Und von Edinburgh bis zu den Hebriden ist der alte Schotten-Schwur populär: „Niemals unter englischer Herrschaft“ . Im Land der Kilts und Dudelsäcke sind die Sezessionisten im Aufwind. So gewaltig, dass Gordon Brown, der bald Tony Blair als Premierminister ablösen könnte, jetzt vor der „Balkanisierung Großbritanniens“ warnte.

Referendum für die Freiheit
Zum 300. Mal jährt sich heute der Tag, an dem das schottische Parlament 1707 - unter erheblichem Druck aus London - die Unionsvereinbarung mit England absegnete. Durch den „Act of Union“ entstand das Königreich Großbritannien. Für Alex Salmond ist das Jubiläum Anlass, die Scheidungsklage zu bekräftigen, die er als Chef der Schottischen Nationalpartei (SNP) in Form eines Wahlprogramms eingereicht hatte: „Nach unserem Sieg werden alle Schotten ihr Recht wahrnehmen können, in einem Referendum für die Freiheit zu stimmen.“
Angus Robertson, SNP-Wahlkampfleiter und „Schattenaußenminister Schottlands“ , fügt hinzu: „Wir wollen einen Staat wie andere freie Nationen auch.“ Nach dem schottischen Politbarometer dürfte die regierende Labour-Partei bei den Regionalwahlen am 3. Mai herbe Verluste erleiden.
Die SNP hingegen könnte erstmals den „First Minister“ genannten Chef der Regionalverwaltung stellen. Etwa 52 Prozent der Schotten wünschen sich derzeit laut Umfragen einen eigenen Staat. Zwar machen die rund fünf Millionen Schottland-Bewohner nur 8,5 Prozent der Bevölkerung Großbritanniens aus. Doch ihr „Austritt“ aus der Union wäre der Anfang vom Ende des Vereinigten Königreichs. Sezessionisten in Wales, wo fünf Prozent der Bevölkerung leben, und Nordirland (drei Prozent) würden Auftrieb bekommen.
Schuld daran seien Blair und Brown, sagen die oppositionellen Torys. Niemals hätte Margaret Thatcher zugelassen, dass den Schotten wieder das Recht auf ein Parlament zugestanden wird. Doch Blair und Brown hätten 1997 erkannt, dass sich im Norden die Stimmen holen ließen, die sie damals für den Labour-Wahlsieg brauchten.
Sie versprachen den Schotten ein neues eigenes Parlament - rund 290 Jahre nach der Auflösung des alten. Im Jahr 1999 nahm es gegenüber vom Palast der Queen in Edinburgh die Arbeit auf, gut unter Kontrolle der Labour-Partei. Nun scheint die Stunde der Nationalisten zu schlagen. Allerdings verweisen Beobachter darauf, dass die SNP wohl eine Wahl gewinnen könne, aber kaum einen Volksentscheid zur Abspaltung Schottlands. Zumal so ein Referendum erst in einigen Jahren anstünde.

Wohlstand schaffen
Begründet wird der Ruf nach Freiheit auch damit, dass ein unabhängiges Schottland wirtschaftlich aufblühen würde. Wie in Irland werde man Wohlstand schaffen durch Anreize für internationale Investitionen, ergänzt durch Fördergelder der EU.
„Milchmädchenrechnung!“ , rufen Browns Finanzexperten. Ohne England wäre Schottland trotz seiner Gas- und Ölförderung in der Nordsee „wirtschaftlich tot“ . Derweil wächst in England die Zahl jener, die Schottland ziehen lassen wollen. Viele ärgert, dass Schotten pro Kopf und Jahr rund 2100 Euro mehr an Staatsausgaben erhalten als Engländer. Dem Schotten Brown wird das oft vorgehalten. Wohl auch deshalb ist er bemüht, sich vom schottischen Nationalismus abzugrenzen.
Ausländern fällt zu den Sezessionsbestrebungen in Schottland oft diese Frage als erste ein: „Was macht ihr dann mit der Queen?“ Kein Problem, sagt „Außenminister“ Robertson. „Wir bleiben im Commonwealth. Die Queen wäre nominell Staatsoberhaupt - sie hätte bei uns genausoviel zu sagen wie in Kanada.“