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Cottbus

Cottbuser Seniorenverband beim Feiern und beim Trauern

Cottbus Bei dem Wort „Seniorenverband“ fallen einem seltsame Dinge ein. Lange dunkle Flure vielleicht oder schlecht gewürztes Essen. Keinesfalls aber denkt man an Menschen wie Wolfgang Szuka. Wohl beleibt, redselig, fröhlich.

31.07.2010

Wolfgang Szuka, Vorsitzender des Cottbuser Seniorenverbandes. Foto: hil
Foto: hil
71 Jahre ist Wolfgang Szuka alt und gehört damit im Cottbuser Seniorenverband durchaus zur »Jungen Garde«. Seit vier Jahren ist er Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins, davor war er zehn Jahre lang Schatzmeister, seit 1992 ist er Mitglied. Kurz nachgerechnet: Damals war er 53. Was treibt einen Mann in diesem Alter in einen Rentnerklub? Szuka blickt seine Frau an, zögert kurz und kommt dann auf ein Kapitel seines Lebens zu sprechen, das ihm bis heute ab und an zu schaffen macht. Zu DDR-Zeiten war er Hauptkommissar, hatte 33 Dienstjahre in Cottbus hinter sich gebracht, als sich die Wende abzeichnete. »Ich wollte nach dem 3.Oktober nicht noch mein Abzeichen auf der Dienstmütze ändern, ich bin lieber in den Vorruhestand gegangen«, sagt er. Er lächelt, doch hinter diesem Lächeln stehen viele Fragezeichen. Gedanken über das Verhältnis von Polizei und Staat, Demokratie und Respekt. Zumindest soviel sagt er: dass er ein oder zwei Jahre gebraucht habe, um den Abschied von der Polizei zu verkraften, dass er dann aber froh gewesen sei. Die Arbeit der Kollegen habe er so nicht mehr machen wollen. Aber was dann? Ganz ohne Aufgabe? Ohne Sinn? »Ich habe immer gesellschaftlich gearbeitet, wenn Sie das Wort noch kennen, seit meinem sechsten Lebensjahr war ich immer aktiv. Das wollte ich auch weiter bleiben.« So ergab es sich fast selbstverständlich, dass er sich ein neues »gesellschaftliches« Betätigungsfeld suchte, passend zur neuen Lebenssituation.

Kurz nach der Wende bot die westdeutsche Ruhestandsvereinigung BRH den Aufbau einer Partnerorganisation in den neuen Ländern an, half zudem mit Beratung bei Rentenfragen. »Das war natürlich ein enorm wichtiges Thema«, erinnert sich der damalige Vorruheständler. Er trat dem Verein bei, wurde rasch in den Vorstand und später zum Schatzmeister gewählt. Nicht, dass er an Langeweile gelitten hätte: Er hatte sich schnell eine Arbeit beim Wachschutz gesucht und ist bis heute zwei Tage in der Woche in einem großen Cottbuser Sicherheitsunternehmen tätig. »Aber das Ehrenamt gehört zum Leben dazu«, sagt Szuka. Sein Verband hat derzeit knapp über 100 Mitglieder, das Durchschnittsalter liegt bei 76. »Wir haben eine Radlergruppe bei uns und Leute, die gemeinsam wandern. Wir feiern zusammen Fasching, den Frauentag und Weihnachten, es gibt Bildungsausflüge, einen Frauenstammtisch, Tagesreisen - die Liste der Aktivitäten ist lang«, erzählt der Seniorenchef stolz. Es geht um Gemeinschaft, um Zusammenhalt, um kleine Gesten. Zum runden Geburtstag gibt es ein kleines Präsent, wird jemand krank, darf er auf Besuch hoffen. Auch die »Ehrenmitglieder«, die körperlich nicht mehr in der Lage sind, die Veranstaltungen des Verbandes zu besuchen, werden regelmäßig besucht. »Na, und wenn jemand stirbt, dann gehen wir natürlich auch zur Beerdigung«, sagt Wolfgang Szuka. Seine Frau nickt. »Auch das gehört dazu, wenn man alt wird, da muss man sich reinleben.«

Zum Thema:
Die Cottbuser Ortsgruppe des Brandenburger Seniorenverbandes feiert im September ihr zwanzigjähriges Bestehen. Ein Großteil der Aktivitäten findet im langjährigen Vereinslokal, dem Brandenburger Hof, statt. Nähere Informationen unter Telefon 0355 793921.

Von Andrea Hilscher
 
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