Der Traum vom großen Gewinn in Cottbus
Warum das Glücksspiel seit Jahrhunderten fasziniert
In loser Folge berichtet der Cottbuser Heimatforscher Heinz Petzold über die Stadtgeschichte. Diesmal hat er sich damit beschäftigt, wie (un)-wahrscheinlich es ist, einen Lotto-Gewinn zu kassieren.
So der Amerikaner Bob Dorigo Jones in seinen „Warnhinweisen“: „Für alle Ordnungsfanatiker druckt Super-Lotto folgende Warnung auf seine Teilnahmescheine: „Nicht bügeln“. Damit erhielt er im US-Bundesstaat Michigan den Sieg des jährlich ausgeschriebenen Wettbewerbes über „Verrückte Aufkleber“. Das Glücksspiel hat die Menschheit unseres Erdballes schon lange erfasst. So sollen 1575 Glücksspiele in Genua, organisiert von der Stadt, stattgefunden haben, aus dem sich bald ein Lotto entwickelte. Als 1779 Herzog Karl Eugen von Württemberg das Zahlenlotto verbot, um seine Untertanen vor der Verarmung zu schützen, hatten unsere Alt-Cottbuser das Zahlenlotto bereits kennengelernt. Am Tag der offiziellen Beendigung des Siebenjährigen Krieges mit dem Frieden von Hubertusburg, dem 5. März 1763, begründete Friedrich II. (der Große) eine königlich-preußische Zahlenlotterie.
Pate hierbei stand Giovanni Calzabigi, der aus seiner italienischen Heimat das Prinzip nach Berlin brachte und dem Preußenkönig damit die Verbesserung seiner Schulden zusagte. Da nur Bruchteile der Gewinne an die Spieler ausgezahlt werden, begann das Lotto, tatsächlich des Königs Hof zu finanzieren. Bald konnte Friedrich II. sogar sein Sanssouci davon finanzieren. Die Stadtkasse und später die Sparkasse waren künftig die Förderer des Glückspieles. Als um 1790 das Glücksspiel zum staatlichen Geschäft avancierte, hatte es in Cottbus mit der Gründung des „Vereins zur freundlichen Unterhaltung und Erholung“ um 1793 eine Heimstatt gefunden, bis es mit der Revolution von 1848 zum Politikum erhoben und von der Frankfurter Nationalversammlung am 9. Januar 1849 verboten wurde.
Trotz solcher Eingriffe wurde in der „Wintergartengesellschaft“ emsig das Karten-Glücksspiel vollzogen, zumal der Cottbuser Kämmerer Wenzig mit seiner Bildung der Vereinigung von Sparkassenkunden 1828/29 zugleich Geschäftseinlagen für Lotterien unter städtischer Regie anstrebte. Doch das allgemeine Verbot des Lotto bis 1861 machte solche Anstrengungen zunichte. Damit ist die „Lottofrage“ nur intern als Gesellschaftsspiel in Vereinen beantwortet worden. Erst 1953 gab es eine Wiederbelebung des Lottos als Glücksspiel in der BRD. Es wurde in Berlin „5 aus 90“ gespielt, doch 1955 schon mit Lotto „6 aus 49“ in Hamburg die erste Ziehung vollzogen. Glücksfeen waren zwei Waisen, die im Oktober 1955 zehn Gewinnern mit fünf Richtigen je 12 000 Mark bescherten. Während der bundesdeutsche Staat sich das Lotto mit geringer Gefährdung behält, überlässt es das Spiel mit Automaten dem Privatunternehmer.
Daraus resultieren Cottbuser Spielstätten, die seit 1990 betrieben werden. Neben mehreren kleinen Läden mit Geldspielautomaten, so die Spielcenter Werder GmbH in der Karl-Liebknecht-Straße, am Altmarkt und in der Weinbergstraße und die Spiel-In Casino GmbH & Co. KG, Gerhart-Hauptmann-Straße, erreichte die Spielbank Cottbuser Jokers Place die beste Öffentlichkeitswirkung. In der einstigen Filiale der Reichsbank Berlin betreibt seit dem Jahr 1998 Jokers Place das Geschäft.
Erstellt am: 15. März 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 15. März 2010, 10:35 Uhr
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