06. Januar 2011, 00:00 Uhr

Schutz für geologische Rarität

Bergbausanierer LMBV sichert gewachsene Böschung am Tagebaurestloch bei Klinge

Klinge. Am Klinger Restloch wird auf Hochtouren gearbeitet. Fuhre um Fuhre liefern schwere Lastwagen tonnenweise Gestein an, mit dem die Böschung in der Nähe der Ortslage Klinge gesichert wird.

Der Böschungsbeobachter steht auf seinem Posten im eisigen Wind. Gegen kalte Füße helfen Heizakkus in den Stiefeln. Ständig hat er das gegenüberliegende Ufer des Restlochs im Blick. Dort kann es jederzeit zu Rutschungen kommen. Derartige Böschungsabbrüche können zur Bildung von Schwallwellen führen, die auf das gegenüberliegende Ufer zulaufen. Die Böschungsbeobachter haben die Aufgabe, das hier tätige Personal rechtzeitig vor diesen Flutwellen zu warnen. Als zusätzliche Sicherung ist vorgeschrieben, dass die Fahrer der Kipper, die das Befestigungsmaterial am Fuß der Böschung abladen, Schwimmwesten tragen müssen. Für die Arbeitsgeräte sind eine Tonnagegrenze und Mindestabstände zur Böschung vorgeschrieben. Für die Zeit der Bauarbeiten wurde das Areal am Südufer für die Bevölkerung zum Sperrgebiet erklärt.

Gefährliche Flutwellen

Diese Wellen können aber nicht nur den Menschen vor Ort gefährlich werden. Sie bedrohen auch den Steilhang am Südrand des Restlochs. Sie sind eine der Ursachen für die Böschungssicherung. »Der schnell ansteigende Wasserspiegel des Sees und wiederholte Schwallwellen könnten dazu führen, dass die Böschung am Südufer von oben nachbricht«, erklärt Uwe Eppinger, Baufachbereichsleiter in Döbern-Land. Die Angst vor einer Fließrutschung wie in Nachterstedt stehe nicht hinter den Sicherungsarbeiten. »Beim Südufer handelt es sich um gewachsenen Boden. Die Häuser in Klinge sind sicher«, betont Eppinger.

Vielmehr gelte es, eine geologische Formation mit Seltenheitswert zu erhalten. »Am Südufer bei Klinge wurden die Überreste eines geozeitlichen Sees entdeckt. An den erhaltenen Erdschichten lässt sich nachvollziehen, wie in Tausenden von Jahren Brennstoff entsteht«, erklärt Uwe Eppinger. Teile dieses Urzeitsees seien in der Ausstellung im Freilichtmuseum in Klinge zu sehen.

110 000 Tonnen Gestein

Aus Basaltbrocken und Grauwacke lässt die Lausitzer- und Mitteldeutsche Bergbau- Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) einen massiven Schutzgürtel für die Böschung und auch für den an der Tagebaukante verlaufenden Radweg aufschütten. »Die Böschung wird auf einer Länge von rund 300 Metern gesichert. Insgesamt werden dabei etwa 110 000 Tonnen Gestein eingebaut«, informiert LMBV-Sprecher Volker Krause. Bis zu 120 Lastwagen rollen seit Anfang Dezember an jedem Werktag zum Klinger Restloch, um das Befestigungsmaterial heranzukarren. Vom oberen Böschungsrand wird es über ein langes Förderband verteilt.

Am Fuß des Steilhangs schütten Kipper einen vorgelagerten Schutzwall auf. »Die Arbeiten sind derzeit zu etwa 60 Prozent abgeschlossen. Die winterlichen Verhältnisse beeinträchtigen die Arbeit vor Ort nicht wesentlich«, sagt LMBV-Mitarbeiter Krause.

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Zum ThemaRestlochsee KlingeMit der Flutung des Tagebaurestlochs bei Klinge wurde 1996 begonnen. Laut LMBV soll der endgültige Wasserstand von 71,5 Metern Normalhöhenull (NHN) bis zum Jahr 2021 erreicht sein. Derzeit steht das Wasser auf 42,9 Metern (NHN). Weitere Infos zum Klinger See und den geozeitlichen Funden gibt es im Internet unter www.klinger-see.org.
Kipper bringen Nachschub.
Über ein langes Förderband wird Gestein zur Befestigung auf die Böschung gekippt.
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Erstellt am: 06. Januar 2011, 00:00 Uhr
Geändert am: 06. Januar 2011, 02:35 Uhr
Autor: Von Nicole Nocon

Von Nicole Nocon

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