18. März 2005, 01:10 Uhr

Direktbanken bieten günstige Kredite

Lange Jahrzehnte war der Dispokredit untrennbar mit dem Girokonto verbunden. Doch mittlerweile bieten immer mehr Institute unter der Produktbezeichnung «Abrufkredit» oder «Rahmenkredit» Verbrauchern die Möglichkeit, ohne Eröffnung eines Girokontos einen flexiblen Kreditrahmen in Anspruch zu nehmen. Das kann Zinskosten sparen helfen.

Die Abruf- oder Rahmenkredite funktionieren praktisch wie ein ausgelagerter Dispokredit. Zunächst einmal muss das Kreditkonto eröffnet werden, die Kontoeröffnung wird per Post durchgeführt. Auf diesem Weg nimmt die Post auch die vom Gesetzgeber vorgeschriebene Identitätsprüfung vor: Die Kontounterlagen werden per Einschreiben zugesandt, und beim Erhalt muss der neue Kunde dem Postboten den Personalausweis vorlegen. Nach der Prüfung des Kreditantrags genehmigt die Bank einen bestimmten Kreditrahmen. Voraussetzung sind jedoch eine positive Schufa-Auskunft, ein geregeltes Einkommen und ein ausgewogenes Verhältnis von Vermögen und Verbindlichkeiten – wenn ein Kunde als riskant eingestuft wird, kann ein Kreditantrag auch einmal abgelehnt werden. Innerhalb der genehmigten Obergrenze kann dann der benötigte Kreditbetrag telefonisch oder per Internet abgerufen und aufs Girokonto überwiesen werden. Die Tilgung erfolgt per Dauerauftrag, flexible Extra-Rückzahlungen sind möglich. Zinsen werden nur für den Kreditbetrag berechnet, der in Anspruch genommen wird.

Vor allem Direktbanken sind aktiv
Im Segment der Abrufkredite liefern sich vor allem Direktbanken einen lebhaften Wettbewerb. In Anbetracht der marktüblichen Dispokreditzinsen von meist mehr als zehn Prozent lassen sich die Konditionen der breiten Masse deutlich unterbieten, ohne dass der Abrufkredit zum Verlustgeschäft wird. So verlangt beispielsweise die Finansbank (www.finansbank.de) 6,8 Prozent Effektivzins, bei der ING-DiBa (www.ing-diba.de) sind es 6,96 Prozent und bei der Volkswagen-Bank (www.volkswagenbank.de) 7,3 Prozent.
Der Konditionenvergleich lohnt sich immer dann, wenn zur kurzfristigen Überbrückung eines finanziellen Engpasses der Dispokredit auf dem Girokonto in Anspruch genommen werden soll – immerhin liegen günstige Anbieter oft unterhalb der Marke von sieben Prozent Zins.
«Wer sein Girokonto nicht ins Minus kommen lässt und stattdessen bei kurzfristigem Kreditbedarf einen Abrufkredit wählt, kann ordentlich Zinsen sparen, falls er diszipliniert seine Schulden tilgt» , sagt Thomas Bieler von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Vier Prozent Zinsersparnis bringen bei einem Kredit von 2500 Euro für ein halbes Jahr 50 Euro.

Finanzielle Selbstdisziplin nötig
Allerdings sollten Verbraucher beim Kreditvergleich auf den Effektivzins und nicht auf den Nominalzins achten. Der Unterschied: Im Effektivzins werden Bearbeitungsgebühren und die Auswirkungen der monatlichen Zinsabrechnung berücksichtigt, die beim Nominalzins außen vor bleiben. So verlangen beispielsweise die Deutsche Bank und die Augsburger Aktienbank auf jede Auszahlung Bearbeitungsgebühren zwischen einem und zwei Prozent. Vor allem bei kurzen Laufzeiten kann damit der Effektivzins deutlich höher sein als der Nominalzins. Der Schlüssel zum richtigen Umgang mit Abrufkrediten liegt in finanzieller Selbstdisziplin. Wer solche Kredite als Ergänzung zum bereits in den roten Zahlen stehenden Girokonto verwendet, kann schnell in die Schuldenfalle geraten. Zinskosten lassen sich nur einsparen, wenn bei laufenden Abrufkrediten konsequent auf den teureren Dispo der Hausbank verzichtet wird.
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Erstellt am: 18. März 2005, 01:10 Uhr
Geändert am: 08. August 2008, 22:25 Uhr
Autor: Von Thomas Hammer

Von Thomas Hammer

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