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Politik

Nach Zug-Unfall in Schleife Ermittlung gegen Autofahrer

Schleife Paul D. steht kopfschüttelnd am Bahnübergang in Schleife (Landkreis Görlitz). Da, wo wenige Minuten zuvor ein Zug der Odeg sein Auto erfasst hat. Der 83-jährige Schleifer versteht die Welt nicht mehr. „Wie kann mir nur so etwas passieren?“ fragt er sich immer wieder.
09.02.2010
Glimpflich ging dieser Unfall zwischen Zug und Pkw am Sonntagabend in Schleife ab. Es wurde niemand verletzt. Foto: J. Rehle
Er habe doch erkennen müssen, dass es der Bahnübergang ist. Aber das hat er leider nicht. Gemeinsam mit seiner Frau (76) wollte er am Sonntag gegen 18.30 Uhr auf der Hoyerswerdaer Straße jemanden besuchen. In der Dunkelheit ist er aber an der Grundstückseinfahrt vorbeigefahren und suchte nun die nächstbeste Gelegenheit, um zu wenden. „In dem schummrigen Licht dachte ich, es ist die Straße, versuchte zu wenden, und dann steckte das Auto auch schon im Schneehaufen.“ Ihm sei himmelangst und bange geworden, denn alle Versuche, aus dem tief eingeschneiten Gleisbett am Übergang wieder herauszufahren, scheiterten. „Ich habe es mindestens zehn Minuten probiert und es einfach nicht geschafft.“ Seine Frau war längst aus dem Ford Mondeo gestiegen und versuchte, das Auto zu schieben. „Dann kamen drei Leute hinzu, ich weiß gar nicht, wer es war, aber wir haben es trotzdem nicht geschafft.“ In diesem Moment hat der 83-Jährige aus dem Pkw heraus den Zug gesehen, der vom Bahnhof Schleife immer näherkam. „Ich habe meinen Mann angebrüllt, dass er endlich rauskommen soll“, berichtet dessen Ehefrau, der das gerade Erlebte ins Gesicht geschrieben steht. Denn ihr Mann hatte erst in letzter Sekunde das Auto verlassen, und dann erfasste der Odeg-Zug auch schon den Ford, schleuderte ihn etwa zwanzig Meter weiter auf die andere Seite der Bahnstrecke in den tiefen Schnee.

Für Odeg-Eisenbahn-Betriebsleiter Jörg Kiehn steht fest: „Der Zusammenstoß war trotz sofort eingeleiteter Schnellbremsung nicht zu verhindern. Der Kollege im Zug hat alles richtig gemacht, aber wenn Stahl auf Stahl trifft, dann dauert es, bis so ein 40-Tonner steht.“

Die Odeg schätzt den Schaden an ihrem Schienenfahrzeug auf rund 20 000 Euro. Schürze und Seitenteile sind beschädigt und Erdungskabel abgerissen. „Der Zug ist jetzt in Görlitz in der Werkstatt und wird von einem Gutachter auf Herz und Nieren geprüft.“ Das Verhalten des Autofahrers bezeichnet Jörg Kiehn als „hochgradig leichtsinnig. Am Andreaskreuz besteht absolutes Halteverbot. Das muss man als Autofahrer wissen, egal, ob jung oder alt.“

Auf den 83-Jährigen wartet nun ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr. „Das muss die Bundespolizei von Amts wegen machen“, so Kiehn. Außerdem macht die Odeg die infolge des Unfalls entstandenen Kosten beim Verursacher geltend.

Paul D. hatte Glück im Unglück. „Gott sei Dank ist niemandem etwas passiert und der Zug nicht entgleist. Das wäre ja furchtbar gewesen“, sagt er an diesem bitterkalten Sonntagabend und zeigt auf den Zug, der mit rund 80 Fahrgästen besetzt ist. Eine von ihnen ist Michaela Heinze, die in Weißwasser zugestiegen ist und über Cottbus nach Doberlug-Kirchhain wollte. „Es gab einen kurzen Aufprall, aber nicht so stark, dass jemand vom Sitz gefallen ist“, berichtet die junge Frau auf dem Weg zum Bus, der die Reisende nun statt des Regionalzuges nach Cottbus bringen wird. Insgesamt hat die Odeg zwei Busse für den Schienenersatzverkehr zwischen Spremberg (Spree-Neiße) und Schleife eingesetzt.

„Um 20.58 Uhr war die Strecke wieder befahrbar“, so Jörg Kiehn. Gabi Nitsche
Gabi Nitsche
 
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Jüngste Kommentare
  • 11.02.2010 09:08
    von DbA07
    Pauli denk nach ...
    Es ist zwar ein wenig provokativ dargestellt, aber im Grunde hat „Nachdenker69“ voll kommen recht.
    Es ist doch allgemein bekannt, dass im Alter die Sinne mehr oder weniger stark nachlassen. ABER .. der eine hat mit 70 schon Probleme die Verkehrssituation einzuschätzen, der andere fährt noch mit 85 munter drauf los – ohne Probleme. Hier können nur Tauglichkeitstests helfen – das hat auch nichts mit Diskriminierung zu tun (siehe LKW-Führerschein). Der Appell an jeden selber scheitert doch an der Person an sich. Ich glaube es fällt jedem sehr schwer seine eigene Verkehrsgefährdung (oder –unfähigkeit) so einzuschätzen, dass man freiwillig den Führerschein abgibt.
    Was die ach so deutlichen Statistiken angeht: Die jungen Fahrer ÜBERSCHÄTZEN sich, und die älteren Fahrer sind ÜBERFORDERT. Das kann man im täglichen Verkehr sehr gut beobachten. Ausnahmen bestätigen die Regel. Antworten
  • 10.02.2010 20:10
    von unbekannt
    Nachdenker69...........Nachdenker?
    Ihre Forderung ist sowohl lebensfremd als auch diskrimnierend. Suchen Sie mal die Struktur der Unfallverursacher in der Bundesverkehrsstatistik auf. Zwischen den "Jungschen" und den "Alten" gibt es zwei signifikante Unterschiede:
    1. die Zahl der Unfallverursacher bezogen auf die Zahl der Verkehrsteilnehmer
    ( eindeutig zu Gunsten der "Alten") und
    2. die charakterlichen Strukturunterschiede und deren Unfalleinwirkung selbst.

    Antworten
  • 11.02.2010 07:14
    von Oldy
    Statistik sagt gar nichts aus
    @Paulinche wie sagte ein berühmter englischer Politiker: Traue nur Statistiken.... Antworten
  • 10.02.2010 19:52
    von unbekannt
    Zugunfall am Bahnuebergang
    Wenn der Unfallverursacher "die Welt nicht mehr versteht", das ist noch keine Unfallursache ! Aber wenn er den Zusammenhang von StVO und Verkehrssituation nicht mehr erkennen kann, dann ist aus eigenem Interesse N a c h h i l f e dringend noetig.Er sollte sich schnellstens eine StVO kaufen und sein Wissen auf Vordermann bringen. Immerhin ist 83 Jahre ein Alter, wo man routinehaftes Verhalten nicht an sich selbst dulden sollte. Antworten
  • 10.02.2010 10:05
    von Nachdenker69
    Zeitbomben auf Rädern
    Und immer wieder das Gleiche!

    Autofahrer ab 65 einmal im Jahr zum Tauglichkeitstest, damit diese fahrenden Zeitbomben endlich von den Straßen verschwinden! Antworten
  • 09.02.2010 10:08
    von suppenkasper
    Führerschein abgeben
    Wer1. Einheimischer ist, 2. als Einheimischer einen Bahnübergang trotz Beleuchtung nicht mehr kennt, 3. Schneehaufen nicht sieht, der sollte sich eintweder untersuchen lassen oder aber den Fürerschein auf Grund von Allgemeingefählichkeit freiwillig abgeben. Antworten
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