09. Februar 2010, 00:00 Uhr

65. Jahrestag des Bombenangriffs auf Cottbus: Flüchtlingswelle und „Volksopfer“

Der Bombenangriff auf Cottbus jährt sich zum 65. Mal / RUNDSCHAU-Serie Teil 2

Cottbus Es ist bis heute einer der verheerendsten Tage der Geschichte der Stadt Cottbus: die Bombardierung am 15. Februar 1945. Alliierte Flieger griffen den Bahnhof an und verwandelten große Teile der Südstadt in eine Trümmerwüste. Etwa 1000 Menschen starben. Am kommenden Montag jährt sich der Tag zum 65. Mal.

Das Hotel „Berliner Hof“ Bahnhofstraße/Ecke Blechenstraße wurde bei der Bombardierung am 15. Februar 1945 vollkommen zerstört. Dieses Foto zeigt es im Jahr 1946. Foto: Stadtmuseum Foto: Stadtmuseum
Die RUNDSCHAU erinnert mit Hilfe der Erkenntnisse von Heimatforscher Heinz Petzold in einer fünfteiligen Serie an die Schrecken der Zeit.

Es war ein kalter Januar im Jahr 1945. Um es bei der klirrenden Kälte um minus 20 Grad Celsius nicht zu Erfrierungen kommen zu lassen, veranlassten NSDAP-Organe, dass kleinere Gaststätten Wärmestuben einrichteten, berichtet Heimatforscher Heinz Petzold. Am 16. Januar hatten die Kinder schulfrei.

Flüchtlinge gehörten zum Erscheinungsbild der Stadt. Laut Petzold waren es überwiegend nach 1939 in das Generalgouvernement umgesiedelte und ab den Jahren 1941/1942 dem Ruf Hitlers gefolgte „Heim ins Reich“-Rückkehrer. „Nun sah man sie in der Cottbuser Bahnhofshalle sitzen, von Neugierigen umringt“, lauten Petzolds Schilderungen. Im Zuge der Weichsel-Oder-Operation der Roten Armee Mitte Januar 1945 erhöhte sich die Anzahl eintreffender „Flüchtender vor den Russen“. Die Stadtverwaltung wurde der Situation kaum Herr: Am 20. Januar traf ein 60 Pferdefuhrwerke umfassender Flüchtlingstreck über die Forster Chaussee ein. „Zwei Tage standen die Wagen auf dem Berliner Platz“, schilderte ein Hufschmied die Lage. Und es kamen mehr und mehr Menschen – aus Guben, Forst, Lübbenau, aus allen Himmelsrichtungen. Nach dem Verlust Warschaus am 17. Januar 1945, der Einnahme Krakows und Auflösungserscheinungen deutscher Divisionen wurde Cottbus „eine Schleuse des großes Einfallstores aus dem Osten, und ein unbeschreibliches Elend wälzte sich von Tag zu Tag durch die Straßen“, hieß es im Bericht des Sozialamts vom 28. August 1945. Viele glaubten: War die Niederlausitz erreicht, so war man vor den Russen sicher.

Unterdessen gestanden die Nationalsozialisten erstmals ein, dass Rohstoffe, Bekleidungs- und Ausrüstungsgegenstände nicht mehr reichten. Produktionsstätten waren zerstört worden und rumänische Ölquellen verloren. So befahlen die Nazis im Januar 1945 „Großsammeltage zum Volksopfer“. Das Motto: „Gebt alles Entbehrliche der kämpfenden Front!“ Die Sammlung wurde aufgrund unzureichender Ergebnisse bis zum 11. Februar verlängert. Heinz Petzold: „Allerdings wurde nicht gesagt, wenn die Reserve des ,Volksopfers' verbraucht ist, wie es dann weitergeht. Für die NSDAP war bis dahin der deutsche Endsieg erzielt.“

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Erstellt am: 09. Februar 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 12. Februar 2010, 16:08 Uhr
Autor: Ulrike Worlitz

Ulrike Worlitz

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