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Politik

«Studienbeiträge werden sich durchsetzen»

Katherina Reiche (CDU) ist Vizevorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Erst kürzlich forderte die Politikerin aus Potsdam die Einführung von Studiengebühren.

27.09.2006
«Studienbeiträge werden sich durchsetzen»
Katherina Reiche: Unis sind chronisch unterfinanziert.
Foto: mb

Frau Reiche, warum sollte Brandenburg Studiengebühren einführen«
Ich spreche lieber von Studienbeiträgen. Denn es ist sinnvoll, zu einem Studium, das den Staat viel Geld kostet, einen Beitrag zu leisten. In Deutschland sind die Universitäten chronisch unterfinanziert. Die Öffnungzeiten von Bibliotheken sind oft zu kurz, Seminare sind überfüllt und auf Praktika muss man lange warten. Das belastet die Studierenden. Wenn Studienbeiträge erhoben werden, müssen diese sozial verträglich sein, den Universitäten zugutekommen und für die Lehre eingesetzt werden. Nur dann bemerkt der Student tatsächlich einen Vorteil.

Was heißt sozial verträglich»
Mir schwebt ein Modell der nachlaufenden Beiträge vor. Wenn der Absolvent das Studium erfolgreich abgeschlossen hat, zahlt er eine bestimmte Summe an die Hochschule zurück. Für die Abwicklung kommt ein Kredit infrage. Hat der Absolvent einen Arbeitsplatz und seine finanzielle Situation ist abgesichert, zahlt er das Geld zurück. Dabei kann man die familiäre Situation berücksichtigen. Jemand mit Kindern zahlt weniger oder langsamer zurück. Maximal 500 Euro pro Semester sind derzeit im Gespräch.

Würden Studierende aus einkommensschwachen Schichten dadurch abgeschreckt«
Das glaube ich nicht. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet seit diesem Jahr Studienkredite an. Dort bekommen Studierende, ohne dass die Bonität geprüft wird, einen äußerst zinsgünstigen Kredit für den Lebensunterhalt, aber eben auch für Studienbeiträge. Die KfW berichtet, dass der Ansturm auf dieses Programm äußerst groß ist und gerade nicht nur aus wohlhabenden Familien, die es eigentlich gar nicht nötig haben. Sondern gerade aus solchen, die die finanzielle Last nicht allein tragen können – da die Konditionen der KfW günstig sind.

Ist die Belastung für Absolventen, die mit Schulden in den Beruf starten, nicht sehr hoch»
Diejenigen, die aus einkommensschwachen Familien kommen, erhalten jetzt schon staatliche Unterstützung mit Bafög. Und Bafög muss mindestens zur Hälfte zurückgezahlt werden. Also auch hier gibt doch der Staat schon einen Kredit. Selbst in schwierigen Zeiten ist ein erfolgreiches Hochschulstudium immer noch die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit. Und hier einen kleinen Beitrag zurückzuzahlen, finde ich in Ordnung.

Wer würde garantieren, dass das Geld nicht doch zum Stopfen von Haushaltslöchern verwendet wird«
Es muss gesetzlich garantiert sein, dass die Beiträge bei den Hochschulen bleiben. Auch ich wäre strikt dagegen, dass man Studienbeiträge einfordert, um Haushaltslöcher zu stopfen.

Zu welchem Zeitpunkt könnten Gebühren kommen»
Brandenburg könnte zunächst Erfahrungen bei der Einführung der Studienbeiträge in anderen Ländern bewerten und von den Erfahrungen dort lernen. Auf jeden Fall sollten wir mit den Vorbereitungen nicht zu lange warten.

Auf lange Sicht – für wie wahrscheinlich halten Sie die Einführung von Studienbeiträgen in Brandenburg?
Ich denke, Studienbeiträge werden sich in ganz Deutschland durchsetzen.

   Mit KATHERINA REICHE
sprach Christina Dirlich
mb
 
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