27. Mai 2011, 00:00 Uhr

Deutsche Bank sieht sich auf Kurs

Vorstandschef Ackermann will Früchte seiner Arbeit ernten / Spekulationen um Nachfolger

Frankfurt/Main Die Deutsche Bank steht in den USA am Pranger. In der Heimat gibt es fast täglich neue Spekulationen über den künftigen Chef. Josef Ackermann beirrt das alles nicht: Er will die Früchte seiner Arbeit ernten und trimmt Deutschlands größte Bank auf Rekord.

Die Deutsche Bank lässt sich durch Nachfolgedebatte und Klagewelle nicht von ihrem Kurs abbringen. Konzernchef Josef Ackermann betonte am Donnerstag jedoch: Kein Geschäft sei es wert, den „guten Ruf und die Glaubwürdigkeit der Bank aufs Spiel zu setzen“. Bei der Hauptversammlung in Frankfurt/Main räumte der Schweizer aber auch ein, in einem Konzern mit mehr als 100 000 Mitarbeitern weltweit sei ein Verstoß gegen die Prinzipien „nicht ein für allemal auszuschließen“.

Der Hintergrund ist, dass in den USA derzeit eine Klagewelle auf Deutschlands größtes Geldhaus zurollt. Die Staatsanwaltschaft Los Angeles beispielsweise wirft dem Kreditinstitut vor, gepfändete Häuser verwahrlosen zu lassen, die finanzschwachen Bewohner zu drangsalieren und widerrechtlich zu vertreiben. Ackermann betonte, die Bank werde sich „mit allen gebotenen Mitteln zur Wehr setzen“.

Bei der Suche nach einem Nachfolger für den im Mai 2013 ausscheidenden Vorstandschef sieht sich der Konzern nicht unter Zeitdruck. Der Aufsichtsrat verfolge „einen klar strukturierten Prozess“, sagte der Vorsitzende des Kontrollgremiums, Clemens Börsig. Ackermann sei „natürlich voll mit einbezogen“. Seit Wochen wird über mögliche Nachfolger Ackermanns spekuliert.

Die jüngsten Zukäufe zur Stärkung des Privatkundengeschäfts – Postbank, Sal. Oppenheim und Teile der ABN Amro – sollen sich in diesem Jahr bezahlt machen. „Wir erwarten, dass die Zukäufe, die wir während der Finanzkrise getätigt haben, in diesem Jahr einen positiven Beitrag für die Bank erbringen – teilweise sogar über die Erwartungen hinaus“, sagte Ackermann.

Der Postbank versicherte er: „Auch als Teil des Deutsche-Bank-Konzerns wird die Postbank beim Kunden die starke, eigenständige Marke bleiben, die sie schon immer war.“ Ackermann bekräftigte, nach erfolgreicher Integration der Postbank strebe die Bank im Geschäft mit Privat- und Firmenkunden (PBC) „mittelfristig Erträge von über zehn Milliarden Euro und einen Vorsteuergewinn von mehr als drei Milliarden Euro“ an.

Die Deutsche Bank hält knapp 52 Prozent der Postbank. Von der bisherigen Postbank-Mutter, der Deutschen Post, erhält die Deutsche Bank ab Februar 2012 weitere rund 40 Prozent.

Außer um die – lange eher stiefmütterlich behandelten - Privatkunden bemüht sich der Weltkonzern auch um die Frauen: Bisher gibt es bei der Großbank trotz aller Förderung von weiblichem Spitzenpersonal keine Frau ganz oben, im Vorstand und dem erweiterten Vorstand. „Wir sind uns bewusst, dass dies anders werden muss. Und es wird anders werden“, sagte Ackermann.

Auf Grundlage der mit der Bundesregierung vereinbarten Selbstverpflichtung für mehr Frauen im Top-Management werde sein Haus, gemeinsam mit den anderen Dax-Konzernen, Ende dieses Jahres konkrete Ziele bekannt geben.
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Erstellt am: 27. Mai 2011, 00:00 Uhr
Geändert am: 27. Mai 2011, 01:29 Uhr
Autor: dpa/sm

dpa/sm

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