Volker Hecht, Cottbuser Chef des Berufsverbandes Dehoga und Betreiber eines Cateringunternehmens, bekommt Sorgenfalten auf der Stirn, wenn man das Thema Fachkräftemangel anspricht. Er sagt: "Es wird in und um Cottbus immer schwieriger, sich als Arbeitgeber gegen beliebte Regionen wie Nord- und Ostsee oder Tourismusgebiete in den Bergen zu behaupten. Dort werden weitaus höhere Löhne gezahlt als bei uns." Er selbst habe schon gemerkt, wie schwierig es sei, etwa einen guten Koch zu finden. Die Betriebe der Region sind längst dazu übergegangen, ihre Saisonkräfte auch im Winter zu beschäftigen. Volker Hecht: "Nur so kann man sicher sein, zum Saisonbeginn eine qualifizierte Mannschaft zu haben." Während Lehrstellen in der Branche vor einigen Jahren noch sehr begehrt waren, bekommen Hoteliers und Restaurantchefs zunehmend Probleme, freie Plätze zu besetzen.

Michael Fehrmann, Direktor des Lindner Congress Hotels: "Wir haben noch Glück, weil bei uns eine feste Stammbelegschaft arbeitet. Es ist aber ziemlich aussichtslos, dennoch freiwerdende Stellen mit Bewerbern etwa aus dem Westen zu besetzen. Unsere einzige Chance sind Rückkehrer, die wieder in ihre Heimat wollen."

Auch die Besetzung von Ausbildungsplätzen wird zunehmend schwerer. "Selbst, wenn wir im vergangenen Jahr jeden genommen hätten, der bei uns angefragt hat – alle sechs Plätze hätten wir nicht besetzen können."

Mit einem ausgeklügelten Weiterbildungssystem versucht Fehrmann, seine 49 Mitarbeiter ans Haus zu binden. Außer guter Bezahlung zählten auch solche Kleinigkeiten wie gutes Mitarbeiteressen. "Das Klima im Betrieb, der gegenseitige Respekt und die Wertschätzung werden immer wichtiger", sagt der Hotelier. Er jedenfalls pflegt sein Personal. "Denn unseren Gästen ist es egal, wer hier Direktor ist. Für die Besucher zählt das freundliche, vertraute Gesicht an der Rezeption."

Stephan Reichelt, General Manager des Radisson Blu (47 Mitarbeiter): "Wir spüren den Fachkräftemangel erst indirekt. Da wir das erste Haus am Platz sind, haben wir keine Probleme, gute Azubis zu finden. Auch für Fachkräfte sind wir attraktiv, weil wir ein gutes Produkt bieten und Tariflohn zahlen."

Sein Kollege Frank Ulrich, Direktor des Sorat Hotels, hat schon seit Monaten ein Schild auf dem Schlosskirchplatz stehen, mit dem er um neue Kräfte wirbt. "Jetzt haben wir zum Glück unsere Auszubildenden für dieses Jahr gefunden und suchen bereits für das Jahr 2013."

Zum Thema:
Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Brandenburg wird eine Geschäftsstelle Süd in Cottbus eröffnen. Von dort aus sollen die Bemühungen, geeignete Mitarbeiter zu finden, durch vielfältige Aktionen unterstützt werden. Nach Auskunft der Dehoga hat die Hotel- und Gaststättenbranche 2011 im vierten Jahr hintereinander massiv Auszubildende verloren. In 2011 hätte der Rückgang 11,3 Prozent betragen – fast 10 000 Auszubildende. Insgesamt habe die Branche in den letzten vier Jahren 30 000 Auszubildende verloren.