30. Juni 2010, 00:00 Uhr

Bergschäden verunsichern Welzower

Sachverständiger Peter Immekus über Entstehung und Folgen

Welzow Viele Welzower vermissen die Unterstützung der Stadtverwaltung beim Umgang mit Bergschäden. Die Gebäudeschäden seien im Ort unübersehbar, doch kümmere sich von der Verwaltung kaum jemand um die Sorgen und Ängste der betroffenen Bürger.

Das war der Grundtenor einer Einwohnerversammlung, zu der das Bürgerforum Stadtumbau Welzow (BFSW) ins Kulturhaus eingeladen hatte.

Als Referent trat Peter Immekus, Markscheider und Sachverständiger für Bergbau und Bergschäden, auf. Der 50-Jährige stammt aus dem Rheinland und war zwischen 1992 und dem Jahr 1998 bei der damaligen Laubag als Markscheider tätig.

Heute ist Immekus Inhaber eines »Kompetenzzentrums Bergschäden« in Bergheim bei Köln. Seine Erfahrungen sind dort inzwischen besonders gefragt.

Der Experte klärte die ungefähr 100 Anwesenden über die Entstehung, die Erkennung und den Umgang mit Bergschäden auf. Demnach spiele stets das vom Bergbau abgesenkte Grundwasser eine entscheidende Rolle, sagte Immekus. Dadurch komme es zu Sackungen des Bodens und damit zu Gebäuderissen. Diese würden immer im Keller beginnen und sich in die oberen Etagen fortsetzen. Selbst in Orten, die mehrere Kilometer vom Tagebau entfernt liegen, gebe es dieses Phänomen.

Immekus stellte fest, dass bislang kaum ein Welzower wisse, wohin er sich im Verdachtsfall wenden müsse. Der Sachverständige empfahl, einen formlosen Antrag an den Bergbaukonzern Vattenfall Europe zu stellen. Falls dieser negativ beschieden werde, bestünde die Möglichkeit, einen Gutachter heranzuziehen.

Laut Immekus reguliert Vattenfall zwar Schäden, erkennt sie aber nicht immer als Bergbauschäden an.

Wer durch Welzow läuft, finde in zahlreichen Gebäuden entsprechende Schäden. »Ich kann in meinem Haus die Risse nicht mehr sehen. Deshalb habe ich eine Dämmung eingebaut«, berichtete Karl Heinz Cewe, der mit seiner Frau in der Schillerstraße eine Pension betreibt, von seinen Erfahrungen.

Eine weitere Anwohnerin aus der Schillerstraße, die nicht namentlich genannt werden will, berichtete, dass sie wegen der Risse an Vattenfall herangetreten, aber »abgeschmettert« worden sei. Ein Mieter in der Beethovenstraße erzählte von Rissen unter den Fenstern, in den Treppenstufen, sogar in der Tapete.

Mehrere Bürger erklärten, in Bezug auf Bergschäden bislang im Stich gelassen zu werden.

Zusammenarbeit geplant

Experte Peter Immekus regte die Welzower an, sich mit Betroffenen in anderen Regionen Deutschlands, beispielsweise in seiner rheinischen Heimat, auszutauschen und ein Netzwerk ins Leben zu rufen. Er sagt: »Denn nur gemeinsam kann etwas bewegt werden.«

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Erstellt am: 30. Juni 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 30. Juni 2010, 02:35 Uhr
Autor: Torsten Richter

Torsten Richter

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