Hilfe für pflegende Angehörige wird in einem Netzwerk von ehrenamtlichen Helfern und Profis organisiert. Joachim Groß, Marit Weber, Silvia Dietrich und Rita Lis (v.l.) gehören dazu. Foto: Böttcher Foto: Böttcher
Wenn der Arbeitsalltag immer wieder von den Gedanken an den nahen Angehörigen begleitet wird, der hilfebedürftig ist, kann das zur großen Belastung werden. Berufstätige und Arbeitgeber sind gleichermaßen betroffen. Den pflegenden Angehörigen Entlastung zu verschaffen und damit beiden Seiten nützlich zu sein, haben sich die Partner im Projekt „Jobcare“ zum Ziel gesetzt. Die Entwicklungsgesellschaft Energiepark Lausitz GmbH (EEpL) und das Ärztenetzwerk Südbrandenburg haben ein gemeinsames Handlungsfeld erkannt und mit der Förderung durch das Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie den notwendigen Rückenwind erhalten. Mittlerweile acht Unternehmen der Metallbranche haben Interesse an der Unterstützung gefunden, mit sechs von ihnen gibt es eine Kooperationsvereinbarung, weiß EEpL-Geschäftsführer Marco Bünger zu berichten. Damit die Idee in der Praxis aufgeht, koordiniert Marit Weber vom Servicezentrum Gesundheit Südbrandenburg die Unterstützung. Sie kann dabei auf eine Gruppe von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern bauen, für die wiederum Silvia Dietrich beim Horizont-Sozialwerk für Integration den Hut aufhat. Joachim Groß, ehrenamtlicher Bürgermeister von Prösen und Vorsitzender des Sozialverbandes Deutschland e.V. Elbe-Elster-Lausitz (SoVD) ist einer der Ehrenamtlichen. Ausgestattet mit einem Helfersyndrom, wie er seine Motivation selbst benennt, betreut er gegenwärtig einen an Demenz Erkrankten und stellt erfreut fest: „Es macht richtig Spaß zu sehen, wie die ganze Familie lockerer geworden ist.“ Oft sei die Erkenntnis der Angehörigen, dass sie die Betreuung allein nicht mehr bewältigen können, der entscheidende Schritt. Es sei auch eine gewisse Schwelle zu überqueren, einen Fremden in die Familie zu lassen, fügt Rita Lis hinzu. Auch sie gehört zum Kreis der ehrenamtlichen Helfer um Silvia Dietrich. Alle haben sie sich in Schulungen der Alzheimer-Gesellschaft für ihren Dienst fit gemacht.

Wie das „Jobcare“-Projekt mit Leben erfüllt wird, erklärt Marit Weber, selbst gelernte Krankenschwester, so: In engem Kontakt mit den Hausärzten und den pflegenden Angehörigen wird zunächst der Hilfe-Bedarf ermittelt. Dem folgt ein Plan, wie in jedem Einzelfall am besten geholfen werden kann. „Wir nehmen den Angehörigen dann den ganzen organisatorischen Ballast ab“, so Marit Weber. Damit verschaffe man ihnen Zeit, die besonders Menschen, die berufstätig sind, zur eigenen Entspannung wichtig ist. Von der Organisation der Arztbesuche über die Pflegedienste bis hin zum Essen auf Rädern reiche die Palette. An die Adresse der Unternehmen geht das verlockenden Versprechen: „Ihr Mitarbeiter steht trotz der Pflege eines Familienmitglieds dauerhaft zur Verfügung.“

Einen weiteren Schritt zur Entlastung pflegender Angehöriger will Silvia Dietrich ab April mit einem weiteren Angebot gehen. Zweimal wöchentlich soll es für an Demenz Erkrankte die Möglichkeit geben, sich in einer Gruppe zu treffen und eine Zeit miteinander zu verbringen. Auch das würde Angehörigen Gelegenheit verschaffen, eigenen Erledigungen nachzugehen. „Wir haben da in Bad Liebenwerda schon einen sehr guten Raum gefunden“, blickt Silvia Dietrich nach vorn.

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Zum ThemaIm Projekt „Jobcare“ der EEpL GmbH und des Ärztenetzwerkes Südbrandenburg sind gegenwärtig acht Unternehmen einbezogen. Kooperationsvereinbarungen gibt es mit den Firmen Itec Elsterwerda, Salzgitter Zeithain, Siag Finsterwalde, IWUP Doberlug-Kirchhain, HQM Tröbitz, Tyroller Herzberg. Es laufen Gespräche mit der IG Metall und Unternehmen über Betriebsvereinbarungen.Das Projekt ist eines von fünf Brandenburger Modellprojekten in der Innopunkt-Initiative „Beruf, Familie, Pflegen. Neue Vereinbarkeitslösungen für Brandenburg“. Ein zweites Modellprojekt wird von der Niederlausitzer Kreishandwerkerschaft mit dem Titel „Netzwerk Pflege und Beruf“ umgesetzt.Kontakte: Helferinnenkreis „Lebensfreude“ im Horizont-Sozialwerk: Telefon 035341 472005, 0152 26667519.Servicezentrum Gesundheit Südbrandenburg GmbH: Telefon 03533 489363.