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Cottbus

Bewährungshelferin seit 20 Jahren

Cottbus Es sind Junge und Alte, deutlich mehr Männer als Frauen, und sie kommen aus allen Schichten: Gestrauchelte, Kriminelle, Menschen, die sich bewähren müssen. Barbara Langer hilft ihnen dabei.

04.09.2010
Barbara Langer, Bewährungshelferin aus Cottbus seit fast zwanzig Jahren. Eigentlich hat sie alles erlebt, was es in diesem Metier zu erleben gibt, sagt sie, und dennoch: »Manche Klienten schaffen es doch immer wieder, mich zu überraschen.«

Da sind Männer, die sich über ein oder zwei Jahre mühsam an die Bewährungsauflagen gehalten haben und dann lassen sie sich beim Angeln ohne Angelschein erwischen.

»Das reicht schon für eine Anzeige, die den gesamten Prozess aus Haft und Bewährung erneut in Gang setzen kann«, sagt Barbara Langer. So gibt es Probanden, die sie seit zehn Jahren betreut. Sie muss aufpassen, dass Wohnortwechsel angezeigt werden, Sozialstunden abgeleistet, Schule oder Ausbildung absolviert werden oder die Suchtberatung aufgesucht wird. Natürlich sind auch die begangenen Straftaten immer wieder Thema.

Aber auch positive Überraschungen hält der Alltag parat. So erzählt sie gern von einer jungen Mutter. Drogenabhängig, wegen Beschaffungskriminalität verurteilt, kam sie vor einiger Zeit in die Obhut von Barbara Langer. Sie nahm mit Erfolg an einem Methadonprogramm teil. Leistete ihre Sozialstunden ab und kümmert sich vorbildlich um ihr Kind. »Wenn ich zum Hausbesuch auftauche, ist picobello aufgeräumt und es liegen Bücher auf dem Tisch, aus denen sie ihrem Kind vorliest.«

Diese Momente geben der Sozialarbeiterin Kraft, wenn der Alltag sie mit immer neuen Herausforderungen konfrontiert. Gerade ist einer ihrer Probanden spurlos verschwunden. »Er hat eine schwere Straftat begangen und jetzt habe ich keine Ahnung, wo er steckt.«

Recherchen in Krankenhäusern und bei der Polizei blieben erfolglos. »Ich kann nur mutmaßen, ob ihm etwas passiert ist, er sich etwas angetan hat oder untergetaucht ist. Natürlich informiere ich den Richter sofort über so einen Fall.«

Für ihre Arbeit gibt es klare Qualitätsstandards. »Trotzdem macht man einiges aus dem Bauch heraus, wir verwalten keine Akten, wir haben Menschen vor uns.«

Ob ihr die Nähe zum Verbrechen Angst macht? Sie schüttelt ihre roten Haare und lacht. »Nein, überhaupt nicht.« Selbst bei verurteilten Totschlägern würde ihr nicht mulmig.

Die aktuelle politische Diskussion über die nachträgliche Sicherheitsverwahrung in der Bundesrepublik beobachten sie und Kollegen sehr genau.

Der Umgang mit potenziell gefährlichen Haftentlassenen bestimmt schon jetzt ihren Arbeitsalltag und wird ihn in der Zukunft noch stärker beeinflussen.

Die Bewährungshelferin fordert daher gemeinsam mit ihren Kollegen den Ausbau eines dicht geknüpften Netzes an forensischen (gerichtsmedizinischen) Ambulanzen, die Schwerstkriminellen als Ansprechpartner in Krisensituationen dienen können.

Denn eines will sie Sozialarbeiterin Langer nie aus dem Auge verlieren: »Das oberste Ziel unsere Arbeit ist es, Menschen wieder in die Gesellschaft zurückzuholen. Wo immer das möglich ist«, sagt Barbara Langer.
Von Andrea Hilscher
 
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