15. März 2010, 00:00 Uhr

Erste Berufsorientierungsbörse in Cottbus

/ Firmen bemängeln schlechte Qualifikation

Cottbus Am Freitagabend hat es in der Cottbuser Agentur für Arbeit eine Premiere gegeben. 20 regionale Firmen präsentierten sich bei der ersten Berufsorientierungsbörse. Rund 180 Besucher kamen, darunter viele Schüler, die kurz vor ihrem Abschluss stehen und sich über Ausbildungsmöglichkeiten informieren wollten.

Die Besucher durchforsteten die Stellenanzeigen. Fotos: Worlitz
Genau 588 Ausbildungsstellen für die Jahre 2010 und 2011 hatten die Unternehmen im Gepäck. Unterschiedliche Branchen wie die Verwaltung, das Baugewerbe, das Bäckereihandwerk oder der Gaststättenbereich wurden abgedeckt. Bianka Kunze, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit, zeigte sich stolz, dass es gelungen war, die Börse erstmals zu organisieren. „Das Angebot soll den Schülern zeigen, dass es genug Ausbildungsmöglichkeiten in der Region gibt“, sagte sie.

Rund 470 eingetragene Stellen präsentierte die Handwerkskammer Cottbus, auch für seltene Berufe wie Brunnen- oder Orgelbauer. Die Unternehmen bilden verstärkt für den eigenen Bedarf aus, sagte Oliver Huschga von der Abteilung Berufsausbildung. „Viele Fachkräfte gehen in den nächsten Jahren in Rente“, beschrieb er die Situation. Die Chancen, übernommen zu werden, stünden für junge Menschen deshalb sehr gut. Dennoch werde es auch in diesem Jahr, wieder schwer werden, alle Plätze zu besetzen.  Während 2009 um diese Zeit rund 50 Bewerbungen eingegangen waren, seien es derzeit nur 15. Im vergangenen Jahr waren 100 Stellen unbesetzt geblieben. Huschga vermutet, dass der starke Rückgang der Schülerzahlen der Grund dafür sei. Die Entwicklung spiegele sich nicht nur in der geringen Bewerberzahl, sondern auch in den sinkenden Qualifikationen der Bewerber wider. „Das gute Mittelfeld schrumpft“, sagte Huschga. Bewerbungen mit schlechterem Notendurchschnitt machen sich zunehmend bemerkbar.

Dass die schulischen Leistungen der Bewerber deutlich abgenommen haben, bestätigten mehrere Unternehmen. „Es gestaltet sich immer schwieriger, qualifizierten Nachwuchs zu finden“, sagte Michael Richter, Stuckateurmeister der Schweizer GmbH. Die Firma aus Guhrow bietet jedes Jahr drei Ausbildungsplätze zum Stuckateur an – 2009 blieben die Stellen erstmals unbesetzt, weil sich kein geeigneter Bewerber vorstellte.  Vorausgesetzt werden unter anderem gute Noten in Physik und Mathe. Auch Peter Kopf, Geschäftsführer der Kopf Heizungs- und Klimatechnik GmbH aus Cottbus, ist erstaunt über die teils „katastrophalen“ Schulnoten der Bewerber. Kenntnisse der Naturwissenschaften und einwandfreie Orthografie seien wichtige Voraussetzungen. Doch daran mangele es häufig. Seine Firma bietet pro Jahr zwei bis vier Plätze für den Beruf Anlagenmechaniker für Sanitär-. Heizungs- und Klimatechnik an. „Ich habe den Eindruck, dass viele Schulabgänger nicht verstehen, dass dann der Ernst des Lebens beginnt“, sagt er.

Doch nicht nur im technischen Bereich machen sich die Probleme bemerkbar. Stephan Mauermann von der Seniorenwohnanlage Christinenhof in Burg sagte: „Die Bewerberzahl ist deutlich zurückgegangen.“ Im Jahr 2011 stehen zwei Plätze für die Ausbildung zum Altenpfleger bereit. 2009 habe es nur 20 Bewerbungen gegeben, die Jahre zuvor seien es um die 50 gewesen. Die Anforderungen werden oft unterschätzt: So sollte ein Altenpfleger gute Anatomie- und Deutschkenntnisse mitbringen, sowie ein hohes Maß an Sozialkompetenz.



Schüler aus Cottbus und Spree-Neiße erkundigten sich am Freitag in Cottbus über Ausbildungsmöglichkeiten:

Dominik Geisler (15) aus Drieschnitz: „Ich habe mich über die Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten informiert. Auch wenn ich erst 2011 meinen Abschluss mache, finde ich es wichtig, sich schon jetzt zu orientieren.

Gloria Steidel (15) aus Guben: „Ich weiß noch nicht, was ich werden will. Aber ich denke, es geht in Richtung Handwerk. Im letzten Schuljahr werde ich mich noch einmal richtig anstrengen, um meine Noten zu verbessern.“

Paul Grosser (20) aus Forst: „Ich bin derzeit Zivi in Spremberg und will in diesem Jahr eine Ausbildung anfangen. Den Beruf Koch finde ich interessant, bin aber noch unsicher. In der Schule hätte ich mir mehr Beratung gewünscht.“
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Erstellt am: 15. März 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 15. März 2010, 08:08 Uhr
Autor: Von Ulrike Worlitz

Von Ulrike Worlitz

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