Baugewerbe nutzt milden Winter
Niedrigste Januar-Arbeitslosenquote im Agenturbezirk Cottbus / Ostsachsen kämpft
Cottbus Der langfristig positive Trend auf dem Lausitzer Arbeitsmarkt setzt sich zu Beginn des Jahres fort: In den Agenturbezirken Cottbus und Bautzen sanken die Arbeitslosenquoten im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die bislang milde Witterung wirkte sich unterschiedlich auf das Baugewerbe in den Wintermonaten aus.
Direkte Auswirkungen hat die Situation im Baugewerbe. In Südbrandenburg beobachtet Agenturchef Müller Ungewöhnliches: „Im Baugewerbe planen die Betriebe schon für den Saisonstart. Die Agentur für Arbeit verzeichnet bereits gemeldete Stellen für Ausbau, Haupt- und Nebenbaugewerbe.“ Viele Firmen, sagt Müller, „wollen sich früh die guten Arbeitskräfte sichern“. Mit branchenübergreifend 906 neu gemeldeten Stellen seit Anfang des Jahres kann die Agentur auf ein Plus von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat verweisen.
Kurzarbeitergeld als Option
Auch im Agenturbezirk Ostsachsen fällt der Vorjahresvergleich positiv aus: Waren im Januar 2011 noch 41 344 Frauen und Mänenr arbeitslos gemeldet, so sind es aktuell 38 418.
Schaut man sich die Entwicklung seit Dezember 2011 an, wird deutlich, dass die Baubranche hier signifikant die Statistik beieinflusst. „Etwa ein Viertel aller 4400 Beschäftigten, die sich im östlichen Sachsen neu arbeitslos meldeten, kamen aus dem Hoch- und Tiefbau sowie dem Ausbaugewerbe“, erklärte Shirin Khabiri-Bohr, Leiterin der Agentur für Arbeit Bautzen. Die Arbeitslosigkeit, so die Agenturchefin, sei von Dezember auf Januar um 16,2 Prozent gestiegen.
Die schlechte Januar-Bilanz sei allerdings im Zusammenhang zu sehen: So hätten unter anderem Straßenbau-Firmen die Verträge mit ihren Mitarbeitern wegen der milden Witterung bis in den Dezember verlängert und so Aufträge abarbeiten können. Wo sich sonst die Arbeitslosmeldungen auf mehrere Monate verteilten, schlügen sich die Zahlen in diesem Jahr konzentriert in der Januar-Bilanz nieder. Zudem sind die Zahlen mit Vorbehalt zu sehen: „Die aktuellen SGB II-Zahlen im Landkreis Görlitz lassen sich in diesem Monat nicht genau ermitteln. Das hängt mit dem Übergang des ehemaligen Jobcenters Landkreis Görlitz-Nord zum Landkreis Görlitz zusammen“, so Shirin Khabiri-Bohr.
Werden im Baugewerbe zu Beginn der Wintersaison Arbeitskräfte häufig gekündigt, um sie ab März wieder einzustellen, zeigt sich derzeit im Agenturbezirk Cottbus ansatzweise eine Trendwende: „Die Firmen bekommen den Fachkräftemangel bereits zu spüren und wollen gute Mitarbeiter halten“, so Heinz-Wilhelm Müller. Für viele Firmen sei dabei das saisonale Kurzarbeitergeld eine Option, welches witterungsbedingte Arbeitsausfälle im Baugewerbe ausgleichen soll.
Erstmals von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht hat in diesem Jahr die Bachmann Schornsteinbau GmbH in Peitz (Spree-Neiße). Für drei Mitarbeiter hat Geschäftsführer Dirk Bachmann Kurzarbeitergeld angemeldet.
Qualifizierung im Winter
„Für mich war es ein Vorteil, dass ich meine Mitarbeiter in diesem Jahr flexibel einsetzen konnte, wenn die Witterung das Arbeiten erlaubt hat.“ Lediglich für vier Tage musste Bachmann das Kurzarbeitergeld bislang in Anspruch nehmen – in der restlichen Winterzeit konnte der Betrieb mit voller Belegschaft Aufträge ausführen. „Dass ich das Geld beantragt habe, sichert mich aber gegen Verluste ab, wenn jetzt eine lange Frostperiode kommen sollte“, so Bachmann. Über das Qualifizierungs-Kurzarbeitergeld bildet das Unternehmen in den Wintermonaten zwei seiner Mitarbeiter im Bereich Isolierung weiter. Je nach Größe des Betriebs übernimmt die Agentur für Arbeit bis zu 80 Prozent der Weiterbildungskosten.
Dennoch, so der Bautzener Agentursprechers Alexander Ulbricht, könnten noch viel mehr Firmen vom Saison-Kurzarbeitergeld Gebrauch machen. Arbeitsmarkt Ostsachsen: Im Agenturbezirk Bautzen waren im Januar insgesamt 38 418 Menschen arbeitslos registriert. Das sind 5352 Arbeitslose und damit 16,2 Prozent mehr als im Vormonat Dezember 2011. Die Arbeitslosenquote steigt damit auf 13,5 Prozent an. Im Vergleich zum Vorjahresmonat Januar 2011 waren aber 2926 Arbeitslose weniger gemeldet, was einem Rückgang von 7,1 Prozent entspricht.
Freie Stellen: Die meisten Abmeldungen in die Erwerbstätigkeit gab es im Januar für Stellen in der Unternehmensführung und -organsiation (Büroberufe), gefolgt von Verkehrs- und Logistikberufen (Lagerarbeiter, Postzusteller, Speditionskaufleute). Fachkräfte suchen außerdem Einzelhandel, Lebensmittel- und insbesondere die Metallbranche.
Arbeitsmarkt Südbrandenburg: Im Januar waren im Agenturbezirk Cottbus 36 311 Arbeitslose gemeldet, 11,5 Prozent mehr als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote liegt bei 13,3 Prozent. Im Vergleich zum Januar 2011 waren 3200 weniger Menschen arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet die Agentur einen Rückgang der Arbeitslosigkeit um 8,1 Prozent.
Freie Stellen: Vor allem in den Bereichen Gesundheit, Gas tronomie und in der Zeitarbeit sind die Stellenangebote im Agenturbezirk Cottbus zu finden.
Der Bundestrend: Mit 3,082 Millionen Erwerbslosen verzeichnet die Bundesagentur für Arbeit in diesem Jahr die geringste Januar-Arbeitslosigkeit seit insgesamt 21 Jahren. Im Vergleich zum Dezember 2011 kamen 302 000 Arbeitslose hinzu – auch diese Zahl lag unter dem sonst für die Jahreszeit üblichen Wert. Laut Bundesagentur erreicht die sich abschwächende Konjunktur den Arbeitsmarkt mit einer gewissen Verzögerung.
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Artikel-Aktualisierungen:
Erstellt am: 01. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 01. Februar 2012, 01:28 Uhr
Autor: Von Stefanie Hanus

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