04. Februar 2012, 00:00 Uhr

Besonnenheit ist Trumpf

Der 15. Februar rückt näher, der Tag, an dem der Bombardierung von Cottbus gedacht wird.

Der Tag, an dem in Cottbus wieder demonstriert und öffentlich geredet werden wird.

Es gibt in der Bibel ein Wort, das grundlegend ist gerade für alles öffentliche Reden und Handeln: Besonnenheit! Die brauchen wir am 15. Februar. In solcher Besonnenheit sage ich: Es ist wichtig und gut, der Opfer der Bombardierung zu gedenken und der Klage über dieses Kriegsgeschehen Raum zu geben. In solcher Besonnenheit sage ich zugleich: Es ist notwendig anzuerkennen, das auch Cottbus Opfer des verheerenden Kriegsgeschehens wurde, das von einem deutschen Regime in Gang gesetzt worden ist – mit furchtbaren Konsequenzen für unendliche viele Menschen, die von diesem Krieg betroffen waren. Und dieses Regime hat neben dem unrechten Krieg die millionenfache Tötung von Juden und anderen missliebigen Gruppen im eigenen und in fremden Ländern verursacht. Ich werde mich am 15. Februar Parolen verschließen, die nicht besonnen das Ganze sehen und einseitige Sichtweisen auf ihre Fahnen schreiben. Ich werde mich Sprüchen verschließen, die das Leid der Menschen vom 15. Februar 1945 offen oder unterschwellig verknüpfen wollen mit Gedanken von Heldentum und Deutschtümelei. Nein, besonnenes Gedenken verknüpft das Leid der Cottbuser mit Scham über die, die einen Krieg begonnen haben, der am Ende zurückkehrte und brutal und verheerend auch über Cottbus hereinbrach. Für Christen und Nichtchristen muss es darum gehen, anzuerkennen, was ist und besonnen die Realität wahrzunehmen.

Hinrich Müller ist Pfarrer

der Kreuzkirchengemeinde Cottbus

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Erstellt am: 04. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 04. Februar 2012, 03:45 Uhr
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Jüngste Kommentare (3)

Muss nochmal nachhaken.

von rudopa

Mein Vater ist 1955 aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Grund: Er hat den gesamten Feldzug von 1939-45 mitmachen müssen. Seine Erklärung : Bevor wir aufeinander loshauen mussten, haben im Frankreichfeldzug die deutschen wie die französischen Pfarrer die Waffen gesegnet!
Die Depressionen im Russlandfeldzug, Partisanenkrieg, Leid der Bevölkerung, Fleckfieber und die Kesselschlacht im Kursker Bogen hat er emotional nie bewältigt.
Er wählte 1986 den Freitod.
Was ich verwerflich finde, die kirchlichen Würdenträger empfinden sich als Moralapostel.
Die meisten Kriege waren Glaubenskriege!

Ich wurde am 29. Mai 1945 geboren,

von rudopa

Meine Hebamme war Flüchtling aus Glogau, hat mir sehr intensiv vom Bombenangriff auf Cottbus berichtet. Landete dann in einem kleinen Dorf im heutigen EE. Hat alles bis zu den Zwangsvergewaltigungen durch den 3-Tages- Stalin-Befehl: Schändet die deutsche Frau !,ertragen müssen. Hat mich trotzdem gesund zur Welt gebracht und dafür bin ich ihr heute noch, obwohl sie katholischen Glaubens war,dankbar. Für den Völkermord, der am 13. Februar in Dresden und 2 Tage später in Cottbus stattfand, habe ich kein menschliches Verständnis.

Kleine Ergänzung

von AlterCottbuser

Und eins haben sie vergessen zu sagen : Mord bleibt Mord, das gilt für die einen wie für die anderen. Und wenn Wehrlose gemordet werden, dann sind die Täter - auf beiden Seiten, Herr Pfarrer - ganz besonders verachtenswerte Lumpen.

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