Lars Lippert, Geschäftsführer des Instituts für medizinische Weiterbildung. Foto: hil
Lars Lippert, Geschäftsführer des Institutes: „Unser Angebot richtet sich an Absolventen nach dem Staatsexamen. Sie müssen sich in der Regel eine sehr aufwendige und teure Facharztausbildung im Anschluss an die Universitätszeit organisieren.“ Immerhin dauert diese Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin mindestens fünf Jahre.

Die Teilnahme an Kursen und Seminaren kostet den Jungmedizinier 10 000 bis 15 000 Euro. „Wir können diese theoretischen Grundlagen kostenlos anbieten“, erklärt Lippert und nennt einen weiteren Vorteil der Instituts-Weiterbildung. „Wir organisieren neben der theoretischen Fortbildung den Ablauf der praktischen Weiterbildung für den jungen Assistenzarzt, vermitteln ihm alle notwendigen Stationen in Kliniken und Lehrpraxen der Region.“

Damit sparen die jungen Mediziner viel organisatorischen Aufwand und vor allem Zeit. Für den Cottbuser Oberbürgermeister Frank Szymanski ein wichtiger Aspekt im Kampf gegen den Ärztemangel.

Gezielt wirbt das Institut derzeit um Absolventen in den östlichen Bundesländern. „Die ersten Interessenten haben sich bereits bei uns umgeschaut“, sagt Ingo Gastinger zuversichtlich.

Er hofft in der Pilotphase auf jährlich zehn bis 15 Ärzte, die das Angebot des Instituts wahrnehmen. „Damit wir wirklich sofort beginnen können, haben wir jetzt mit den Kliniken unseres Netzwerkes verabredet, dass auch alle Assistenzärzte, die sich bereits in der Ausbildung befinden, bei uns lernen können“, so Ingo Gastinger.

Wenn sich die Arbeit des Institutes bewährt, soll neben der Allgemeinmedizin auch die fachärztliche Ausbildung in den Bereichen der Chirurgie und der Augenheilkunde angeboten werden.

Bereits erfolgreich angelaufen ist der Bereich der klinischen Versorgungsforschung. So werden derzeit fünf Promotionen von medizinischen Hochschullehrern des Institutes betreut. Vor wenigen Tagen wurden die ersten zwei durch das Institut betreute Promotionen erfolgreich verteidigt. Außerdem plant das Institut eine Machbarkeitsstudie zur grenzüberschreitenden Patientenversorgung und zur grenzüberschreitenden Patientenversorgung.

200 000 Euro stehen dem Institut jährlich zur Verfügung. Landeszuschüsse bekommt die Einrichtung nicht. Sie finanziert sich allein über Gelder der beteiligten Kliniken und über eine 450 000-Euro-Spende des Energiekonzerns Vattenfall.



 
Extras zum Artikel
Schlagworte zum Artikel:
Artikel Teilen:
Artikel-Aktualisierungen:

Erstellt am: 06. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 06. Februar 2012, 09:45 Uhr
Autor: Andrea Hilscher

Andrea Hilscher

Jüngste Kommentare

Zu diesem Artikel sind noch keine Beiträge vorhanden
Kommentar hinzufügen

Noch kein Passwort? Hier registrieren