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Sachsen

Von der Elbe ins Aquarium

Manchmal versteht Gerhard Herrmann die Tierwelt nicht mehr. Da hat der Chef des Tierparks in der Elbestadt Riesa extra Stichlinge als Futterfische für seine Hechte organisiert. Und dann werden die Winzlinge von den sonst so gefräßigen Räubern in Ruhe gelassen.

16.02.2007
Elbe-Aquarium Riesa zeigt Tierwelt der Elbe
Eine Besucherin betrachtet im Tierpark in Riesa die Elbe-Aquarien. 16 Arten umfasst die Flussfauna der Anlage.
Foto: dpa
Herrmann hat Hechte anders kennen gelernt. „Wir hatten früher größere Exemplare. Manchmal waren ihre Beutefische so lang, dass deren Schwanzflosse noch aus dem Hecht herausschaute.“ Doch beim Stichling halten die neuen Hechte ihr Maul.
„Vielleicht haben sie mal schlechte Erfahrungen gemacht“, sagt Michael Bergemann von der Wassergütestelle Elbe in Hamburg und verweist auf den schmerzhaften Stachelstich des Stichlings. Bergemann und Kollegen sind regelmäßig auf der Elbe unterwegs, um beim Probefischen den Bestand zu kontrollieren. Bei solchen Gelegenheiten bekommt Herrmann neue Fische für das größte Elbe-Aquarium entlang des Flusses. 16 Arten hat er schon in drei riesigen Becken mit insgesamt 20 000 Liter Wasser gesammelt, auf 20 soll der Bestand noch wachsen.
Bis auf das Wasser ist alles „echt“ in der Anlage im früheren Kloster Riesa. „Da der Fluss viele Schwebeteilchen enthält, konnten wir das Wasser nicht verwenden, es hätte die Sicht getrübt“, sagt Herrmann. So schwimmen die Fische in einem klaren Element, das nur Mauritius-Urlauber oder Aquarianer kennen. Neben Hasel, Döbel, Nase, Rotfeder oder Plötze tummeln sich auch beliebte Speisefische wie Zander, Wels und Karpfen im Wasser. Herrmann ist trotz Fürsorge für seine Schützlinge der Appetit nicht vergangen: „Ich esse gern Fisch.“
Der Tierparkleiter hat die Elbe als Lebensraum erforscht. „Vor Beginn der Industrialisierung im Elbtal zu Beginn des 19. Jahrhundert gab es etwa 80 Arten im Fluss“, erzählt Herrmann. Manche – wie der Stör – wurden Opfer intensiver Fischerei. Andere konnten sich der zunehmenden Wasserverschmutzung nicht anpassen. 1990 war die Vielfalt auf etwa 30 Arten geschrumpft. Seitdem ist ein reichliches Dutzend wieder heimisch geworden. Selbst der Lachs kehrt via Elbe in seine Laichgründe in der Sächsischen Schweiz zurück.
„Die Elbe ist in den letzten Jahren immer sauberer geworden. Noch Anfang der 1990er- Jahre gehörte sie zu einem der schmutzigsten Flüsse in Europa – heute ist sie wieder Lebensader für mehr als 40 Fischarten, für zahlreiche Kleintiere und Insekten“, berichtet Sachsens Umweltminister Stanislaw Tillich (CDU). Michael Bergemann belegt die „Reinigung Ost“ klar: „Vor 15 Jahren waren beispielsweise Barben in der Region um Dresden noch selten. Jetzt vermehren sie sich gut. Die Barbenregion trägt den Namen wieder zu Recht.“
Bergemann bezieht sich auf die Einteilung der Flussregionen nach den dort vorherrschenden Fischarten. Demnach beginnt der Fluss mit der Forellenregion – die für klares, sauerstoffreiches Wasser steht. Nach den Äschen-, Barben- und Brachsenregionen endet ein Fluss vor der Mündung im Brackwasser (Kaulbarsch-Flunder-Region), wo sich Salz- und Süßwasser vermischen und bereits Meeresfische leben können. Die Barbe als Leitfisch steht beim Riesaer Tierparkchef Herrmann derzeit ganz oben auf der Wunschliste für sein Aquarium.
Die Sachsen sind stolz auf ihre Erfolge bei der Wiederansiedelung von Arten in der Elbe. Als fruchtbarer Beweis gilt das 1994 begonnene Lachsprogramm. 2000 wurden bei Meißen die ersten Würfelnattern zu Wasser gelassen. Manchmal klappt es ohne menschliche Hilfe. Als die „Wassergütekontrolleure“ aus Hamburg die ersten Groppen fanden, glaubten sie an Zufall. „Inzwischen wissen wir, dass sie wieder in der Elbe leben“, erklärt Bergemann. Riesa hofft nun, dass sich so wie die Artenvielfalt auch die Zahl der Besucher im Tierpark vermehrt.
Von Jörg Schurig
 
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