03. Februar 2012, 00:00 Uhr

Der Stadt Cottbus drohen Maut und Umweltzone

EU plant massive Einschnitte beim Individualverkehr/Bus und Bahn sollen gestärkt werden

Cottbus An einem „Fahrplan zu einem einheitlichen europäischen Verkehrsraum“ wird derzeit bei der Europäischen Kommission gearbeitet. Danach drohen Städten wie Cottbus massive Einschnitte beim Individualverkehr. Während Pkw und Lkw mit Diesel- oder Benzinmotoren aus den Innenstädten verbannt werden sollen, wollen die Verkehrsplaner Bus und Bahn stärken.

Über Pflicht-Umweltzonen für Städte denkt derzeit die EU-Kommission nach. Archivfoto: dpa
„Land und Bund müssen ihre Förderpolitik grundlegend ändern.“ Das sagt der Landtagsabgeordnete Jürgen Maresch (Linke) nach dem Studium des in Brüssel erarbeiteten Expertenpapiers. Derzeit fahre der Zug freilich genau in die entgegengesetzte Richtung. „Wir brauchen viel mehr Unterstützung für Bus und Bahn“, sagt Maresch. Mit Bezug auf das Weißbuch zeigt die RUNDSCHAU an dieser Stelle auf, was auf Städte wie Cottbus zukommen könnte, sollte der erarbeitete Entwurf einmal Gesetzeskraft erlangen:

Umweltzone: Laut Weißbuch wird bis zum Jahr 2030 in Innenstädten eine Halbierung der mit konventionellem Kraftstoff betriebenen Pkw angestrebt. Bis zum Jahr 2050 soll auf solche Fahrzeuge komplett verzichtet werden. Das bedeutet: Diesel- und Benzinfahrzeuge dürften dann nicht mehr in die Cottbuser City. Über eine Umweltzone hat die Stadt laut Ordnungsdezernent Lothar Nicht (Linke) nachgedacht, die Idee dann aber wieder verworfen. „Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Zone nicht die gewünschten Effekte bringen würde.“ Stattdessen habe man sich für den Umbau der Bahnhofstraße entschieden. „Unser Ziel ist es, den Durchgangsverkehr aus der Stadt zu verbannen.“ Dies geschehe durch den Mittleren Ring, langfristig auch durch die Ortsumgehungen.

Pkw-Maut: Ein Ziel sei, alle Fahrzeuge für das gesamte Verkehrsnetz zur Kasse zu bitten. So sollen mindestens die Instandhaltungskosten der Straßen finanziert werden. Außerdem müssen Autofahrer mit ihrem Obolus einen Ausgleich für Staus, Luftverschmutzung und Lärmbelastung leisten. Für Cottbus bedeutet das: Wer innerstädtische Straßen mit seinem Pkw nutzt, zahlt dafür eine Gebühr. Die Einnahmen werden genutzt, um Straßen in Ordnung zu halten. Eine zusätzliche Einnahmequelle könnte die Stadt gut gebrauchen. Laut Verwaltung müssten derzeit rund 300 Millionen Euro investiert werden, um alle ramponierten Straßen zu reparieren.

ÖPNV-Ausbau: Wenn weniger Pkw in die Stadt dürfen, muss das Angebot von Bus und Bahn ausgebaut werden. Große Flotten städtischer Busse, Taxis und Lieferfahrzeuge eignen sich laut Verkehrsexperten besonders für die Einführung alternativer Antriebssysteme und Kraftstoffe. Kurze Fahrplantakte, Bequemlichkeit, leichter Zugang, Zuverlässigkeit und Verknüpfung der Verkehrsträger seien künftig stärker denn je gefragt. In den vergangenen Jahren ist in Cottbus genau das Gegenteil passiert. Das ÖPNV-Angebot ist verringert worden, weil es weniger Zuschüsse gab. Allerdings gibt es mit dem Projekt, den Bahnhofsvorplatz umzugestalten, bereits eine Reaktion auf die Forderung, die verschiedenen Nahverkehrsangebote besser miteinander zu verzahnen.

Güterverkehr: Die Schnittstelle zwischen dem Güterfernverkehr und dem Verteilerverkehr über die letzten Kilometer sollte effizienter organisiert werden. Ziel ist es, Lieferfahrten auf die kürzestmögliche Strecke zu begrenzen. Dieser Verteilerverkehr könnte mit emissionsarmen Stadt-Lkw erfolgen. Die Nutzung von Elektro-, Wasserstoff- und Hybrid-Technologien würde nicht nur die Luftschadstoffemissionen, sonders auch die Lärmbelastung verringern, sodass ein größerer Anteil des Güterverkehrs in Stadtgebieten auch nachts abgewickelt werden könnte, sagt das Weißbuch. Dies würde das Stauproblem zu den Hauptverkehrszeiten morgens und nachmittags entschärfen. Gegenwärtig hat die Stadt in verschiedenen Straßen Tempo-30-Zonen eingerichtet, um die Belastungen in den Abend- und Nachtstunden zu verringern.

Intelligente Verkehrssysteme: Im Rahmen EU-finanzierter Forschungsarbeiten sollen intelligente Mobilitätssysteme entwickelt werden. Cottbus setzt bereits jetzt mit dem Verkehrsrechner auf ein Computersystem, das grüne Wellen in der Stadt ermöglichen soll. In der Praxis funktioniert das aber viel zu selten.

Verkehrsplanung: Größere Städte sollten angehalten werden, Mobilitätspläne auszuarbeiten, die mit den Stadtentwicklungsplänen in Einklang stehen sollen. Im Cottbuser Entwicklungskonzept sind einige Verkehrsaspekte mit Stärken (gute Straßenanbindung an überregionale Verkehrswege, Schienenverkehrsknoten, Radwegenetz) und Schwächen (fehlende Ortsumfahrung, unakzeptable Bahnreisezeiten nach Dresden, Leipzig und Potsdam, schlechter baulicher Zustand von Straßen, Rad- und Gehwegen sowie Brücken) aufgeführt.

Jürgen Maresch ist in diesen Tagen Überbringer der Botschaft. Seinen Stadtverordnetenkollegen hat er das EU-Papier bereits vorgestellt, auch der Cottbusverkehrchef steht auf seiner Verteilerliste. „Wir müssen so schnell wie möglich damit beginnen, uns Gedanken über die Umsetzung zu machen“, sagt er. Im Rathaus ist das Weißbuch noch nicht bekannt. „Sobald es Gesetzeskraft erlangt, werden wir selbstverständlich reagieren“, sagt Ordnungsdezernent Lothar Nicht.
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Erstellt am: 03. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 03. Februar 2012, 09:24 Uhr
Autor: Von Sven Hering

Von Sven Hering

Jüngste Kommentare (32)

Hier nur ein sinnloses Arbeitsbeschaffungsprogramm

von kofferfisch

Es geht nicht an, alle Staedte ueber einen Kamm zu scheren. Man muss auch nicht alles freiwillig mitmachen, vor allem wenn einer Sache der Schwachsinn auf der Stirn steht. Aber es ist wahrscheinlich nur ein Jammern, wobei die Auftraege gerne vergeben werden und wegen der Kosten jammernd auf Bruessel verwiesen wird, weshalb man die Auftraege habe vergeben muessen. Alle haben es gut, ausser den Verkehrsteilnehmern, und niemand ist es schuld.

einfach gesagt

von jmachi

Obwohl ich versuche immer vernünftige Kommentare abzugeben,diesmal sage ich nur
REALITÄTSFREMD IHR HABT ALLE EINEN KNALL,damit meine ich nicht die user

die City-Maut bringt nirgendwo realen Umweltnutzen

von Dieter_Buddrus

Die EG erfindet sowieso jedes Rad 10 mal neu. In Singapur gibt es die City-Maut auch schon sehr lange. Und was bringt dort diese City-Maut real? Einnahmen in die Staatskasse - aber auch die dortigen Leute toben ihr Ego aus und fahren mit dem eigenen Auto. Obwohl Singapur das vielleicht in jeder Hinsicht ultimativ beste Nahverkehrssystem weltweit hat - zu einem unschlagbaren Fahrpreis. Nein - gegen den Egoismus der Menschen hat man bisher nirgendwo auf dem Planeten Erde ein Mittel gefunden. Und die neue Bahnhofstraße wird wohl nichts weiter als der ultimative Ort für Stop und Go in Cottbus.

Wer verarscht wem?

von Delta

Vor ein paar Tagen konnte man lesen, dass die Gelder für Instandhaltung des Nahverkehr, sprich Busse und Tram, von Brüssel gestrichen werden. Das Land wird den Fördermittelausfall nicht ausgleichen. Jetzt soll alles umgedreht werden und der Nahnverkehr wird mehr gefördert. Ich erwarte von der LR eine Stellungnahme! Wer lügt hier am meisten oder werden wir schon von Brüssel regiert.

Feindstaub

von Megander

Bin gespannt, wann die ersten Wohn- und Geschäftsräume wegen zu hoher Feinstaubbelastung von Amts wegen evakuiert und gesperrt werden. Wenn man nur konsequent wäre - aber Autofahrer drangsalieren ist einfacher und wird vom öffentlichen Wohlwollen begleitet.Böse autos aber auch. LKW, Heizungen, Raucher etc.? Unantastbar!

ja, dann weg mit der Straßenbahn :-)

von tommy66

Innenstadt für Auto zu... Straßenbahn weg... achso, dann per pedes durch Cottbus zwinkern

>

von sabbelphillip

Harharharharharrrrr, CB wird zur abgeschlossenen Altersresidenz. Türen zu, fertig. Nachdem ja schon Tempo 30 angesagt ist, gleich zumachen den Laden. Macht mal weiter, ihr Pfeiffen!

Was wäre, wenn ...

von loewenreh

Jemand verkündet:
" Demnächst ist im Himmel Jahrmarkt! "
Dann rennt der Herr Maresch los, um eine Leiter zu holen.
Und auch der Herr Hering rennt los, um die Leiter zu halten.

es ist ja Karneval...

von cds

möchte man meinen!
Ein "Klasse"-Beitrag, die City-Maut muß her, auch in entlegendsten Ecken der Stadt Pargebühren verlangen usw. usf. - Autofahrer zahlen ja noch nicht genug Steuern.
Das Realisieren dieser Planung wird vielleicht für die von einigen Zeitgenossen wohl gewünschte Friedhofsruhe in der Stadt sorgen, auf alle Fälle wirds die Einkaufs-Center am Stadtrand freuen und Einkaufen via Internet ist ja auch kein Teufelswerk ...
Weiter so Genossen !!!

das konservative London machts vor

von Lokalpatriot

Antwort auf folgenden Beitrag von cds am 02.02.2012 16:52 Uhr

Darum haben die Genossen der britischen Konservativen London vor Jahren weltweit erstmals eine City-Maut verpasst. Dumm nur, wenn die ideologischen Weltbilder ins Schwanken geraten grinsen)

hilfe, wirf Hirn vom Himmel

von sabbelphillip

Antwort auf folgenden Beitrag von Lokalpatriot am 02.02.2012 17:37 Uhr

Dumm auch, London als Metropole für Urlauber ansich mit CB zu vergleichen, welches man locker umfahren kann, um einzukaufen grinsen

Dumm ist

von Altanschliesser

Antwort auf folgenden Beitrag von Lokalpatriot am 02.02.2012 17:37 Uhr

wenn in Sachen Umweltbelastung jemand das Provinznest Cottbus mit London vergleicht ...

Cottbuser Mentalität: Abschottung um Veränderung zu vermeiden

von Lokalpatriot

Antwort auf folgenden Beitrag von Altanschliesser am 02.02.2012 18:26 Uhr

Viel Emotion, wenig Sachlichkeit - was solche Vorschläge doch bewirken in dieser "toleranten" Stadt Cottbus. Da ist der berühmte Finger, der auf andere zeigt. Ebenso unverrückbare Standpunkte ohne selbstkritische Fragen. Dicht machen und jede Veränderung meiden. Das ist ja gruslig - eben Provinz.

Aufmerksam

von JMaresch

Ich übe mich in gar nichts sondern mache auf einen Fakt aufmerksam,der eine neue Denkrichtung bedeutet und den man zur Kenntnis nehmen muss. J.Maresch

puhhhh

von sabbelphillip

Antwort auf folgenden Beitrag von JMaresch am 02.02.2012 15:14 Uhr

Zu allem muß palavert werden, Ahnung oder nicht.

Tagebaue zumachen, Kohleverbrennung stoppen, hier und hinter der Grenze und Schluß ists mit dem vielen Feinstaub, der ja aaaaangeblich soooooo böse ist, daß ihn erst irgend ein EU-Irrer erfinden mußte. So siehts aus.

Profilneurose

von GaMaCo

Antwort auf folgenden Beitrag von JMaresch am 02.02.2012 15:14 Uhr

Der Fakt muss aber zu eigenen Profilierung geeignet erscheinen, oder?

@JMaresch: Ist ja richtig.

von loewenreh

Antwort auf folgenden Beitrag von GaMaCo am 02.02.2012 18:52 Uhr

Nur, die Denkrichtung ist nicht neu!
Verkehrs- und Stadtplaner kennen das. Und wissen auch, dass zur
Umsetzung massenhaft Geld und sehr viel Zeit gebraucht werden.
Prognosezeiträume sind (lt.Weißbuch) 20 bzw. 40 Jahre.Gehen wir
mal 40 Jahre zurück nach 1970. Es gibt keine Prognose aus dieser
Zeit, die auch nur eine halbwegs zutreffende Vorausschau für z.B.
2010 (oder auch 2000) war -Globalisierung, IT, DDR, soz.System usw.
usf..
Wahrscheinlich stimmt die Richtung des EU- Weißbuches hinsicht-
lich Verkehrs- und Stadtplanung. Mit Sicherheit falsch ist aber die
Forderung nach einer weiteren Kfz- Straßenbenutzungs- Abzocke.
Unmöglich dürfte es auch sein, gleichzeitig Verbindliches für
Metropolen und Kleinstädte wie Cottbus festzulegen!

...

von markz

warum müssen in bebauungsplänen und auch innerhalb einer stadt denn immer flächenfressende autostellplätze nachgewiesen werden? warum nicht ein einwandfreien anschluss an bestehende ÖPNV oder extra einen anschluss nachweisen. ein öpnv netz kann auch eine tolle andockstation für entwicklungen sein. autofahrverbote stiften im nachhinein nur böses blut. angebote müssen her. angebote müssen genutzt werden.

Mautilus

von unbekannt

Wofür eine Maut?
Um den Stadtoberen noch einige Spinnerschilder zu finanzieren?
Ach nein, steht ja da- um die Straßen sanieren zu können.
Und dann auch noch intelligente Verkehrsleitsysteme haben wollen? Sind zu blöd, eine grüne Welle so halbwegs hinzubekommen. Aber von intelligenter Technik träumen. Die grüne Welle bekommt man in größeren Städten hin, aber in einem Dorf wie Cottbus geht das nicht? Sind die ganzen Staus nicht hausgemacht, durch katastrophale Baustellenplanung, durch falsch geschaltene Ampelanlagen, durch "ich will noch 50 Ampeln mehr in der Stadt"...?
Aber ich hab schon wieder vergessen- der Grund für die Maut ist ja der Wunsch uns abzuzocken.
Abzocken im Namen einer (nicht nur)verkehrstechnisch völlig verluderten Großgemeinde namens "Kotzbus".

schluss

von huepenbeker

mit dieser eu-diktatur! wir müssen was dagegen tun! lete geht auf die straße. 89 ging das doch auch! we lange wollt ihr euch noch bevormunden lassen?

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