Cottbuser Tram-Netz-Plan heftig umstritten
Pro Bahn nimmt Cottbuser Modellstadt-Bewerbung erfreut zur Kenntnis
Cottbus Einem auf „drei starke Linien“ abgespeckten Straßenbahn-Netz, wie von Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) und der SPD-/Grüne-Fraktion der Cottbuser Parlamentsrunde taufrisch in die Debatte um die Zukunft der Tram geworfen, erteilen viele Bürger eine Abfuhr.
Dienstagabend im Cottbuser Brauhaus: Im Saal bleibt kein Stuhl leer. Das Interesse an der Informationsveranstaltung zur Zukunft der Cottbuser Straßenbahn ist groß. Da ist es „ein guter Zufall“, wie Oberbürgermeister Frank Szymanski behauptet, dass das in den vergangenen Wochen schon heftig umstrittene Gutachten zum öffentlichen Personennahverkehr nun in der Endfassung vorliegt und sorfort auf die Stadtseiten im Internet eingestellt worden ist. Gern sei er der Einladung der Veranstalter nach der „sehr, auch in der Schärfe, guten Diskussion“ der Cottbuser zur Zukunft der Straßenbahn gefolgt, so das Stadtoberhaupt. „Die klare Aussage der Bürger ist, die Tram ist eines der liebsten Kinder der Stadt“, schlussfolgert der als wortgewandt bekannte Oberbürgermeister.
Visionäre Vorschläge Das vollständige Arbeitspapier, auf dessen Basis nunmehr Investitionsentscheidungen in Höhe von 60 Millionen Euro in den nächsten Jahren für Cottbus zu treffen seien, liege erst jetzt vor. Szymanski nennt den Ausbau der Bahnhofstraße, den zweiten Bauabschnitt der Straße der Jugend, die Jessener Straße, den Anger und den Neuerwerb von 20 Straßenbahnen. Und er kritisiert: „Es ist nicht seriös, visionäre Vorschläge zu machen, die nicht finanziell untersetzt sind.“ Das Stadtoberhaupt ist diesbezüglich ganz klar im Vorteil. Denn er kennt die Ergebnisse des von der Stadt bezahlten Gutachtens so gut wie offensichtlich sonst aus der Parlamentsrunde nur noch die Stadtverordneten von SPD und Grünen: Das zeigt sich, als er seine Vorzugsvariante für das künftige Straßenbahn-Liniennetz präsentiert. Dieses entspricht dem bereits von der Fraktion öffentlich gemachten Vorschlag mit drei verbleibenden Straßenbahnlinien (die RUNDSCHAU berichtete). Die Wirtschaftlichkeit zur Erweiterung des Netzes sei nicht gegeben, verkündet Szymanski zudem.
„Wir haben erfreut zur Kenntnis genommen, dass die Stadtverwaltung schnell auf unseren Vorschlag reagiert hat, Cottbus als Modellstadt für Elektromobiltät ins Gespräch zu bringen“, erklärt Dieter Doege vom Verein Pro Bahn. Oberbürgermeister Frank Szymanski hatte erklärt, dass in Zusammenarbeit mit vier Professoren der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus der Förderantrag auf den Weg gebracht worden sei (die RUNDSCHAU berichtete). Der Bund hatte im Konjunkturpaket II eine Summe in Höhe von 115 Millionen Euro für sieben Modellstädte deutschlandweit zur Verfügung gestellt. „Das Potsdamer Umweltministerium hatte uns bestätigt, dass Cottbus die Stadt in Brandenburg sei, die die größten Chancen habe, an einem solchen Modellprojekt teilzunehmen“, erklärt Doege. Denn die Feinstaubbelastung sei ausgesprochen hoch, es bestehe dringender Handlungsbedarf, positiv auf die Reinhaltung der Luft einzuwirken. „Der Einsatz von Elektrofahrrädern ist für Cottbus interessant. Solarzapfstellen und Rad-Aufbewahrungsstationen an den Endhaltestellen der Straßenbahn könnten die Tram attraktiver machen und die Stadt viel umweltfreundlicher gestalten“, sagt Dieter Doege zur Grundidee.
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Erstellt am: 23. April 2009, 00:00 Uhr
Geändert am: 23. April 2009, 16:27 Uhr
Autor: Kathleen Weser




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