18. August 2011, 00:00 Uhr

Ein Mühlrad auf dem Trockenen

Graben an der Spreewehrmühle führt zu wenig Wasser / Streit mit der Behörde

Cottbus Das Mühlrad der Spreewehrmühle im Norden von Cottbus steht still. Das 2008 neu eingebaute Rad kann sich nicht drehen, weil nicht genug Wasser durch das Wehr des Mühlgrabens fließt. Der Mühlenverein fürchtet, dass Rad und Mühle Schaden nehmen, wenn das Rad zu lange auf dem Trockenen liegt.

Jochen Rädisch und Klaus Gabbey machen sich Sorgen um das Wasserrad der Spreewehrmühle, das sich wegen einer fehlenden Genehmigung nicht drehen darf. Foto: Nicole Nocon Foto: Nicole Nocon
Wenn es nach Vereinschef Jochen Rädisch ginge, dann ließe sich das Problem ganz einfach lösen. „Wenn wir das Wehr nur für eine Stunde am Tag öffnen dürften, dann könnte sich das Rad drehen und das Holz würde ausreichend befeuchtet“, sagt Rädisch. „Wenn es austrocknet bilden sich Risse und es kommt zu Setzungen bei den Wellen, Achsen und Antriebsteilen des Wasserrades“, erklärt er. Das Rad per Schlauch oder Rasensprenger zu befeuchten, wie es der Verein derzeit unterstützt von THW und der Sandower Feuerwehr betreibt, sei keine Dauerlösung. Außerdem sei es für Besucher des technischen Denkmals wenig attraktiv, wenn das Rad stillstehe und sie die Mühle nicht im Betrieb sehen könnten. Und einen weiteren Nachteil sieht er darüber hinaus: „Das neue Wasserrad wurde mit 30 000 Euro von Vattenfall gesponsert. Wenn das Wasserrad jetzt verrottet, brauchen wir dort nicht mehr nach Spenden zu fragen.“

Bußgeld droht

Seit 2010 bemüht sich der Verein laut Rädisch um eine Genehmigung für die periodische Öffnung des Wehres durch den Verein. „Leider sind Anfragen von vielen Stellen unbeantwortet geblieben“, beklagt Rädisch. Weder vom Landesamt für Umwelt, noch von der Unteren Wasserbehörde, noch vom Wasser- und Bodenverband sei eine befriedigende Auskunft zu erhalten gewesen. „Stattdessen wurden wir darauf hingewiesen, dass es sich um eine Ordnungswidrigkeit handelt, wenn wir den Regler des Wehrs eigenmächtig bedienen und wir dann mit einem Bußgeld belegt werden“, sagt Rädisch.

Dass sich der Mühlenverein schlecht informiert fühlt, können die zuständigen Stellen nicht verstehen. „Wir haben Herr Rädisch mehrfach erklärt, warum der Mühlenverein nicht selbst den Regler bedienen darf“, sagt Olaf Kaes von der Unteren Wasserbehörde. Die wasserrechtliche Seite des Problems sei bereits 2008 geklärt worden, als schriftlich die zulässige Durchflussmenge für den Mühlgraben festgelegt wurde. Der Knackpunkt liege aber außerhalb seines Einflussbereichs: „Das Mühlgrabenwehr ist Teil des großen Spreewehrs, das in der Verantwortung des Landesamtes für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz liegt.“ Wolfgang Genehr, der zuständige Regionalabteilungsleiter des Landesamtes, vertritt einen klaren Standpunkt: „Grundsätzlich können wir Außenstehenden nicht gestatten, die Regler unserer Wehre zu bedienen.“ Auf diese Weise sei in der Vergangenheit schon zu viel Schaden angerichtet worden – „jährlich für ein paar Tausend Euro“, sagt Genehr. Nur Mitarbeiter des Landesumweltamtes und des beauftragten Wasser- und Bodenverbandes dürften deshalb Hand an die Regler legen. „Es steht dem Mühlenverein aber frei, eine Vereinbarung mit dem Wasser- und Bodenverband zu treffen, damit dieser wenn es nötig ist das Mühlgrabenwehr bedient. Der Verein müsste aber bereit sein, die dadurch entstehenden Kosten zu tragen“, so Wolfgang Genehr. Dies habe er bereits versucht, Jochen Rädisch klarzumachen.

Frust bei Vereinsmitgliedern

Für das Bedienen des Wehres zu bezahlen, könne sich sein finanzschwacher Verein nicht leisten, betont Rädisch. Neben Geld fehlt es ihm und seinen Vereinskollegen aber auch am Verständnis für die Position des Landesamtes. „Einige unserer Mitglieder sind schon frustriert abgesprungen. Anfangs waren 17, jetzt sind wir noch zu fünft“, so Rädisch. „Die Stadt, in deren Eigentum die Mühle steht, sollte doch froh sein, dass wir uns bemühen, das historische Gebäude zu erhalten. Aber praktische Unterstützung bekommen wir keine.“

Bernd Warchold, der Leiter des Kulturamtes der Stadt, signalisiert auf Nachfrage der RUNDSCHAU zumindest Gesprächsbereitschaft.

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Erstellt am: 18. August 2011, 00:00 Uhr
Geändert am: 18. August 2011, 08:51 Uhr
Autor: Von Nicole Nocon

Von Nicole Nocon

Jüngste Kommentare (4)

Nur zur Feier wenn es was umsonst gibt

von unbekannt

Die Oberschlipsträger waren doch zur Einweihungfeier, Ob und andere Persönlichkeit Gesichter.Leiden sicherlich an Gedächtnisschwund das das Rad später auch noch Geld kostet. Eben profilierungssüchtige Emanzen und Nadelstreifen träger vor Ort zur Darstellungskunst. Wasser Marsch

Baumann und Clausen....

von snowman28

lassen den Amts-Schimmel wiehern. Bezeichnend für diese selbstverliebten und arroganten Amtsinhaber!

...

von Nachdenker69

Ein Mühlenrad in Cottbus, das still steht...da schwingt ja schon fast eine Mehrdeutigkeit mit.
Schönes Beispiel auch für die Borniertheit und Unbeweglichkeit hiesiger Ämter und Behörden, bloß nicht bewegen und nichts entscheiden!

mangelndes Vertrauen

von muehlengeist

in das technische Können des Verein ist zum einen Teil, das Festhalten an einer getroffenen Entscheidung und mangelnde Toleranz zum Anderen können die Ursachen für die Misere sein. Kommt eine Besuchergruppe unverhofft, wie desöfteren, muß der Verein den WBV in Raddusch anrufen, damit man einen Mitarbeiter findet, der das Wehr bedient. Raddusch - Cottbus rund 30 km. Ehe ein Mitarbeiter an der Mühle ist, sind die Besucher weg !
Es könnten ja Einnahmen für den Verein entstehen.
2007 bis 2010 wurde "illegal" das Wehr durch den Verein geöffnet und es ist was Gutes daraus geworden. Soll es offiziell geschehen - geschieht nichts oder man erhält Antworten wie :Wenn es ihnen nicht passt, dann suchen sie sich doch eine andere Mühle.
Armes Cottbus.

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