Cottbus verabschiedet sich vom Militär
Langsam zieht sich das Militär aus Cottbus zurück. Im Jahr 2003 nahm die Heeresfliegerstaffel ihren Abschied, und in der nächsten Woche wird das Verbindungskommando 851 von seinen Aufgaben entbunden. Zurück bleiben lediglich 25 Soldaten, die für das Kalibrierungslabor arbeiten. Außerdem werden sich in einem neu gebildetes Kreisverbindungskommando Reservisten vor allem um den Katastrophenschutz kümmern – und das Flugplatzmuseum bewahrt als Andenken an eine vergangene Ära etliche Dokumente der Cottbuser Militär-Vergangenheit auf.
Grundstein im Jahr 1916
Die Geschichte des Cottbuser Militärflughafens führt zurück ins Jahr 1916. Damals begann der Bau der Anlage an der Burger Chaussee. Im Zweiten Weltkrieg baute die Firma Focke-Wulff Typen wie die FW-200 Condor, FW-190 und TA-152 in Cottbus, nach dem Krieg verschrottete die Rote Armee auf dem Platz Flugzeuge. Mit der Verlängerung der Landebahn auf 2600 Meter begann nach 1952 die Geschichte der DDR-Luftstreitkräfte. Der Pressesprecher der Cottbuser Stadtverwaltung, Peter Lewandrowski, erinnert sich: «Kurz vor der politischen Wende gab es im heutigen Spree-Neiße-Kreis rund 35 000 Soldaten.»
Diese Zahl ist seitdem rapide gesunken. Nach 1989, mit dem Einzug der Bundeswehr, widmeten sich die Soldaten der Heeresfliegerstaffel 400 unter anderem dem Katastrophenschutz, und im Jahr 2003 verließ der letzte Hubschrauber der Staffel den Cottbuser Standort offenbar für immer.
Der nächste Einschnitt folgt in einer Woche. In der ehemaligen Von-Alvensleben-Kaserne verabschiedet sich Oberstleutnant Jürgen Oettler von den Soldaten des Verbindungskommandos 851, die sich – wie die Heeresfliegerstaffel – um den Katastrophenschutz kümmerten. Für sie springen in Zukunft Reservisten ein, sie gehören dem neuen Kreisverbindungskommando an. «Alle diese Reservisten arbeiten auf freiwilliger Basis» , erklärt Oberstleutnant Bernd Roblick, der Leiter des Verbindungskommandos, «die neue Struktur läuft auf eine Straffung der Organisation hinaus.» Und damit, so erklärt er weiter, ist das alte Verbindungskommando nicht mehr existent – auch Roblick selbst wird Cottbus verlassen.
Kalibrierlabor bleibt vorerst
Was vom Militär bleibt, sind 25 Soldaten, die für das Kalibrierungslabor arbeiten. Auch dieses Handwerk hat in Cottbus eine lange Tradition. Bereits im Jahr 1969 stellten die Mitarbeiter des Labors an der Sielower Landstraße fest, ob die Messgeräte noch genau arbeiteten. Zu DDR-Zeiten war die Cottbuser Kalibrierwerft die zentrale Messstelle für die gesamte NVA. Auch nach der Wende wurden vor allem Geräte aus Luftfahrzeugen und Waffensysteme kalibriert, zum Beispiel Strom- und Frequenzmesser, Manometer, Thermometer, Waagen oder Blutdruckmessgeräte.
Ob das Kalibrierlabor auch in Zukunft Bestand haben wird, darüber gibt es bei der Bundeswehr im Moment keine klare Aussage: Derzeit steht beim Militär wohl alles auf dem Prüfstand. Und so könnte es passieren, dass sich bald auch die letzten aktiven Soldaten aus Cottbus verabschieden und damit eine Ära beenden.
| Hintergrund Das Cottbuser Flugplatzmuseum |
| Im Jahr 1990 begannen Cottbuser Luftfahrtenthusiasten mit der Erforschung des Flugwesens in der Region. Sie sammelten Ausstellungsstücke, die sonst der Vernichtung anheimgefallen wären. Der im gleichen Jahr gegründete Förderverein «Flugplatzmuseum Cottbus» schaffte schließlich die Grundlage für den Aufbau und Betrieb des Museums an der Dahlitzer Straße. Seit 1994 ist es für Besucher geöffnet: von März bis Oktober dienstags bis freitags zwischen 10 und 16 Uhr, samstags und sonntags zwischen 10 und 17 Uhr; in den Monaten November bis Februar dienstags bis samstags zwischen 10 und 16 Uhr. Erwachsene zahlen vier Euro Eintritt, Kinder von 7 bis 16 Jahren sowie Rentner, Studenten, Arbeitslose und Behinderte zwei Euro. Das Museum ist unter der Telefonnummer 0355 32004 und im Internet unter der Adresse www.flugplatzmuseumcottbus.de zu erreichen. |
Extras zum Artikel
Artikel Teilen:
Artikel-Aktualisierungen:
Erstellt am: 13. Dezember 2006, 00:00 Uhr
Geändert am: 14. Dezember 2006, 09:14 Uhr
Autor: von René Wappler

Jüngste Kommentare
Zu diesem Artikel sind noch keine Beiträge vorhanden