Cottbuser Marktplatz organisiert gute Geschäfte ganz ohne Geld
Freiwilligenagentur bringt Firmen und Vereine zusammen
Cottbus
Mit dem Marktplatz „Gute Geschäfte“ bringt die Freiwilligenagentur Cottbus Vereine und Unternehmen zusammen. Dabei wird nicht Geld getauscht, sondern Leistungen.
Die Alte Chemiefabrik wird am 18. November wieder zum Marktplatz „Gute Geschäfte“. Foto: Freiwilligenagentur Cottbus Foto: Freiwilligenagentur Cottbus
Auf diese Weise werden aus Unternehmern nicht Sponsoren und aus Vereinen nicht Bittsteller, sondern Gleichgestellte. Das Modell hat die Freiwilligenagentur vor vier Jahren eingeführt und es nimmt immer mehr Fahrt auf. Allein im vergangenen Jahr wurden laut Projektleiterin Karen Wichmann 81 Vereinbarungen zwischen Firmen und Vereinen sowie Organisationen getroffen. Im November steht der nächste Marktplatz an, bei dem wieder rund 100 Teilnehmer erwartet werden.
Der Marktplatz funktioniert wie eine Börse. Das Parkett ist die Alte Chemiefabrik in Cottbus. Dort schwirren Vertreter von Firmen und Vereinen zwei Stunden lang durcheinander auf der Suche nach dem richtigen Helfer. Mit gelben Schärpen ausgestattete »Makler« helfen bei der Kontaktaufnahme. »Das ist wie Speed-Dating«, erklärt die Projektleiterin.
Mehr als ein Scheck
Karen Wichmann ist überzeugt, dass der Marktplatz so gut funktioniert, »weil nicht einfach ein Scheck rübergeschoben wird«. Das bestätigt Hagen Kirschke. Er ist Personalverantwortlicher bei der Forster Industrie- und Kesselreinigung GmbH der Helbeck-Gruppe. »Diese Art der Hilfe ist viel direkter, weil wir die Leute kennenlernen«, sagt er. »Und wir bekommen etwas zurück.« So stellt die Firma Mitarbeiter zum Aufbau einer Trockenwand beim Verein Soziale Initiative Niederlausitz (SIN). Als Gegenleistung organisiert der Verein einen Kindernachmittag in Forst. »Das ist doch viel wirkungsvoller«, sagt Kirschke. Dem Personaler gefällt auch die Art. »Durch die Vereinbarungen sind wir richtige Vertragspartner.«
Wert des Geldes
Für Pfarrer Christoph Polster hat die Marktplatz-Initiative der Freiwilligenagentur noch einen anderen Aspekt. »Geld nimmt immer mehr einen fremden Charakter an. Wir haben kaum noch eine Beziehung dazu. Es schwankt ständig und die Mechanismen dahinter sind für den Einzelnen kaum mehr überschaubar«, sagt der Pfarrer. Dabei liege dem Geld doch ein ganz simpler Grundgedanke zugrunde - nämlich der individuelle Tauschhandel. »Gibt es Reaktionen auf die Finanzkrise?«, fragt Polster und weiter: »Können wir etwas tun, um zum Geldwert wieder zurückzufinden?« Die Marktplatz-Initiative trage einen Teil dazu bei. »Denn in der Kaufhalle funktioniert es nur eindimensional. Da geht es darum, was hilft mir und was ist günstig. Aber beim Marktplatz geht es um den Tauschgedanken.«
Genau das ist für den Cottbuser Jungunternehmer Daniel Bentner Anreiz, sich zu engagieren. Mit seiner Catering-Firma Brotbüchse muss er sich noch seinen Platz am Markt erkämpfen. »Da bleibt nicht viel Geld extra. Aber ich will helfen und der Marktplatz gibt mir die Möglichkeit, weil ich Ware gegen Ware tauschen kann«, erklärt er.
Der nächste Marktplatz findet am 18. November von 17 bis 19 Uhr in der Alten Chemiefabrik statt. Zur Vorbereitung bietet die Freiwilligenagentur am 8. September zwei Workshops von 10 bis 13 Uhr für Fortgeschrittene und von 15 bis 18 Uhr für neue Teilnehmer. Anmeldung bei der Freiwilligenagentur unter Telefon 0355 4888665.
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