Auslöser der Investition ist die deutlich steigende Nachfrage nach dem „Öl aus der Lausitz“, wie Vattenfall-Bergbauvorstand Dr. Hartmut Zeiß am Montag bei der Grundsteinlegung in Schwarze Pumpe sagte. Der Bedarf an Braunkohlenstaub habe sich seit 2007 beinahe verdoppelt. Bis zum Jahr 2013 werde ein fast dreimal so hoher Absatz erwartet wie 2007. Damals wurden führeren Vattenfall-Angaben zufolge circa 670 000 Tonnen Braunkohlenstaub abgesetzt. „Die derzeitige Staubproduktion liegt bei etwa 950 000 Tonnen pro Jahr, im Jahr 2013 wird der Bedarf bei 1,6 Millionen Tonnen liegen. Dem kann die Anlage, die 1998 am Standort in Betrieb ging, nicht mehr allein gerecht werden“, sagte Gerd Sieling, Leiter Veredlung bei Vattenfall Europe Mining.

Ersatz für Öl und Gas

Braunkohlenstaub sei ein hochkalorischer Brennstoff, den viele Abnehmer als Ersatz für teures Erdgas und Heizöl schätzen. „Wir versorgen mehr als 200 Kunden, Tendenz steigend.  Von Vielen wissen wir, dass sie Investitionen vorbereiten, das heißt, die Nachfrage wird weiter steigen.“ Der Bedarf für das von Vattenfall geplante Demo-Kraftwerk zur weitgehend CO-freien Braunkohleverstromung in Jänschwalde (Spree-Neiße) sei in der Prognose für die Jahresproduktion ab 2013 nicht eingerechnet, so Sieling auf Nachfrage. Vattenfall plant, möglichst schon 2014 das Demo-Kraftwerk mit einer Leistung von 375 Megawatt in Betrieb zu nehmen. Es soll mit Braunkohlenstaub befeuert werden.

Die von Vattenfall favorisierte CO-Abscheidetechnologie wird bereits erfolgreich in der 30-Megawatt-Pilotanlage am Vattenfall-Kraftwerk Schwarze Pumpe getestet. Im dortigen einzigen Braunkohlenveredlungsbetrieb Ostdeutschlands testet Vattenfall parallel dazu die druckaufgeladene Dampfwirbelschichttrocknung der Rohbraunkohle nach einem gemeinsam mit der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus entwickelten Verfahren.

Die Funktionsfähigkeit ist  nachgewiesen, 1500 Tonnen Braunkohle seien seit der Inbetriebnahme des Zehn-Tonnen-Pilottrockners im Herbst 2008 getrocknet worden, hatte Reinhardt Hassa, Vorstandsvorsitzender von Vattenfall Europe Mining & Generation, beim „3. Tag der Wissenschaft“ am vergangenen Donnerstag in Cottbus berichtet. In der zweiten Junihälfte soll demnach die nächste Versuchsreihe starten.

Die Stadt Spremberg und die ostsächsische Gemeinde Spreetal werden ihren Teil dazu beitragen, dass der auf der Landesgenze zwischen Sachsen und Brandenburg gelegene Industriepark weiter floriert und Beschäftigung sichert. Das kündigte Sprembergs Bürgermeister Klaus-Peter Schulze (CDU) am Montag an.

Geld für Infrastruktur

„Wir werden in den nächsten vier Jahren 100 Millionen Euro in die Infrastruktur investieren, um die Straßen- und Schienenanbindung sowie die Brauchwasserversorgung und Abwasserentsorgung im Industriepark zu verbessern“, sagte er.