04. Februar 2012, 00:00 Uhr

„Kuckucksnelke“: robust und stachlig

Theatergruppe des Frauenzentrums Cottbus mit „Wir wirtschaften ehrenamtlich“

Cottbus „Wir wirtschaften ehrenamtlich“ heißt die Antwort der Theatergruppe des Frauenzentrums auf das Cottbuser Themenjahr 2011 „Wirtschaft und Ehrenamt“. Jetzt hat die Gruppe ihr Programm aktualisiert. Am kommenden Dienstag ist Premiere.

Die „Kuckucksnelken“ proben für ihr aktuelles Programm. Foto: Ulrike Elsner Foto: Ulrike Elsner
Sie nennen sich „Kuckucksnelke“ – ein sehr passender Name für eine Gruppe von Laienschauspielern, die in der „Lila Villa“ ihr zu Hause hat. Denn die Pflanze blüht rötlich lila. Außerdem ist sie nicht nur sehr robust, wie Regisseurin und Autorin Helga Schmidt betont, sondern hat auch Samen, die mit vielen winzigen Spitzen besetzt sind.

Spitzen verteilen die Frauen – die meisten von ihnen bereits im Rentenalter, die Jüngste 27 – mit Vorliebe. In der neuen „Straßenfeger“-Szene beispielsweise, in der Souffleuse Renate Werdermann ihren ersten großen Bühnenauftritt hat und der Zuschauer erfährt, was Altersvorsorge tatsächlich bedeutet. Auch ein Seitenhieb auf den Bundespräsidenten bleibt dabei nicht aus. Und der Deutschen Bundesbahn ist gar ein ganzes Lied gewidmet (Text: Renate Werdermann), das genau zur Melodie der „Schwäbschen Eisenbahne“ passt.

Im ebenfalls neuen Sketch „Im Sandkasten“ nehmen die Kleinen aufs Korn, was das Erwachsenenleben an Blüten treibt. Wenn Schantall, Mercedes und Aylin Callcenter spielen beispielsweise oder die Erzieherin die Kinder zum „Sozialkompetenztraining“ ruft. Dieses Programm hat Tempo und Witz, und seine Protagonisten zeigen sich in bester Spiellaune. Da hat selbst die kritische Regisseurin Helga Schmidt kaum etwas zu korrigieren. „Vielleicht das Kästner-Gedicht noch etwas schnoddriger“, sagt sie. „Aber der Straßenfeger und der Sandkasten – tolle Leistung.“

Wer all das gesehen hat, darf sich allerdings auf eine weitere Steigerung freuen. Denn mit „Die Operation“ kommt der Höhepunkt auch in diesem Falle zum Schluss. Die Darstellerinnen laufen zur Höchstform auf in dem Stück, das durchaus reale Auswüchse des Einsatzes von Ehrenamtlichen auf die Spitze treibt. Die Ärzte sind verhindert – wegen Grippe, Urlaub und einem Angebot aus Norwegen. Also müssen Freiwillige ran. Wie die Rettungsschwimmerin die Narkose überwacht, die Fleischverkäuferin die Haken hält und die Schneiderin die Instrumente reicht, das hat Witz, aber auf eine Weise, dass sich zum Lachen Nachdenklichkeit gesellt.

Alle Mitwirkenden sind offensichtlich mit viel Freude beim Spiel, und jede nimmt eine Menge für sich selbst mit. „Wenn ich von meinem anstrengenden Bürojob komme, bin ich müde“, sagt Regina Lehmann. „Aber wenn ich hier spiele, bin ich hellwach.“ Marina Scheibner bekennt: „Ich habe hier mehr Selbstbewusstsein gewonnen.“ Und Cornelia Schmidt, Autorin des Liedes „Ja im Cottbuser Städtchen“, erinnert sich, wie sie sagt, gern an ihre Jugendzeit im Singeklub. Jetzt könne sie erstmals seit vielen Jahren wieder ihrem Hobby nachgehen. Petra Pobig schaut zurück: „Am Anfang habe ich mich an die Texte geklammert. Manch anderer vielleicht auch. Inzwischen sind wir fit im Improvisieren.“

Das Programm „Wir wirtschaften ehrenamtlich“ hat am Dienstag, 7. Februar, in der „Lila Villa“ Premiere. Weitere Termine sind der 13. und 27. März. Alle Vorstellungen beginnen 18 Uhr. Karten für drei Euro in der „Lila Villa“, Tel. 0355 473955.
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Erstellt am: 04. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 04. Februar 2012, 02:41 Uhr
Autor: Von Ulrike Elsner

Von Ulrike Elsner

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