31. Mai 2010, 00:00 Uhr

„Bahn bremst Lausitz-Radler“

Tourismusbeauftragte des Landkreises Spree-Neiße im RUNDSCHAU-Gespräch

Forst/Burg 67,7 Prozent aller Radtouristen im Landkreis Spree-Neiße reisen per Bahn an. Das zeigt, wie wichtig eine durchgehende Bahnverbindung nach Berlin ist, sagt Michaela Birkner, Tourismusbeauftragte des Landkreises, nach Auswertung der Daten der Radfahrerbefragung 2009 im Landkreis. Die RUNDSCHAU sprach mit ihr über Ergebnisse und Schlussfolgerungen.

Michaela Birkner
Frau Birkner, aus welchen Landstrichen kommen denn die Radwanderer, die den Landkreis im vergangenen Jahr durchradelt haben?
Tagestouristen kommen aus Brandenburg, Sachsen und Berlin. Bei den Radreisenden, die auch bei uns im Landkreis übernachtet haben, wird es schon bunter. Da überwiegen die Sachsen mit 25 Prozent, gefolgt von den Brandenburgern. Jeweils gut zehn Prozent der Radreisenden waren aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen und 9,2 Prozent aus Berlin.

Wie viele waren das in absoluten Zahlen?
Befragt wurden zwischen Mai und September 2009 in unserem Landkreis 4425 Radler. Unterwegs waren wesentlich mehr. Aber da die Zählstellen erst im November installiert wurden, haben wir da für 2009 noch keine genauen Zahlen. Aus dem jeweils einwöchigen Einsatz einer mobilen Zählstelle haben wir jedoch paar Beispiele. So konnten im August 2009 in Burg in der Nähe des Bismarckturms in fünf Tagen 5000 Radfahrer gezählt werden, in Guben am Oder-Neiße-Radweg waren es in einer Woche 3722 Radfahrer und in Forst in der Nähe des Rosengartens 1994.

Ist das ein gutes Ergebnis?
Das Ergebnis ist gut. Damit liegen wir im Landesdurchschnitt schon sehr weit vorn. Die Zählung findet im Rahmen eines mehrjährigen landesweiten Forschungsprojektes zur Analyse von Radverkehrsströmen zur nachhaltigen Optimierung von Radverkehrsnetzen netzen teil. Daran nehmen alle brandenburgischen Landkreise teil. Landesweit wurden von Mai bis November 34 603 Radfahrer erfasst. 18 922 davon gaben Auskunft zu spezifischen Fragen der Forscher.

Was wollten die denn wissen?
Neben dem Woher und Wohin und der Herkunft der Radler, ging es darum, zu erfassen, ob es sich um Alltagsradler handelt, die mal schnell mit dem Fahrrad zum Einkauf oder zum Baden fahren, oder um Tagestouristen oder Radreisende, die in der Region übernachten. Gefragt wurde auch, wie sie auf die Radrouten aufmerksam geworden sind und welche Hilfsmittel zur Orientierung sie unterwegs nutzen.

Was sind die auffälligsten Ergebnisse im Landkreis?
Auffällig ist zum Beispiel, dass 67,7 Prozent der im Landkreis befragten Radreisenden mit der Bahn anreisen.

Was leiten Sie daraus ab?
Das zeigt, wie wichtig eine durchgehende Bahnverbindung von Cottbus nach Berlin und umgekehrt ist. Durch die aktuellen Bauarbeiten der Bahn ist das nicht gegeben. Das heißt, es ist zu befürchten, dass Radreisende, die unsere Region per Bahn ansteuern wollen, ausgebremst werden. Im Schienenersatzverkehr gibt es erfahrungsgemäß wenig Platz für Fahrräder und der während der Bauarbeiten aller zwei Stunden durchgehende Zug hält nicht im Spreewald. Wir werden sehen, wie sich das auswirkt, denn wir haben gerade mit der Radfahrerbefragung 2010 begonnen.

Lassen die Daten der Sison 2009 bereits Rückschlüsse für die Tourismusbranche und die Landkreise zu?
Auf jeden Fall. Positiv ist, dass 36,5 Prozent der befragten Radtouristen, auf Empfehlung zu uns kommen. Das ist ein Zeichen dafür, dass sich die Gäste bei uns wohl fühlen. 29,7 Prozent sind durch Internetrecherchen auf die Radregion aufmerksam geworden. Das heißt, unser Bemühen, die Internetseiten zum Radwandern im Spree-Neiße-Kreis und bei den Tourismusverbänden immer auf dem neuesten Stand zu halten, fruchten. Spannend wird es, wenn man sich anschaut, wie viele Kilometer Übernachtungsgäste per Rad zurücklegen.

Inwiefern?
Sie kommen im Durchschnitt pro Tag auf 71,1 Kilometer. Das heißt, wir müssen aufpassen, dass sie den Spree-Neiße-Kreis nicht nur auf einen Ritt durchqueren und sie mit geschickter Werbung vom Rad holen.

Was heißt das konkret?
Wir wissen zum Beispiel, dass der Oder-Neiße-Radweg am stärksten befahren wird. Er führt in unserem Landkreis durch den Geopark Muskauer Faltenbogen, dann am Forster Rosengarten vorbei, an Grießen und Guben/Gubin. Jede Station hat etwas zu bieten, was Radreisende interessiert, wie die Befragung zeigt. Dafür gilt es verstärkt zu werben.

Was suchen denn Radfahrer entlang der Strecke?
82,2 Prozent der Radler besuchen historische Orte. Das sind nicht nur Städte oder Stadtkerne, sondern auch technische Denkmäler, Parks und Schlösser. 31 Prozent der Radtouristen besuchen Museen und Ausstellungen, 22,9 Prozent Konzerte und Kulturveranstaltungen, 22,4 Prozent gehen gerne baden und schwimmen.

Mit Michaela Birkner

sprach Beate Möschl

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Erstellt am: 31. Mai 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 31. Mai 2010, 07:46 Uhr
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