23. Februar 2012, 00:00 Uhr

Cottbuser Mieter wehren sich gegen Luxus-Sanierung

Gebäudewirtschaft Cottbus verteidigt angekündigte Modernisierungsmaßnahmen im Würfelhaus an der Spree

Cottbus In einem Würfelhaus mit Spreeblick lässt es sich gut leben. Die Mieter der Fährgasse 2 in Sandow wissen das zu schätzen. Nun will die Gebäudewirtschaft (GWC) den 70er-Jahre-Bau herausputzen. Grund zur Freude ist das für die Bewohner nicht. „Wenn die GWC das durchdrückt, werden viele ausziehen müssen“, erklärt Mieter Jens Pittasch.

GWC-Mieter Jens Pittasch macht sich für bezahlbaren Wohnraum stark. Unterstützt wird er dabei von Nachbarin Hannelore Seemann. Foto: Elsner Foto: Elsner
Bereits Ende November hat der größte Vermieter der Stadt Modernisierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen angekündigt. Geplant seien der Bau eines Personenaufzugs, die Instandsetzung der Balkone sowie die Wärmedämmung an Kellerdecken, Fassade und Dachplatte. Die Gesamtkosten werden auf rund 454 000 Euro geschätzt.

Für seine Wohnung im vierten Obergeschoss habe die GWC eine monatliche Mieterhöhung von 185,08 Euro angekündigt. „Das ist 62 Prozent mehr als bisher“, sagt Pittasch. Allein der Aufzug schlage mit 84,17 Euro zu Buche. Doch der Cottbuser zweifelt am Sinn der Baumaßnahmen und sieht sich darin mit der Mehrzahl seiner Nachbarn eins. „Niemand hat etwas gegen eine vernünftige Wärmedämmung. Aber was die GWC mit unserem Haus vorhat, ist eine Edelsanierung zugunsten von Gutverdienern“, sagt er, „und genau das ist nicht der Auftrag eines kommunalen Unternehmens.“ Anders als bei einem privaten Vermieter dürfe es bei einer Gesellschaft, deren Eigentümer die Stadt ist, nicht um die bestmögliche Rendite gehen.

Pittasch hat Einspruch gegen das Bauvorhaben eingelegt. In seiner Begründung heißt es: „Die Maßnahmen sind in weiten Teilen unangemessen, und die vorgesehene Kostenumlage führt zu unzulässigen Benachteiligungen einzelner Mieter sowie voraussichtlich zu Fällen unzumutbarer Härte.“ Außerdem fordern die Mieter, die beabsichtigte Wärmedämmung nach den neuesten Erkenntnissen des Brandschutzes zu bauen. „Es ist nachgewiesen worden“, so Pittasch, „dass bei der von der GWC vorgesehenen Bauart die Dämmstoffe wie Brandbeschleuniger wirken.“

Die GWC wehrt sich gegen die Vorwürfe. Es handle sich „bestimmt nicht um eine Luxussanierung, wenn man sich die Baumaßnahmen anschaut, die unser Unternehmen zur Modernisierung dieses 36 Jahre alten Hauses beabsichtigt“, erklärt GWC-Pressesprecher Tom Schönherr. Das Dämmen von Kellerdecken und Drempeln, die Instandsetzung von Loggien und die Fassadendämmung seien „notwendige Arbeiten, um die Wohnlichkeit des Gebäudes zu erhalten beziehungsweise zu verbessern“. Durch das beabsichtigte Wärmedämm-Verbundsystem werde „nicht nur die energetische Bilanz des Hauses deutlich verbessert, sondern es ist auch ein wesentlicher Beitrag für den Erhalt eines solchen Hauses“. Das Vorhaben trage dazu bei, die vom Gesetzgeber vorgegebene Energie-Einsparverordnung umzusetzen.

Das Dämmmaterial sei von der Bauaufsicht ausdrücklich zugelassen. „Die GWC handelt also vorschriftsgemäß und wird rund um das Haus alle zwei Etagen einen Brandriegel anbringen“, so Schönherr. Mit dem Einbau von Aufzügen komme die Gebäudewirtschaft nicht nur einem vielfach geäußerten Mieterwunsch nach, sondern wolle gleichzeitig ihren Bestand an barrierearmen Wohnungen erhöhen.

Doch wirkliche Barrierefreiheit werde nicht hergestellt, betont Pittasch. Um zum Aufzug zu gelangen, müssten die Mieter von der Haustür aus erst eine halbe Etage per Treppe überwinden. Auch der Keller sei nicht mit dem Fahrstuhl erreichbar.

Die Fährgasse 2 ist laut GWC eines von drei sechsgeschossigen Würfelhäusern in diesem Quartier, die mit einem Aufzug ausgerüstet werden. Alle anderen Häuser seien eine Etage niedriger. GWC-Mitarbeiter hätten den Mietern diese Fakten bereits „eingehend dargelegt“.

An deren Haltung zur geplanten Modernisierung hat das offenbar nichts geändert. Jens Pittasch: „Trotz der Behauptung der GWC, dass kein Mieter wegen der hohen Kosten ausziehen werde, ergibt meine eigene schriftliche Befragung ein anderes Bild. Bisher liegen sechs Antworten vor, davon wollen vier Mieter wegen der Modernisierungskosten ausziehen. Laut GWC gibt es eine Warteliste für das Haus. Wird die Modernisierung durchgesetzt, werden vermutlich Besserverdiener einziehen.“

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Erstellt am: 23. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 23. Februar 2012, 10:26 Uhr
Autor: Ulrike Elsner

Ulrike Elsner

Jüngste Kommentare (20)

Besserwissenden Rat...

von crusader

nicht aufregen, D_B ist Wessilehrling und übt noch.

was

von wurzel

kostet da zur zeit die miete,weiss das einer?
also in der fährgasse 2...

wir zahlen zb. 466euro warm für unsere gemachte 3 raumwohnung.
und den preiss finde ich völlig in ordnung.
wohne in der spremberger vorstadt...

mal nachrechnen....

von snowman28

Antwort auf folgenden Beitrag von wurzel am 23.02.2012 19:59 Uhr

sofern mich ein Mathematiklehrer (ggf. D.B.) nicht wieder eines Bessern belehrt. Wenn ca. 185,-Euro eine 62%ige Mieterhöhung ausmachen, dann sollte die jetzige Miete bei "alt" ca. 300,-Euro liegen. Ergo liegt die neue Miete dann "neu" bei knapp 500,-Euro! (ob nun warm oder kalt gibt obiger Artikel nicht preis.) Neuen Rechenmodellen stehe ich offen! zwinkern

:-)

von wurzel

Antwort auf folgenden Beitrag von snowman28 am 23.02.2012 20:29 Uhr

hab ich wohl überlesen grinsen

aber wenns 500euros warm sind und es wäre eine 3 raumwohnung dann ist doch daran nichts auszusetzen.
sind doch fast normale preise für eine sanierte bude in cb.

Fahrstuhl für Rollstuhl kaum geeignet

von Dieter_Buddrus

Derartige umgebaute Würfelhäuser existieren seit Jahren auch im WK13. Laut immowelt und immoscout suchte der dortige Eigentümerim Jahre 2012 teilweise monatelang Mieter für diese umfassend renovierten Wohnungen. Und das vor dem Fahrstuhl eine Treppe ist, spielt bei diesem winzigen Fahrstuhl sowieso keine Rolle: für Rollstuhlfahrer ist dieser Fahrstuhl sowieso fast immer zu klein.
Es ist richtig: in Cottbus wird ziemlich oft am Marktbedarf vorbei gebaut und auch am Marktbedarf vorbei modernisiert. Und das alles nur damit die Berechnungsbasis für den Mietpreisspiegel kräftig steigt.

Birnen, Äpfel usw.....

von unbekannt

Antwort auf folgenden Beitrag von Dieter_Buddrus am 23.02.2012 18:57 Uhr

Das ist doch völliger Blödsinn, was Sie hier schreiben. WK irgendwo mit einer schönen Wohnlage dort zu vergleichen. Also unsinniger gehts kaum. Ich vergleiche doch auch kein Eigenheim mit einer WBS70 Wohneinheit.

Schreibfehler

von Dieter_Buddrus

Antwort auf folgenden Beitrag von Dieter_Buddrus am 23.02.2012 18:57 Uhr

statt 2012 ist natürlich 2011 gemeint. Und man schaue bitte mal auf den Anbieter "Gutburg" und seine eigentlich preiswerten Angebote. Mehrere Angebote gab es auch für sehr preisgünstige Eigentumswohnungen in den 3 bekannten Würfelhäusern im WK13 - alle 3 Gebäude haben bekanntlich einen kleinen Fahrstuhl.

Sozialimus war einmal!!! -auch in Sandow-

von snowman28

Jetzt leben wir in der wunderschönen Marktwirtschaft. (von sozialer redet ja keiner mehr) Da ist es legitim, das Eigentum so gewinnbringend wie möglich einzusetzen. Und wenn ich nun mal nach einer Sanierung deutlich mehr Mieteinnahmen habe, warum nicht?!? Meines Wissens gibt es doch noch den sozialen Wohnungsbau, mit WBS?? Nur bekommt man dort eine angemessene!!! Wohnung zum vernünftigen Preis und keine 80qm für 350,-Euro warm. In dieser Gesellschaft hat keiner etwas zu verschenken, auch nicht eine kommunale Wohnungsgesellschaft. Und ein Fahrstuhl bis in den 6.Stock? Feine Sache! zwinkern

hm ...

von klickmich

Antwort auf folgenden Beitrag von snowman28 am 23.02.2012 16:45 Uhr

** Mehr Mieteinnahmen?? was zu beweisen wäre, wenn danach nicht mehr vermietbar; es sind dort je eine 5-Raum, eine 1-Raum, eine 3-Raum-Wohnung, jede mit groben Zuschnittmängeln und teurer Rinnsal-Gastherme für Warmwasser;
** ach ja: Unternehmensgegenstand der GWC
"Die Gesellschaft verwaltet, bewirtschaftet und vermietet in einer die Umwelt möglichst schonenden Weise Wohnungen mit dem Ziel, vor allem für einkommensschwächere Bevölke-rungsschichten im niedrigen bis mittleren Marktsegment die Wohnverhältnisse zu sichern und stetig zu verbessern. Sie hat für eine sozial gerechte Verteilung der Wohnungen zu sorgen."

Quelle: Beteiligungsbericht der Stadt Cottbus

sozial

von unbekannt

Antwort auf folgenden Beitrag von klickmich am 24.02.2012 14:23 Uhr

Sozialverträgliche Wohnungen gibts zu Hauf in Ströbitz und Madlow.

Im Grundgesetz

von Dieter_Buddrus

Antwort auf folgenden Beitrag von snowman28 am 23.02.2012 16:45 Uhr

steht hinsichtlich dem Eigentum u.a. auch "Eigentum verpflichtet" - aber was das bedeutet scheint Ihnen völlig unbekannt zu sein. Die BRD ist seinerzeit groß geworden dank Unternehmern, denen die Bedeutung von "Eigentum verpflichtet" klar war. Typen wie Sie passen dagegen weit eher zu jenen raffgierigen Egoisten der Börsenzockerszene, denen die Finanz- und Weltwirtschaft völlig egal ist. Ich kann nur hoffen, das Typen wie Sie demnächst ein Opfer Ihrer eigenen Lebenseinstellung werden und von anderen Egoisten total abgezockt werden. Vielleicht beginnen danach Egoisten wie Sie dann doch nochmal mit dem Denken und Nachdenken. Und ansonsten wünsche ich Ihnen ein kochend warmes Plätzchen in der Hölle.

Eigentum verpflichtet- aber wozu, Herr DB?

von Altanschliesser

Antwort auf folgenden Beitrag von Dieter_Buddrus am 23.02.2012 19:12 Uhr

Eigentümer der Häuser ist die GWC und die gehört zu 100% der Stadt Cottbus. Also sind quasi die Bürger der Stadt Cottbus Eigentüme, so eine Art Volkseigentum. Und im Interesse der Allgemeinheit ist dieses Eigentum zu bewahren und zu vermehren, denn die Gewinne der GWC kommen letztendlich der Stadt und somit allen zugute, während ein paar Rentner nur hre eigenen Interessen sehen, möglichst billig auf Kosten der Allgemeinheit zu wohnen. Dazu verpflichtet Eigentum nicht.

immer schön sachlich bleiben,

von snowman28

Antwort auf folgenden Beitrag von Dieter_Buddrus am 23.02.2012 19:12 Uhr

allwissender DB. Der ja zu allem und jedem Artikel und Thema seinen besserwissenden Rat beizutragen hat in Oberlehrermanier. Nur wer lesen kann ist klar im Vorteil. Die Ironie in meinem Kommentar habe sie offensichtlich nicht mitbekommen, obwohl dort ein zwinkern im Anhang steht. Zu den Bananen und Apfelsinen kamen auch Kapitalisten und diese haben nix zu verschenken. Bevor Sie immer wieder mal hier ausfallend werden, Herr D.B.: sie sind nicht der Nabel der Welt und die Kommentarfunktion ist nicht durch Sie gepachtet! Auch Gott wird nicht auf Sie hören und mich in seinen "Himmel" einkehren lassen. Bääähhhhh!

@snowman28

von Oldy

Antwort auf folgenden Beitrag von snowman28 am 23.02.2012 20:23 Uhr

und mit seiner Wortwahl (BRD, WK13...) weis man aus welchem Roten Stall der Wind weht.

soso

von fatalia

so wird ebenmal aus dem Roten Sandow ein Fahrstuhl Sandow zwinkern
Wenn der Fahlstuhl kein Luxus sein soll, dann frag ich mich was dann Luxus ist? Wozu nach 36 Jahren? Gegen fast alle Krankheiten (auch die Alterskrankheit.-)) ist Treppensteigen ein ausgezeichnetes Mittel.
Und für Gehbehinderte gibt es ja schließlich Erdgeschosse und Behindertenwohnungen.

na dann zeigen Sie uns dochmal bezahlbare Wohnungen für

von Dieter_Buddrus

Antwort auf folgenden Beitrag von fatalia am 23.02.2012 15:36 Uhr

Rollstuhlfahrer und stark gehbehinderte Personen. Wobei ich richtige Wohnungen meine und keinesfalls bloß eine Sterbekammer. Aber selbst bei der Wohngeldstelle der Stadtverwaltung scheinen die Mietpreise für derartige Wohnungen, die sogar mit Fördergeldern des Landes gebaut wurden, weitgehend unbekannt zu sein.

richtig dämmen

von markz

zum Thema Wärmeverbundsystem ist dieser Beitrag vielleicht hilfreich: http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/45_min/videos/minuten385.html

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