Die aktuelle Geschäftslage der Firmen sei hervorragend. 50 Prozent der befragten 1856 Unternehmen aus Industrie, Baugewerbe, Handel, Dienstleistungen und Verkehr würden ihre Lage als gut bezeichnen. „Das ist ein neuer Höchststand in den Konjunkturumfragen der Industrie- und Handelskammern seit 1991“, hieß es. Die Produktionskapazitäten in der Industrie seien mit 83 Prozent sehr gut ausgelastet, die Umsätze im In- und Ausland zweistellig gewachsen.

Nach Angaben der IHK hatte das anhaltende Wirtschaftswachstum auch positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Von November 2010 bis November 2011 stieg die Zahl aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten um 1,9 Prozent auf 1,5 Millionen Arbeitnehmer. In der Industrie gab es im gleichen Zeitraum einen personellen Zuwachs von vier Prozent auf 300 000 Mitarbeiter – die höchste Beschäftigungsrate in der Industrie seit 1990. Bei der Arbeitsproduktivität hinkt Sachsen – trotz seiner Stellung als ostdeutscher Primus – dem Westen hinterher. 2011 lag das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner bei knapp 23 000 Euro, in Bayern waren es 35 300 Euro, in Nordrhein-Westfalen 30 400 Euro.

Trotz der Konjunktur sind die Erwartungen der Firmen in den kommenden Monaten aber verhalten. „Dass die Geschäftsprognosen unserer Betriebe für 2012 schlechter ausfallen als die aktuell hervorragende Geschäftslage hat ganz wesentlich mit den unbefriedigenden wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen zu tun, die zum Teil wie Damoklesschwerter über den Unternehmen schweben“, erklärte der Chemnitzer IHK-Chef Franz Voigt. Die größte Sorge würden die hohen Energie- und Kraftstoffpreise bereiten, die 55 Prozent der Befragten als Risikofaktor Nummer eins angaben. Auch die Binnennachfrage (44 Prozent) und Rohstoffpreise (38) werden argwöhnisch betrachtet.

Deshalb schlossen die Kammervertreter ihre Präsentation mit Forderungen ab: „Es ist zwingend erforderlich, den Unternehmen das Vertrauen in die Wirtschaftspolitik zurückzugeben, vor allem in ihre Stabilität und Berechenbarkeit“, betonte Voigt. Die Politik wurde aufgefordert, auf eine schnelle und dauerhafte Senkung der Energie-und Kraftstoffpreise einzuwirken. Zudem müsse es mehr Anstrengungen geben, um das Niveau der Schulabgänger zu verbessern und ausreichend Fachkräfte zu haben. Weitere Forderungen betrafen Bürokratieabbau sowie eine gute Vorbereitung auf die neue EU-Förderperiode.

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Zum ThemaDie EU-Kommission ist für die 17 Euro-Länder ziemlich pessimistisch. Sie rechnet damit, dass die Länder im laufenden Jahr in die Rezession abrutschen. Die EU-Behörde erwartet 2012 einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent, wie die Kommission am Donnerstag in Brüssel berichtete. Für die gesamte EU mit 27 Ländern sagt die EU-Kommission eine Stagnation voraus. Die Wirtschaftsleistung werde 2012 unverändert bleiben. Für Deutschland prognostiziert die EU-Kommission nur noch ein Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent. dpa/sm