27. Juli 2010, 00:00 Uhr

EU-Segen für neues CCS-Projekt

Millionen-Förderung für verändertes Konzept bei Demokraftwerk Jänschwalde

 Video Cottbus . Der Bau eines CCS-Versuchskraftwerks in Jänschwalde (Spree-Neiße) wird auch mit verändertem Konzept durch die EU gefördert. Brüssel hat einem entsprechenden Antrag von Vattenfall zugestimmt.

Anfang Juni hatte Vattenfall Europe seine geänderten Pläne für den Bau eines Versuchskraftwerkes mit Kohlendioxidabtrennung (CCS-Technik) öffentlich gemacht. Jetzt steht fest, dass auch für das neue Konzept 180 Millionen Euro Fördermittel der EU fließen werden. Das bestätigte Vattenfall-Vorstandsmitglied Hubertus Altmann: »Die EU hat einer von uns beantragten Vertragsänderung zugestimmt.«

Komplett neuer Block

Die Fördermittel waren ursprünglich für den Umbau eines der drei 500 Megawatt-Blöcke in Jänschwalde zugesagt worden. Dabei wäre jedoch nur ein neuer Kessel mit der Oxyfuel-Technik zur Kohlendioxid- (CO) Abtrennung an eine vorhandene Turbine und den Generator angeschlossen worden. In einem vorhandenen Kessel sollte das CO teilweise nachträglich aus dem Rauchgas gewaschen werden.

Nun wird diese Wäsche in der Kapazität verringert und der neue Oxyfuel-Kessel mit neuer Turbine und neuem Generator ausgestattet, sodass ein komplett neuer kleiner Kraftwerksblock mit 250 Megawatt Leistung entsteht. Die Investitionssumme von 1,2 Milliarden Euro insgesamt bleibt nach Angaben von Vattenfall dabei gleich. Doch der Wirkungsgrad der Anlage wird deutlich höher und damit der Ausstoß an CO pro erzeugter Kilowattstunde geringer.

Wirkungsgrad 36 Prozent

Die CCS-Technik führt zu einem Wirkungsgradverlust von rund zehn Prozent. Das Kraftwerk Jänschwalde, das noch zu DDR-Zeiten ans Netz ging, hat jedoch ohnehin einen relativ geringen Wirkungsgrad von 36 Prozent. Ein nachgerüsteter Block wäre dann bei etwa 28 Prozent Wirkungsgrad angekommen, eine für Vattenfall in der Öffentlichkeit kaum zu vermittelnde Zahl, denn schließlich will der Konzern mit CCS die Zukunftsfähigkeit der Braunkohleverstromung demonstrieren.

Mit dem komplett neuen Block wird nun mit CCS ein Wirkungsgrad von 36 Prozent erreicht. Die Vorbereitung der Baustelle für die Anlage hat kürzlich begonnen. 2015 soll sie in Betrieb gehen.

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Start der Anlage in 2015

Etwa drei Jahre später, so Hubertus Altmann, müsse dann die Entscheidung im Unternehmen für einen Kraftwerksneubau mit CCS-Technik in Jänschwalde fallen. Eine Nachrüstung der vorhandenen Blöcke sei sinnlos. »Wie groß ein neues CCS-Kraftwerk dann wird, ist jedoch noch völlig offen«, so Altmann.

Das vorhandene Kraftwerk Jänschwalde sei in 15 bis 20 Jahren technisch verschlissen. Ein Ersatzneubau benötige fünf bis acht Jahre Planungsvorlauf. Bei einer durchschnittlichen Laufzeit von 40 Jahren könnte ein neues Kraftwerk in Jänschwalde bis in die Jahre 2065 bis 2070 Strom produzieren.

Der Präsident des Umweltbundesamtes (UBA), Jochen Flasbarth, hatte vor wenigen Wochen vor solchen Entwicklungen gewarnt. Im Jahr 2050 soll Deutschland seiner Auffassung nach durch erneuerbare Energie versorgt werden, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Der Neubau von Kohlekraftwerken, deren Laufzeit deutlich darüber hinausreicht, könnte dann massive Probleme bringen, so Flasbarth.

Zum Thema:
EU-Geld für Energieprojekte
Die Förderung des CCS-Demokraftwerkes in Jänschwalde ist Teil eines 1,5 Milliarden-Euro-Paketes für insgesamt 15 europäische CCS-Projekte und Windparks auf dem offenen Meer. Jänschwalde ist das einzige in Deutschland geförderte CCS-Projekt. Die dafür bewilligten 180 Millionen Euro der EU müssen innerhalb von zwei Jahren ausgegeben sein.
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Erstellt am: 27. Juli 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 09. September 2010, 16:40 Uhr
Autor: Von Simone Wendler

Von Simone Wendler

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