Cottbus Noch suchen sie Schutz bei ihren Eltern: Küken sind bei den Seriemas und den Riesen-Eisvögeln der Gattung „Lachender Hans“ im Cottbuser Tierpark geschlüpft. Die Mitarbeiter freuen sich über den Nachwuchs.
31.07.2010
Scheu verkriecht sich das Seriema-Küken, so klein wie eine Handfläche, unter den Federn seiner Mutter. Am Ende siegt jedoch die Neugier, und es blinzelt unter dem Gefieder hervor in die Welt außerhalb des Käfigs. »Nach zwei bis drei Wochen staksen die Jungvögel den Kletter-Ast herunter«, sagt Zootierinspektor Mario Wolff. »Dann laufen sie mit ihren Eltern durch die Gegend, um sich am Abend wieder zurückzuziehen.«Ein Geheimnis umgibt die Mutter des Kükens: Niemand weiß um ihre genaue Herkunft. »Im Sommer 2000 bekamen wir einen Anruf aus der Nähe von Finsterwalde«, erinnert sich der Inspektor. »Eine Familie erzählte uns, im Holzhäuschen auf ihrem Grundstück habe sich ein Seriema-Vogel niedergelassen - was wir zunächst für ziemlich unglaubwürdig hielten.« Ein Besuch bei der Familie habe die Tierpark-Mitarbeiter jedoch eines Besseren belehrt. »Da saß sie tatsächlich auf einem Tisch, also nahmen wir sie mit nach Cottbus, suchten anschließend auch nach dem Besitzer - doch niemand meldete sich.« Seitdem beehrt der Vogel also den Cottbuser Tierpark. Seine eigentliche Heimat befindet sich in Argentinien und Brasilien, wo er in niedrigen Bäumen und Büschen seine Nester baut. Die Jungvögel werden nach knapp vier Wochen flügge - bis dahin bleiben dem Cottbuser Küken allerdings noch ein paar Tage Zeit, in denen es sich am Gefieder der Mutter wärmen kann.Auch die Riesen-Eisvögel der Gattung »Lachender Hans« kümmern sich fürsorglich um ihren Nachwuchs, der immer dann den Schnabel weit aufreißt, wenn der Vater mit seiner Beute heranfliegt - die er natürlich aus dem Futtertrog ergattert hat. »Diese Eisvögel pflegen einen richtigen Familienverband«, erzählt Tierpark-Mitarbeiter Mario Wolff fasziniert. »Neben den Eltern bringen sogar die älteren Geschwister Futter mit zur Kiste der Jungvögel, so lange es nötig ist.« Interessiert schaut der Vater der kleinen Eisvögel aus dieser Kiste, nachdem er sie gefüttert hat. Es scheint so, als würde er Gefallen an den Besuchern finden, die ihm bei der Hege und Pflege seines Nachwuchses zuschauen - wer hier wen beobachtet, ist in diesem Augenblick nicht mehr ganz klar. Dann pickt er sich erneut Nahrung aus dem Napf. Geschickt rückt er sie in seinem langen Schnabel zurecht, um dann kurz zu krächzen. »Das Signal für die Jungen«, erläutert Mario Wolff. »Sie wissen damit, dass Nachschub kommt.« Und schon flattert der Lachende Hans zurück in die Kiste zu den Küken.
Das kleine Seriema-Küken versteckt sich unter den Fittichen seiner Mutter.
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