Mehrere hundert Menschen haben am Samstag, 21. November in Zwickau gegen die drohende Schließung des einzigen ostdeutschen Haribo-Werks protestiert. Belegschaft, Gewerkschaften und Politik appellierten an die Geschäftsführung, die Entscheidung noch einmal zu überdenken und den Standort zu erhalten.
„Es kann nicht sein, dass man jahrelang das Unternehmen in Wilkau-Haßlau auf Verschleiß gefahren hat, um uns heute zu erklären, dass die Investitionssumme zu groß wäre“, sagte Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) bei der Kundgebung.
Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD, Foto vom Mai 2019) wirft den Haribo-Chefs vor, das Werk in Sachsen jahrelang auf Verschleiß gefahren zu haben. Haribo will die Produktion in Wilkau-Haßlau Ende 2020 einstellen. Dagegen protestieren Beschäftigte und sächsische Politiker.
Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD, Foto vom Mai 2019) wirft den Haribo-Chefs vor, das Werk in Sachsen jahrelang auf Verschleiß gefahren zu haben. Haribo will die Produktion in Wilkau-Haßlau Ende 2020 einstellen. Dagegen protestieren Beschäftigte und sächsische Politiker.
© Foto: Oliver Killig/ZB/dpa
Zu der Demo hatte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) aufgerufen. Haribo-Beschäftigte hielten unter anderem Schilder mit ihren Namen und teilweise mehr als 30 Jahren Betriebszugehörigkeit hoch oder trugen Mund-Nasen-Masken mit der Aufschrift „Haribo muss im Osten bleiben“.

Linken-Politikerin: Haribo in Sachsen machte Millionen-Gewinne

Das Haribo-Werk im Osten befindet sich in der Stadt Wilkau-Haßlau. Dort gibt es seit mehr als 100 Jahren eine Süßwaren-Industrie. Zu DDR-Zeiten wurden bei Wesa Gummibärchen auch für den Export in den Westen hergestellt.
Nach Angaben der Zwickauer Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann (Linke) hat Haribo über die Jahre Millionengewinne mit dem kleinsten seiner fünf deutschen Werke erwirtschaftet. Im Zuge eines Gewinnabführungsvertrags gingen demnach beispielsweise 2018 rund 2,6 Millionen Euro an den Stammsitz in Grafschaft (Landkreis Ahrweiler), wie aus dem Bundesanzeiger hervorgeht.
Zu Beginn der 1990er-Jahre seien zudem mehr als eine halbe Million Euro an öffentlichen Geldern geflossen. „Gewinne abgeschöpft, Fördermittel kassiert und dann werden die Kolleginnen und Kollegen vor die Tür gesetzt“, sagte Zimmermann. Sie ist zugleich DGB-Kreisvorsitzende.
Die Linken-Fraktion im Sächsischen Landtag fordert Sachsen auf zu überprüfen, ob und inwiefern Fördermittel zurückgefordert werden könnten.

Haribo-Chefs verteidigen Entscheidung zur Werksschließung

Der Süßwarenhersteller will trotz der Proteste an seinen Plänen festhalten. „Unsere Entscheidung, den Standort in Wilkau-Haßlau zum Jahresende zu schließen, steht“, sagte eine Haribo-Sprecherin. Das Werk erfülle nicht mehr die Anforderungen an eine wirtschaftliche und effiziente Produktionsstruktur.
Dies fange bereits bei der baulichen Substanz an. „Würden wir beispielsweise neue Maschinen nach heutigen Standards installieren, würden diese schlichtweg die Traglast des Gebäudes überschreiten“, hieß es aus der Haribo-Unternehmensleitung.
Laut Bürgermeister Stefan Feustel ist Haribo einer der letzten größeren Arbeitgeber in der Kleinstadt Wilkau-Haßlau mit rund 10.000 Einwohnern. Der Goldbären-Produzent zahlt demnach etwa ein Drittel der Gewerbesteuereinnahmen von vier Millionen Euro. Betroffen wären von der Werksschließung von Haribo in Sachsen 150 Beschäftigte.
Bei einer Online-Petition für den Erhalt des einzigen ostdeutschen Haribo-Werks in Wiklau-Haßlaut haben sich bis zum Samstag, 21. November, mehr als 14.000 Unterstützer auf openPetition beteiligt.