07. Februar 2012, 00:00 Uhr

„Nirgends geht es verrückter zu als auf der Welt“

Michael Becker liest über seine Zwischenfälle im Alltag

Cottbus Staatstheater-Schauspieler Michael Becker kann bereits auf eine ansehnliche Sammlung autobiographischer Geschichten zurückblicken, die er seit 2003 in vier Bänden aufgeschrieben hat. Damit ist er erfolgreich in der Region unterwegs.

Michael Becker bei seiner Lesung in der Cottbuser Kammerbühne. Foto: bwh1 Foto: bwh1
Michael Becker nennt das Schreiben selbst, die „geliebte Sucht“. Seine Geschichten sind alle wahr, oftmals werden Ort, Zeit und die handelnden Personen mit Namen und Adresse genannt. Er selbst steht als Erzähler mitten in seinen Geschichten, liest vor, was er im Lauf des Lebens gesehen, gefühlt, gerochen, empfunden hat und kommt zu dem Ergebnis: „Nirgends geht es verrückter zu als auf der Welt.“

Da sind die Bahnfahrten mit der Mutter zur etwas streng riechenden Tante mit dem Bückling fressenden Kater nach Westberlin, immer mit einem ansehnlichen Bündel Schmuggelware unter der Jacke. Da ist es die böse Lehrerin Frau Walross, die sein Mitgefühl weckt, oder die Schülerin Anita, die stets in der gleichen Klasse sitzt, nur die Mitschüler wechseln jährlich. Da trifft der Abiturient Michael aus Lieberose im Deutschen Theater in Berlin erstmals auf eine Inszenierung von Peter Kupke, anderentags sitzt der Melkerlehrling Becker auf einem Kirschbaum und zielt auf Küken, die, vom Wetterschlag getroffen, auf der Seite liegen und ein Loch im Kopf haben. Durchschuss ohne Abschuss? Was war da passiert ...? Schafft es die perfekte Chefsekretärin des Lieberoser Landrates, Rosalinde Weigelt, die von bemalten Eiern bis zu Elefanten alles sammelt, die Beckerschen Geschichten in zwei Stunden in ihren Computer zu hacken?

Immer sind es autobiographische Anekdoten, besser: Zwischenfälle im Alltag, die dem nunmehr über 60-Jährigen Anlass geben, lebendig und natürlich mit seinem ganzen schauspielerischen Talent davon zu berichten. Durchweg zur Freude des Publikums, das beim Zusammentreffen mit dem „Lebens chronisten“ oftmals auch an Selbsterlebtes erinnert wird.

Michael Beckers Geschichten schaffen Nähe zu seinem Leben, aber auch zu seiner Heimatstadt Lieberose und einer Zeit, die für viele seiner Zuhörer mit großen Umbrüchen verbunden waren - und teilweise ja auch noch sind. Sie machen oftmals nachdenklich, wenn auch mit heiterer Feder geschrieben, schildern Zeitereignisse, ohne aber zu belehren, und beschreiben doch so manche lustige Begebenheit, die sich in ihren eigenen Verwicklungen verheddert. Das gefällt dem Publikum immer wieder. Es sind Zeitreisen aus dem Leben eines Schauspielers unter dem Motto: „Nirgends geht es verrückter zu als auf der Welt.“ Wie wahr!
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Erstellt am: 07. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 07. Februar 2012, 03:19 Uhr
Autor: Von Ulrich Littko

Von Ulrich Littko

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