08. Februar 2012, 00:00 Uhr

Wirtschaft brummt wie nie in Berlin und Brandenburg

Konjunkturumfrage: 92 Prozent der Unternehmen sind zufrieden

Berlin Ungeachtet aller Debatten über eine Euro-Krise macht die große Mehrzahl der Brandenburger und Berliner Unternehmen glänzende Geschäfte. Der Wirtschaftsmotor brummt „besser als je zuvor“, wie die Industrie- und Handelskammern von Cottbus, Potsdam, Frankfurt (Oder) und Berlin am Dienstag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in der Hauptstadt feststellten.

In Südbrandenburg ist der Anteil der Unternehmen, die ihre aktuelle Geschäftslage als gut einstufen, mit 55 Prozent sogar besonders hoch. Für die Gesamtregion Berlin-Brandenburg liegt dieser Anteil bei 51 Prozent, im Einzugsbereich der drei Brandenburger Kammern zusammen bei 49 Prozent. Insgesamt stufen 92 Prozent von 1512 befragten Unternehmen ihre Lage als gut oder zumindest befriedigend ein.

Nach Einschätzung der IHK Cottbus ist die Stimmung bei ihren Mitgliedsfirmen „so gut wie in den letzten zehn Jahren nicht“. Dabei steht die Industrie, wo 61 Prozent der Unternehmen ihre Lage als gut beurteilen, deutlich besser da als das Baugewerbe (47 Prozent).

Aus dem Saldo von positiven und negativen Selbsteinschätzungen aus der Wirtschaft haben die Kammern für 2012 einen Konjunkturklimaindex von 123 Punkten errechnet. Dass der Rekordwert von 128 aus dem Jahr 2007 nicht übertroffen wird, liege einzig an den heute gedämpfteren Geschäftserwartungen, teilten die vier IHK mit.

Sorge um europäischen Zug

Nicht nur die Euro-Krise, auch die Entwicklung der Rohstoff- und Energiepreise bremse die Euphorie. „Während unser Nahverkehrsexpress auf Hochtouren braust, fährt der europäische Zug langsam“, sagte Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin. Die Unternehmen fragten sich: „Müssen wir den europäischen Zug ziehen? Werden die Reparaturen am griechischen, portugiesischen und italienischen Teil des europäischen Zuges rechtzeitig fertig? Wir machen bessere Geschäfte als je zuvor, wir sind in guter, aber wegen der Unsicherheiten in der europäischen Wirtschaftsentwicklung nicht in allerbester Stimmung.“

Wie die Umfrage ergab, stellen sich viele Unternehmen auf eine Abschwächung des Wachstums in Deutschland und auf rezessive Tendenzen auf den ausländischen Märkten ein. Trotzdem rechnen sowohl in Brandenburg als auch in der Gesamtregion 82 Prozent der Firmen nicht mit einer für sie ungünstigen Entwicklung. Neben der Industrie erweist sich vor allem das Dienstleistungsgewerbe als Impulsgeber des Wachstums. Im Handel erwarten zwei Drittel der Betriebe weiterhin gute Umsätze.

Deutliche Unterschiede gibt es im Baugewerbe. Während in Brandenburg nur vier Prozent der Baufirmen von einer positiven Geschäftsentwicklung überzeugt sind, dominiert in der Hauptstadt der Optimismus: Fast ein Drittel der Baubetriebe erwartet hier einen weiteren Anstieg der Bauleistungen. Berlin ist auch zunehmend ein wichtiges Betätigungsfeld von Lausitzer Bauunternehmen.

In keiner Weise bestätigt haben sich die Befürchtungen, die mit der seit dem 1. Mai 2011 geltenden EU-weiten Arbeitnehmerfreizügigkeit zusammenhängen. Nur fünf Prozent der Unternehmen haben in der Umfrage für sich eine negative Auswirkung festgestellt, doppelt so viele dagegen eine positive. Der übergroße Rest der Wirtschaft fühlt sich bislang von dem Thema überhaupt nicht betroffen. Ablehnende Meinungen kommen am ehesten aus der Bauwirtschaft, zustimmende besonders aus dem Dienstleistungsbereich. 57 Prozent der Unternehmen gaben an, derzeit kein Interesse an der Beschäftigung von Arbeitnehmern aus osteuropäischen Ländern zu haben. Wenn überhaupt, dann sei die Nachfrage in Berlin höher als in Brandenburg, erklärten die Kammern.

Wie gering die Bedeutung eines Zulaufs aus Osteuropa ist, zeigt auch eine andere Zahl. 30 Prozent der Unternehmen hatten durchaus mit dem Gedanken gespielt, Jugendliche aus anderen EU-Ländern als Auszubildende aufzunehmen. Aber nur ein Prozent der Firmen hat das realisiert. Generell gehen die Kammern davon aus, dass allen Schulabgängern der Region die „ausbildungsfähig und -willig sind und die bei der Berufswahl Realismus an den Tag legen“, eine Lehrstelle angeboten werden kann.



Arbeitsmarkt profitiert

Die gute Wirtschaftslage beflügelt auch den Arbeitsmarkt. „Die Berlin-Brandenburger Wirtschaft will weiterhin zusätzliche Arbeitsplätze schaffen“, heißt es in einem Papier der Kammern. Absolute Zahlen werden nicht genannt. Immerhin gaben bei der Umfrage in Südbrandenburg 17 Prozent der Unternehmen an, dass sie 2012 ihr Personal aufstocken wollen. Zehn Prozent wollen Arbeitsplätze abbauen. In der gesamten Region Berlin-Brandenburg planen 22 Prozent der Firmen, ihre Belegschaften zu vergrößern, zwölf Prozent gehen von einer Verringerung ihrer Mitarbeiterzahl aus.

Bei den Investitionen zeigt sich vor allem die Berliner Wirtschaft stark. 26 Prozent ihrer Unternehmen haben eine Aufstockung ihrer Mittel für Produktionserweiterungen, Produktinnovationen und Ersatzbeschaffungen vorgesehen. Nur acht Prozent der Berliner Firmen wollen gar nicht investieren. An zweiter Stelle liegt Südbrandenburg, wo 21 Prozent der Unternehmen 2012 mehr und nur 13 Prozent überhaupt nicht investieren wollen, wie Jens Krause, Leiter des Geschäftsbereiches Standortpolitik der IHK Cottbus, berichtete. Es folgen die IHK-Regionen Potsdam (19:14) und Frankfurt (Oder) (17:12).

 

Zum Thema:

Zum ThemaDie sächsischen Industriebetriebe haben im Jahr 2011 in den ersten elf Monaten bereits mehr umgesetzt als im gesamten Vorjahr. Wie das Statistische Landesamt in Kamenz am Dienstag mitteilte, erwirtschafteten sie von Januar bis November 49,2 Milliarden Euro Umsatz und damit 1,6 Milliarden Euro mehr als im gesamten Jahr 2010. Auch im Bauhauptgewerbe wurde mit Stand vom November 2011 der Gesamtumsatz aus dem Jahr 2010 übertroffen. In beiden Bereichen stieg laut Statistik zudem die Zahl der Mitarbeiter: von Januar bis November 2011 um 6,3 (Industrie) und 2,5 Prozent (Bau) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. dpa/sm
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Erstellt am: 08. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 08. Februar 2012, 08:27 Uhr
Autor: Von Rolf Bartonek

Von Rolf Bartonek

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