Erste Lehren aus Umfrage zum Verhältnis zu Ausländern
Im Rahmen des Comenius-Projektes haben Schüler aus Deutschland, Italien, Griechenland und Finnland insgesamt 1462 Personen zum Thema Zuwanderung befragt. Ein Ergebnis lautet: Die von Schülern des Kaufmännischen Oberstufenzentrums interviewten Cottbuser vertreten in einigen Punkten eine liberalere Meinung über Ausländer als die von ihren Partnerschulen in Griechenland und Italien befragten Bewohner. Die finnischen Ergebnisse zeugen von noch mehr Toleranz.
Die Mehrzahl der Interviews sei auf der Straße, in Einkaufszentren oder auf anderen öffentlichen Plätzen geführt worden. Zusätzlich seien auch einige Schüler und deren Eltern gebeten worden, die Fragebögen auszufüllen. Probleme habe es in Italien gegeben. Hier durften die Schüler laut Lenth das Schulgelände nicht verlassen und konnten deshalb die Fragebögen nur an Lehrer und Eltern verteilen.
Die Antworten sind vor wenigen Tagen bei einem gemeinsamen Treffen in Griechenland ausgewertet worden. Die Abschlusspräsentation soll im April in Cottbus stattfinden. Dann soll auch über Ursachen der zum Teil recht unterschiedlichen Ergebnisse in den verschiedenen Ländern diskutiert werden.
So haben zum Beispiel der Aussage «Ausländer sollten unter sich leben» 12,7 Prozent der befragten Cottbuser ihre volle Zustimmung gegeben. In Italien waren es 17,2 Prozent, in Griechenland sogar 20 Prozent. In Finnland gab es hingegen nur von fünf Prozent der Befragten ein eindeutiges Bekenntnis in diese Richtung.
Noch extremer fallen die Unterschiede bei der Aussage «Ausländer sind nur freundlich zueinander, nicht aber zu anderen Nationen» aus. Während rund zehn Prozent der Cottbuser volle Zustimmung signalisiert haben, waren es in Italien und Griechenland jeweils 24 Prozent, in Finnland hingegen nur zwei Prozent. Auch die Aussage: «Ausländer sind weniger zivilisiert als Deutsche/Italiener/Griechen/Finnen» offenbart deutliche Unterschiede. Knapp elf Prozent der Cottbuser haben diese Meinung unterstützt, in Italien waren es 23,5 Prozent, in Griechenland 25 Prozent, in Finnland hingegen lediglich fünf Prozent.
Es gibt noch ein weiteres Beispiel für die unterschiedliche Wahrnehmung der ausländischen Mitbürger in den jeweiligen Ländern: Die These, Ausländer seien verantwortlich für die steigende Kriminalität in der Gesellschaft, haben in Cottbus 15,4 Prozent der Befragten ohne Vorbehalt unterstützt. In Griechenland waren es 25 Prozent, in Italien sogar 51 Prozent, in Finnland gerade mal drei Prozent.
Die SPD-Landtagsabgeordnete Martina Münch, die gestern mit den Schülern über die Ergebnisse der Umfrage diskutiert hat, zeigte sich von den in einigen Beispielen erzielten recht guten Werten der Cottbuser «positiv überrascht» . Die Grundtendenz sei allerdings noch immer nicht befriedigend. Hier müsse deshalb noch viel Überzeugungs- und Aufklärungsarbeit geleistet werden.
Zugleich wünscht sie sich eine noch differenziertere Aufarbeitung der Ergebnisse. «Vielleicht kann hier die BTU mit einer Statistik-Software helfen» , so der Vorschlag der Landespolitikerin. Denn erst wenn zum Beispiel auf Altersgruppen aufgeschlüsselte Ergebnisse vorliegen, könne über Konsequenzen für die künftige Arbeit gesprochen werden.
Rainer Lorenz, Schulleiter des Kaufmännischen Oberstufenzentrums, hat hingegen schon eine Lehre aus den Umfrageergebnissen gezogen. «Wir müssen die positiven Erfahrungen, die wir im Zusammenarbeiten und -leben mit ausländischen Mitbürgern haben, noch mehr herausstellen» , so sein Ansatz. So gebe es zum Beispiel bereits seit zehn Jahren Kontakte des OSZ zu einer Partnerschule in Zielona Góra. «Mit den jungen Leuten aus dem Nachbarland haben auch hiesige Unternehmen nur die besten Erfahrungen gemacht» , so Lorenz. «Wir wissen oft noch zu wenig übereinander und deshalb halten sich oft auch noch Vorurteile» , so die Einschätzung des Cottbuser Schulleiters.
Extras zum Artikel
Schlagworte zum Artikel:
Artikel Teilen:
Artikel-Aktualisierungen:
Erstellt am: 19. Februar 2008, 00:00 Uhr
Geändert am: 19. Februar 2008, 09:46 Uhr
Autor: Von Sven Hering

Jüngste Kommentare
Zu diesem Artikel sind noch keine Beiträge vorhanden