Cottbus
In matten Farben leuchten 15 Bildschirme in der „Fürst Pückler Lichtlounge“. Dieses und andere Werke präsentiert Lichtkünstler Jörn Hanitzsch am Samstag im Rahmen der „Chillout Nacht“.
Künstler Jörn Hanitzsch und sein Werk „Bleikristallsterne“.
»Pückler war auch so ein bisschen abgefahren, genau wie ich«, sagt Jörn Hanitzsch und grinst. Daher hat der Lichtkünstler die geschichtsträchtige Figur zum Gegenstand eines neuen Kunstprojekts gemacht. Gemeinsam mit der Pücklerspezialistin Arielle Kohlschmidt, die Symbole und Zitate des vor 139 Jahren verstorbenen Fürsten aussuchte, erstellte Hanitzsch in seiner Galerie eine Lichtinstallation aus 15 Flachbildschirmen. Positive Emotionen wecken»Ich mache keine hohe Kunst, aber ich schaffe es in kurzer Zeit, Leuten positive Emotionen abzugewinnen«, erklärt der 40-Jährige seinen Arbeitsansatz. Auf 700 Quadratmetern in der Spremberger Straße können Besucher mit Taschenlampen auf lichtempfindliche Leinwände malen, durch einen Märchenwald aus exotisch leuchtenden Bäumen wandeln oder sich im Liegestuhl von überdimensionierten Augen betrachten lassen, die ausschauen wie Weintrauben.
»Traube deinen Augen nicht«, hat der Künstler das Werk passend genannt. Bei der Frage, was genau er beruflich macht und welchem Stil er folgt, will der dreifache Vater sich nicht festlegen. »Ich passe in keine Schublade«, erklärt er. »Ich will einfach dem Spirit der Zeit folgen.« Entsprechend vielfältig sind die Arbeiten in der Galerie. Hanitzsch setzt nach eigenen Angaben »vieles, was aus der Kindheit hängen geblieben ist, in Kunst um«. So erinnert er sich, dass vor gut 20 Jahren »grässliche Fliegenvorhänge aus Plastik« vielerorts vor den Türen hingen. Mit solch einem Vorhang, vier Meter hoch und acht Meter breit, will der Künstler am Samstag die Cottbuser Fußgängerzone blickdicht machen. Vom Altmarkt aus sollen Passanten auf einem roten Teppich Richtung Vorhang spazieren und sich, so Hanitzsch, beim Tritt durch den Vorhang feiern lassen.
»Wir sind doch alle Germany's next Topmodel oder Deutschlands nächster Superstar«, sagt der Künstler ironisch. »Das nehmen wir am Wochenende auf die Schippe.« Eine U-Bahn in der SpremDen Aktionstag begleiten Klangcollagen von Jan Hufenbach aus Berlin. Hanitzsch bezeichnet sie als »eine Zeitreise von Alltagsgeräuschen und Illusionsklängen«. Da könne es vorkommen, dass Passanten aufgrund der eingespielten Geräusche glaubten, gleich bräche eine U-Bahn durch die nächste Gebäudewand.Am Samstagabend wollen die Künstler Comics für Erwachsene auf den Vorhang in der Fußgängerzone projizieren. In der Galerie selbst wird Hanitzsch die »Fürst Pückler Lichtlounge« eröffnen. Der Künstler präsentiert auf drei Etagen 80 weitere Lichtskulpturen. Er lächelt verzückt und sagt: »Man kann sich durch das Licht auch ohne Drogen voll wegknallen hier drin.«
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Erstellt am: 30. Juli 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 30. Juli 2010, 02:31 Uhr
Autor: Anna Müller-Heidelberg
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