Wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Geldpolitik wie Unabhängigkeit und Stabilitätsorientierung habe die Bundesbank mit in die Eurozone eingebracht. Der Bundesbankpräsident ist ebenso wie die Notenbankpräsidenten der übrigen Mitgliedsländer des Euroraums im EZB-Rat vertreten und bestimmt so auch über die Zinspolitik mit.
"Die Verdienste der Deutschen Bundesbank sind eng mit der Deutschen Mark verbunden", sagt Weber. Die D-Mark sei eine ausgesprochen stabile Währung gewesen und dies sei zum Großteil ein Verdienst der Bundesbank.
Dank ihrer Unabhängigkeit und Unterstützung aus der Bevölkerung habe die Bundesbank politischen Forderungen nach niedrigen Zinsen stets widerstehen können. "In den vergangenen acht Jahren haben wir dann an der Erfolgsgeschichte des Euro mitgeschrieben", betont Weber.
Die Bevölkerung hat nach Worten Webers eine positive Meinung über die Bundesbank. Nach einer nicht öffentlichen Umfrage aus dem vergangenen Jahr gäben 53 Prozent der Bundesbürger der Bundesbank gute bis sehr gute Noten. "Nur eine einzige vergleichbare deutsche Institution, das Bundesverfassungsgericht, schneidet hier besser ab." Die Bevölkerung beschreibe die Bundesbank als seriös, zuverlässig, kompetent und verantwortungsbewusst.
Die Bundesbank ist laut Weber auch nach dem Übergang zum Eurosystem mit vielen wichtigen Aufgaben betraut. Dabei gehe es keineswegs nur um die volkswirtschaftliche Forschung. "Die Bundesbank darf man nicht auf eine forschende Institution reduzieren, sie hat weiterhin wichtige operative Aufgaben", erklärt Weber. Sie sei dafür verantwortlich, Risiken für die Finanz- und Währungssystemstabilität frühzeitig zu erkennen. Gemeinsam mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) überwacht sie das Bankensystem. "Über die elektronischen Zahlungssysteme der Bundesbank sind im vergangenen Jahr 165 Billionen Euro abgewickelt worden", so Weber. Auch sei sie weiterhin für die Bargeldversorgung in Deutschland zuständig. Diese Aufgaben werde die Bundesbank auch künftig in einem dezentral organisierten Eurosystem wahrnehmen.
Weber betont zudem die Bedeutung von Gold- und Devisenreserven für eine Notenbank. Diese hätten auch zu Eurozeiten eine vertrauens- und stabilitätssichernde Funktion. Die Goldreserven seien eine wichtige Alternative zu den Devisenreserven. Dadurch habe eine Notenbank die Fähigkeit, an den Finanzmärkten Kurse zu glätten. Zudem seien die Devisenreserven des Eurosystems im Vergleich zu anderen Notenbanken eher gering. "So verfügt China mittlerweile über Währungsreserven von umgerechnet fast einer Billion Euro, während es bei der Bundesbank lediglich 88 Milliarden Euro und im gesamten Eurosystem 323 Milliarden Euro sind", sagt Weber. "Wer die unveränderte Bedeutung von Währungsreserven hinterfragt, sollte sich einmal mit meinem chinesischen Kollegen unterhalten." (dpa/sm)