Beim Online-Versandhaus Amazon gibt es seit Neuestem auch Lebensmittel. Foto: dpa Foto: dpa
Vertippen kann teuer werden im Online-Supermarkt: »Einmal wollte ich nur fünf Tomaten, und die haben mir fünf Kilo gebracht«, berichtete jüngst der Schauspieler Christian Ulmen. Zufrieden war Ulmen aber trotzdem: »Die bringen das Zeug direkt in die Küche.«

Doch bisher wird nur rund ein halbes Prozent der mehr als 150 Milliarden Euro, die der Lebensmittelhandel in Deutschland 2009 umsetzte, online erwirtschaftet, erklärt Olaf Ruik vom Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BLV). Seit Amazon Essen und Getränke im Sortiment hat, kommt Bewegung in die Branche.

Mit rund 35 000 Produkten ging Amazon Anfang Juli auf den Markt, inzwischen sind es schon etwa 60 000: Von Gemüse, Fleisch und Fisch über Backwaren bis hin zu Delikatessen. Neben einem eigenen Angebot haben 60 Partner-Unternehmen ihre Produkte ins Netz gestellt. »Das ist die größte Auswahl an Lebensmitteln, die es in Deutschland online gibt«, sagt Amazon-Manager Christian Bubenheim. In den ersten Wochen nach dem Start belegen Kaffee-Kapseln für Espresso-Maschinen und Müsli die vorderen Verkaufsränge.

Manches ist anders als im Supermarkt: Bananen legt man nicht stückweise in den virtuellen Einkaufswagen, sondern zu je 180 Gramm. Nur Bananen zu kaufen, lohnt sich allerdings kaum - denn der Portionspreis von 32 bis 45 Cent steht in keinem Verhältnis zu den Versandkosten von 7,90 Euro. Wie bei Büchern fallen die Versandkosten erst ab einem Gesamtpreis von 20 Euro weg. In Berlin und Frankfurt am Main liefert Amazon am selben Abend, sofern die Bestellung bis 11 Uhr eingegangen ist.

Experten sehen die Geschäftsaussichten für virtuelle Supermärkte kritisch: »Der Online-Anteil wird zwar steigen, aber es wird ein langer Prozess sein, bis wir da auf nennenswerte Umsatzanteile kommen«, sagt Verbandssprecher Ruik. Fast jeder habe in Deutschland einen Supermarkt um die Ecke. Das ist auch ein Grund dafür, weshalb sich Online-Supermärkte weltweit bislang nicht etablieren konnten, sagt Handelsexperte Matthias Queck. »Es hat noch keiner geschafft, einen Heimlieferdienst für frische Lebensmittel profitabel auf die Beine zu stellen.«

Die Konkurrenz von Amazons Online-Lebensmittelhandel gibt sich gelassen. »Wir beobachten das«, sagt ein Sprecher der Edeka-Gruppe. Einzelne Regionalgesellschaften des größten deutschen Lebensmittelhändlers haben kleinere Online-Angebote, andere haben sich bewusst dagegen entschieden. Die Supermarkt-Kette Kaiser's Tengelmann bietet ihren Kunden in Berlin und München seit 1997 das Shoppen per Mausklick an. »Bisher ist das ganz gut gelaufen«, sagt Unternehmenssprecherin Christa Golly.

Wieder neu ins Geschäft einsteigen will Otto, nachdem der Versandhändler vor rund zehn Jahren schon einmal enttäuscht aufgegeben hatte.