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Politik

Polizisten stürmen Neonazi-Klub in Lübben

Lübben. Ein Sondereinsatzkommando (SEK) hat in der Nacht zum Sonntag einen bekannten Treffpunkt von Rechtsradikalen in Lübben (Dahme-Spreewald) gestürmt. 119 Mitglieder der rechten Szene aus Brandenburg und Sachsen hatten sich laut Polizei in dem einschlägig bekannten Klub zu einem Konzert getroffen.
14.01.2008

Obwohl die Polizei Platzverweise aussprach, kamen 46 Rechtsradikale der Aufforderung der Beamten nicht nach und verbarrikadierten sich in den Räumen der früheren Brauerei. Spezialeinheiten des Landes griffen daraufhin hart durch.

Neonazi-Zentrum im Spreewald: Der "Bunker 88" ist eine bekannte Adresse.


Jens Quitschke (32) von der Lübbener Polizei: "Die Spezialeinheiten öffneten den Klub gewaltsam." Dann kam es zur handfesten Auseinandersetzung. Unter anderem "flogen noch volle Bierflaschen gegen die Beamten." Anschließend ging alles ganz schnell. Laut Quitschke lagen die restlichen Konzertteilnehmer nach kurzer Zeit gefesselt am Boden. 15 Personen kamen in Polizeigewahrsam, fünf Neonazis wurden verletzt. Quitschke: "Sie mussten medizinisch versorgt werden. Es gab Platz- und Risswunden."

Bis jetzt ist unklar, welche Band am Abend auf der Bühne stand. Laut Quitschke lief beim Eintreffen der Polizei nur noch Musik aus der Konserve. Für die Widerständler gibt es Anzeigen wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Zu einer weiteren Anzeige kam es wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Die 88 im Klubnamen "Bunker 88" ist ein bekannter Nazi-Code. Die Zahl steht für den jeweils achten Buchstaben im Alphabet und bedeutet nichts anderes als "Heil Hitler". Laut Lausitzer Aktionsbündnis (LAB) treffen sich im Bunker 88 Hunderte Personen, darunter auch Schüler aus Lübben. Der Klub gehört zu den wichtigsten Treffpunkten der regionalen Neonazi-Szene.

Der Stadt ist der Bunker 88 ein Dorn im Auge. Laut Insidern sei es jedoch schwierig, gegen den Inhaber des Klubs vorzugehen. Er vermietet demnach seine privaten Räume an Privatpersonen – für ihn ist das offenbar die einzige Einnahmequelle. Vor einem Jahr ging die Polizei bereits gegen eine ähnliche Veranstaltung im Bunker vor.


Jan Selmons/nm
 
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