Der 70-jährige Werner Mundt aus Schwedt-Kunow züchtet Weihnachtsbäume. Foto: Stache
Wer so lange Tannenbäume züchtet, darf sich zu denjenigen zählen, die in dieser Branche zu den „alten Hasen“ gehören. „Mit Weihnachtsbäumen ist nicht das schnelle Geld zu machen“, weiß Mundt aus Erfahrung. Bevor der erste Baum verkauft werden kann, vergehen viele Jahre. Auch das Risiko, dass es bei ungünstiger Witterung viele Ausfälle gibt, ist nicht unerheblich. Schlagen beispielsweise die „Eisheiligen“ zu, wenn die Bäume gerade treiben, bleibt dies nicht ohne Verluste.
Doch Werner Mundt hielt trotz aller Unwägbarkeiten durch, nachdem er 1990 mit dem Anbau von schmalen Weihnachtsbäumen begonnen hatte. Bis heute sind sie ein Verkaufsrenner. Damals war er einem Berater aus Osnabrück begegnet, der neuen Landeigentümern Aufbauhilfe gab. Werner Mundt hatte seinerzeit das LPG-Land seiner Eltern zurückbekommen und wusste nicht so recht, was er damit anfangen sollte. Da empfahl ihm der Berater, es mit kleinen Weihnachtsbäumen zu versuchen.
Der gelernte Ingenieur für landtechnische Instandhaltung, der zuletzt als Leiter des Agrochemischen Zentrums in Schwedt arbeitete und in der Wendezeit Baustoffe im Außendienst verkaufte, ließ sich von der Idee begeistern. Es leuchtete ihm ein, dass Leute in engen Wohnungen, von denen es im nahen Schwedt sehr viele gibt, kaum Platz für einen großen Weihnachtsbaum haben. Also startete er durch und begann mit rund 500 Bäumen vor seinem Haus.
Dabei setzte er vor allem auf die Nordmanntanne, die nach dem finnischen Biologen Alexander von Nordmann (1803 – 1866) benannt wurde und im westlichen Kaukasus sowie in der Nordosttürkei heimisch ist. „Vor knapp 100 Jahren“, erzählt Mundt, „hat es im Kaukasus einen gewaltigen Waldbrand gegeben, bei dem nur die größten und stärksten Nordmanntannen überlebten. Diese Bäume samten wieder aus. Durch die natürliche Auslese entstand eine besonders robuste Population.“ Mundt verwendet nur Setzlinge, die von Samen aus dem Kaukasus ausgetrieben wurden.
Als kleine dreijährige Setzlinge kauft er die künftigen Weihnachtsbäume und reiht sie auf einem sieben Hektar großen Gelände in Kunow, einem Ortsteil von Schwedt, aneinander. Sieben Jahre lang werden sie nun von ihm gepflegt. „Nach dem Pflanzen werden die 20 bis 25 Zentimeter großen Setzlinge zum ersten Mal beschnitten“, erzählt er. „Die beiden unteren der drei Kränze schneide ich ab, damit der Baum von unten genügend Luft bekommt und nicht fault.“ Außerdem lässt sich dadurch besser das Unkraut bekämpfen.
Werner Mundt setzt keine Pflanzenschutzmittel ein, sondern fährt mit seinem kleinen Traktor, an dem Krautschlegel befestigt sind, durch die Reihen und bekämpft das Unkraut mechanisch. Im Laufe der Jahre kommen nun weitere Baumschnitte, die Form- und Korrekturschnitte, hinzu. Mundt achtet darauf, dass die Bäume nicht zu sehr in die Breite wachsen, schneidet also neue Seitentriebe ab, schließlich sollen die Tannen für ihre weihnachtliche Bestimmung nicht in die Breite gehen. Aber auch ein zu schnelles Höhenwachstum ist dem schönen Äußeren nicht zuträglich. Deshalb ritzt Mundt die Haupttriebe an und bremst die Nährstoffversorgung. All diese Eingriffe sind zwar keine Neuerfindung des 70-Jährigen, kosten aber viel Zeit und Mühen. Nachahmer bleiben aus diesem Grunde eher selten.
Die Kunden kommen aus der Umgebung, aber auch aus Berlin und aus Mecklenburg-Vorpommern. In diesem Jahr kann Mundt mit einem ganz besonderen Pfund wuchern. Während Tannenbäume der Konkurrenz mit bis zu 20 Euro pro Meter rund zehn Prozent teuerer wurden, blieb er beim Meterpreis von 15 Euro. Und das schon seit seinem ersten verkauften Baum. „Das Geschäft ist besser angelaufen als in den vergangenen Jahren“, freut er sich.